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Göttingen Syrischer Kulturabend in der Zentralmensa
Campus Göttingen Syrischer Kulturabend in der Zentralmensa
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16:01 26.04.2018
Ahmad Alomar präsentiert deutsch/arabische Poesie in musikalischer Begleitung eines Oud-Spielers.
Ahmad Alomar präsentiert deutsch/arabische Poesie in musikalischer Begleitung eines Oud-Spielers. Quelle: Markus_Hartwig
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Göttingen

Das Bild Syriens sei hier in Deutschland oft verzerrt, hat al Ali festgestellt. Im Vordergrund stehe meist Krieg, Gewalt, Flucht sowie Terror. Kaum einer verbinde mit Syrien ein Land voller Kultur, Musik, enger Beziehungen und Gastfreundschaft. Dieses Bild solle der Kulturabend zeigen. Wichtig sei ihm aber auch, damit eine Möglichkeit zu bieten, Kontakte zu knüpfen zwischen deutschen und ausländischen Studierenden, zwischen Geflüchteten und Bürgern der Stadt.

Solche Gelegenheiten gebe es immer noch zu wenige. Und das zeigt allein schon die Menge, die sich hier am Mittwochabend eingefunden hat. Brechend voll ist das Foyer der Zentralmensa, weit mehr Menschen als die Veranstalter vermutet haben, sind gekommen. Es werden noch weitere Stühle verteilt, trotzdem stehen viele am Rand, sind auch die Treppen zum Essensbereich voll besetzt.

Ein Auftakt könne diese Veranstaltung sein, sagt auch die Vizepräsidentin der Universität Göttingen, Hiltraud Casper-Hehne. Die Universität hat den Kulturabend genauso unterstützt wie das Studentenwerk. Es gebe so viele engagierte Studierende aber auch andere Menschen, die Kontakt aufnehmen wollten. Noch fehle es an Gelegenheiten und an einem schönen Raum.

Schmerz und Trost beim Gedanken an die Heimat

Al Ali strahlt über das ganze Gesicht, ob der vielen Leute. „Knüpft Kontakte, esst, heute gibt es Falafel statt Kartoffelauflauf“, ruft er ins Publikum. Charmant führt er durch das Programm. Impressionen aus Syrien bietet zunächst ein kurzer Film. Die Bilder zeigen, wie das Leben in einer großen syrischen Markthalle erwacht, eine weite beeindruckende Landschaft, traditionelles Handwerk, Reste antiker Tempel, Männer, die zum Karten spielen zusammen sitzen, tanzende Menschen.

„Die flüchtende Liebe aus Syrien“ hat Ahmad Alomar seine Gedichte genannt, von denen er drei begleitet von einem Oudspieler vorträgt. Alomar stammt aus Aleppo, lebt seit sechs Jahren in Heidelberg und studiert dort Medizin. Von Schmerz und Trost bei den Gedanken an die Heimat handeln seine Gedichte, aber auch von der Liebe einer westliche Frau.

Der syrische YouTuber Omar Meslmani. Quelle: Markus_HartwigMarkus_Hartwig

„In Syrien wollen alle Eltern, dass ihre Kinder Doktor werden oder Ingenieur!“ Der syrische Comedian und Youtuber Omar Meslmani ist vor vier Jahren nach Deutschland geflohen, inzwischen studiert er Psychologie in Bielefeld. Er witzelt bei seinem Auftritt darüber wie sich syrisches Eltern das so für ihre Kinder vorstellen, erzählt vom Druck. Deutsche Eltern seien so tolerant, was die Berufswünsche ihrer Kinder angeht.

Lange Schlangen bilden sich dann am syrischen Buffet, das ein vierköpfiges Team tagelang für den Abend vorbereitet hat. Auf diesen Ansturm war allerdings keiner so recht vorbereitet. Mit Musik der Safar Band, einer fünfköpfige Formation, die moderne orientalische mit westlicher Musik vereint, ging es dann in lockerer Atmosphäre weiter. Die Musiker der 2016 in Kiel gegründeten multikulturellen Band stammen unter anderem aus Syrien und Deutschland.

Von Christiane Böhm

25.04.2018