Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Studentische Aktion „Freie Kunst – Kunst im Freien“ auf dem Campus
Campus Göttingen Studentische Aktion „Freie Kunst – Kunst im Freien“ auf dem Campus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:48 19.06.2013
Blick durch eine rosarote Brille: Die Göttinger Formation 37-ers sprayen ihr späteres Gewinnerbild.
Blick durch eine rosarote Brille: Die Göttinger Formation 37-ers sprayen ihr späteres Gewinnerbild. Quelle: Lottmann
Anzeige
Göttingen

Nicht alle haben eine genaue Vorstellung, wie ihr Projekt  aussehen soll. Katharina Rensing und Yannicka Riebensahm geben Gips auf eine Leinwand. In der Mitte klebt eine Puppe, drumherum versuchen sie, einzelne Körperteile zu formen. Feministisch solle ihr Bild aber nicht verstanden werden, betont Riebensahm. Es folge keiner Ideologie, sondern sei ausschließlich aus der Lust an der Arbeit mit Gips entstanden.

Gesellschaftskritik und Zweifel an der Politik

Kunst, die Gesellschaftskritik und Zweifel an der Politik in den Fokus stellt, fordert das Street Up Festival, das zur selben Zeit und nur unweit des Workshops stattfindet. Die bekannteste Form der Streetart ist Graffiti, welche auch bei dem Festival im Mittelpunkt stehen. Organisiert von vier Erasmus-Studenten, wetteifern rund elf Künstler mit fünf Bildern, die die Europapolitik in den Blick nehmen. Das mehrere Künstler an einem Bild arbeiten, sei durchaus üblich, berichtet Malte Orth vom Künstlerduo „Iam OG“.

Wettstreitgedanke typisch in der Szene

Auch der Wettstreitgedanke sei ein typisches Verhalten in der Szene. Es stamme aus der Hip-Hop-Kultur und sei besser „als sich gegenseitig in den Rücken zu schießen“, gibt Orth zu bedenken. Nicht üblich sei es, seinen richtigen Namen zu nennen, sagt eine Künstlerin, die in der Göttinger Formation 37-ers unter dem Namen Kurb arbeitet. Das Bild ihrer Gruppe zeigt den Blick auf eine Straßenszene durch eine rosa Brille: Blumenkästen auf den Fensterbänken, blühende Bäume und intakte Häuser. Die Aussicht außerhalb der Brille zeigt Zerstörung, tote Natur, einen Panzer und eine Armee mit Europa-Flagge. Dieses Bild wird vom Publikum zum Gewinner gewählt. Damit dürfen die 37-ers eine Wand auf dem Campus gestalten.

Fotoschau steht auf dem Programm

Auf dem Festivalprogramm steht auch die Fotoschau „United Streets of Europe“, in der Streetart-Werke aus europäischen Städten gezeigt werden. Die Kunstform ist vielfältig und oft politisch. Tendenzen zum Feminismus und gegen Rassismus lassen sich oft beobachten, ebenso wie der Hang zu Themen aus dem digitalen Leben: „Facebook fickt dein Leben“ steht an einer Hamburger Hauswand.

Das Festival zeigt, dass Kunst nicht nur ins Museum gehört. Streetart sei eine Kunstform „nah am Leben“, schreiben die Organisatoren in der Beschreibung zur Fotoausstellung. Dort wo manch einer nur eine beschmierte Wand sieht, lassen sich  Botschaften entdecken.

Von Daniela Lottmann