Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Tag der GSGG: Sprache, Märchen und die Wahrheit
Campus Göttingen Tag der GSGG: Sprache, Märchen und die Wahrheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:12 24.10.2019
Laudatorin Prof. Petra Terhoeven und Vorstandssprecher der GSGG Prof. Heinz-Günther Nesselrath gratulieren Heyne-Preisträger Dr. Felix Bohr. Quelle: Foto: Heller
Anzeige
Göttingen

Von Klitika in der tschechischen Sprache bis zur Frage, wie sehr Mensch und Maschine schon zum Cyborg verschmolzen sind: Die Geisteswissenschaften sind vielfältig und wer darin promoviert, muss seine Themen trotz der Tiefe übersichtlich und verständlich formulieren können. Das haben Promovierende der Philosophischen und Theologischen Fakultät am Donnerstagnachmittag in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz getan.

“What is so Cyborg About the Internet?“ lautete Avrina Jos Joslin Thambis Forschungsfrage. Quelle: lel

Zehn Minuten pro Vortrag

Am Tag der Graduiertenschule für Geisteswissenschaften (GSGG) hatten zunächst die Vortragenden zehn Minuten Zeit zur Darstellung ihrer Forschungen. Katrin Wellnitz zum Beispiel nutzte sie für eine Reise in die Märchenwelt, wo sie ihrem Publikum näherbrachte, wie Günter Grass in seinem Romanwerk Märchen der Brüder Grimm weitererzählt. Abdurrahman Icyer versuchte, den Hörern die serbisch-türkischen Beziehungen zwischen 1878 und 1911 näher zu bringen. Zurück ins Hamburg der Gegenwart ging es mit Jana Pasch. Die Kulturanthropologin erforscht die Ethnografie des Vergnügungsviertels und wie weit die Gentrifizierung fortgeschritten ist, seitdem Reeperbahn und Nebenstraßen von Gewerbetreibenden und Grundeigentümern als „Business Improvement District“ behandelt werden.

Jana Pasch erforscht die „Ethnografie im Vergnügungsviertel: Die Verdichtung gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse am Beispiel der Hamburger Reeperbahn“. Quelle: lel

Posterpreis für Pomohaci

Vier der insgesamt zehn vorstellenden Promovieren stellten ihre Projekte durch Poster vor. Das Publikum durfte abstimmen, den mit 100 Euro dotierten Preis bekam Maria-Daniele Pomohaci. Sie forscht zu den Streiks der Stadtreiniger im spätkolonialistischen Kalkutta.

Maria-Daniele Pomohaci (l.) hat den Publikumspreis gewonnen. Quelle: lel

Gegen das Vergessen

Der Christian-Gottlob-Heyne-Preis für die beste geisteswissenschaftliche Dissertation des vergangenen akademischen Jahres wurde am Abend verliehen: Historiker Dr. Felix Bohr erhielt von der GSGG die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung für seine Arbeit „Die ,Kriegsverbrecherlobby‘. Offene und verdeckte Hilfe aus der Bundesrepublik Deutschland für die NS-Täter Herbert Kappler und die ‚Vier von Breda‘ (1949-1989)“.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg waren in zahlreichen westeuropäischen Ländern NS-Kriegsverbrecher inhaftiert. Im Zuge der Westbindung der Bundesrepublik wurden die meisten von ihnen entlassen. Lediglich in Italien und den Niederlanden verblieben insgesamt fünf Deutsche im Gefängnis: der SS-Mann Herbert Kappler, als Kommandeur der Sicherheitspolizei verantwortlich für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen, sowie die „Vier von Breda“, die maßgeblich an der Ermordung der niederländischen Juden beteiligt gewesen waren. Hochrangige deutsche Politiker, unter ihnen die ehemaligen Bundeskanzler Brandt und Schmidt, setzten sich für ihre Freilassung ein. In der Bundesrepublik formierte sich eine einflussreiche Interessenvertretung für die im Ausland inhaftierten NS-Täter, die intensive Hilfe leistete.

Dr. Felix Bohr wurde während seiner Dissertation vom Spiegel abgeworben – und kam zurück. Quelle: Peter Heller

18 Archive in drei Ländern

Bohrs Doktormutter Prof. Petra Terhoeven vom Seminar für Mittlere und Neue Geschichte der Universität Göttingen hielt die Laudatio. „18 Archive in drei Ländern“ habe Bohr für seine Forschung besucht – und von Anfang an durch das Thema in der Öffentlichkeit gestanden. „Er hat einen Nerv getroffen, weil Forderungen nach einem Schlussstrich unter der NS-Vergangenheit sowohl im Internet als auch im Parlament zu hören sind“, so Terhoeven. Das öffentliche Interesse an dem Thema sei so groß gewesen, dass die Zeitschrift Der Spiegel Bohr für zweieinhalb Jahre abwarb – doch er kehrte zurück. „Diese Dissertation ist ein Lebensprojekt – und ich bin erst 36“, sagte Bohr. „Als ich 2011 anfing, wusste ich noch nichts von dieser Lobby – jetzt zum Glück mehr.“

Von Lea Lang

Die PFH Göttingen hat steigende Studentenzahlen. Deshalb musste für die mehr als 250 Gäste der Abschlussfeier ein neuer Ort gefunden werden. Die Feier wurde erstmals im Deutschen Theater ausgerichtet.

24.10.2019

36,3 Millionen Euro umfasst ein Förderpaket aus Mitteln der VW-Stiftung, das nach Vorschlägen der Landesregierung vergeben wird. Laut dem CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Ehbrecht, profitiert auch Göttingen.

24.10.2019
Göttingen Göttinger Wissenschaftler beteiligt Elf Millionen Euro für die Forschung an Muskeln

Ein europäisches Forscherkonsortium erhält einen ERC Synergy Grant zur Untersuchung der Nanostruktur von Muskeln und Ursachen muskulärer Erkrankungen. Ein Göttinger Wissenschaftler ist beteiligt.

23.10.2019