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Göttingen Beim Essen wird man liberaler
Campus Göttingen Beim Essen wird man liberaler
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18:34 31.07.2013
Konflikte auf dem Weg zum ehelichen Konsens: Essensszene aus der Bildergeschichte „Die Brille“ von Wilhelm Busch.
Konflikte auf dem Weg zum ehelichen Konsens: Essensszene aus der Bildergeschichte „Die Brille“ von Wilhelm Busch. Quelle: EF
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Beteiligt sind außerdem Wissenschaftler der Humboldt-Universität Berlin, der International Psychoanalytic University Berlin und des Center for Human Evolution and Behaviour an der Complutense Universität Madrid.

Annekathrin Schacht

Die Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Sommer vom Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin untersuchte, welche kognitiven und emotionalen Prozesse durch gemeinsames Essen ausgelöst werden.

„Bei einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit lässt die kognitive Kontrolle etwas nach, das heißt, man wird liberaler und nachlässiger, nimmt eigene Fehler weniger ernst“, fasst HU-Professor Sommer die Ergebnisse zusammen. Hierzu passe, so Sommer, dass diese Probandinnen sensibler auf negative emotionale Gesichtsausdrücke reagierten.

Keine schlechten Voraussetzungen, wenn es beispielsweise darum geht, in konfliktreichen Situationen Konsens zu erzielen. Im Hinblick auf Arbeitstellen, wo hohe Aufmerksamkeit und Exaktheit erforderlich ist, sei dies allerdings ein eher negativer Befund. Zudem schätzten sich die Teilnehmerinnen nach einer gemeinsamen Mahlzeit zwar nicht als besser gelaunt, wohl aber als entspannter ein.

Entspannter nach dem Essen

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass sich die Teilnehmerinnen nach einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit zwar nicht als besser gelaunt, wohl aber als entspannter einschätzten. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe der Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

An der Studie über die psychologischen Effekte einer Mahlzeit nahmen 32 Probandinnen teil, die entweder ihr Mittagessen alleine im Büro einnahmen oder zusammen mit einer Freundin in einem Restaurant essen gingen. Im Anschluss an die Mahlzeit untersuchten die Wissenschaftler die Wirkung der jeweiligen Essenssituation auf Wahrnehmung und Emotionen der Probandinnen per Fragebogen, EEG- und Reaktionszeitmessung.

„Wir haben als Erste den Einfluss von unterschiedlichen Essenssituationen außerhalb des Labors und deren Konsequenzen auf Leistungen in experimentellen Aufgaben im Labor untersucht“, sagt Prof. Schacht. Sie leitet die Göttinger Nachwuchsgruppe „Experimentelle Psycholinguistik“ und forscht hier zur Sprach- und Emotionsverarbeitung.

Das internationale Forscherteam wird seine Untersuchungen fortsetzen. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie sich die Essenssituation beispielsweise auf Empathie und Kreativität auswirkt.

eb/el

Originalveröffentlichung: Sommer, W. et al. (2013) How about Lunch? Consequences of the Meal Context on Cognition and Emotion. PLOS ONE: e70314. doi:10.1371/journal. pone.0070314