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Göttingen Tagung der interdisziplinären Gruppe Klimaforschung in Niedersachsen
Campus Göttingen Tagung der interdisziplinären Gruppe Klimaforschung in Niedersachsen
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18:25 19.09.2013
Hochwasser: Wie können Menschen zu einem klimaschützenden Handeln bewegt werden? Quelle: dpa
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Göttingen

Neben themenspezifischen Vorträgen und Arbeitsgruppen gab es bei der zweitägigen Veranstaltung auch eine allgemeinere Podiumsdiskussion mit dem Thema „Regionale Strategien: Rollen von Wissenschaft, Politik, Akteuren.

Wenn die Menschheit so weitermache wie bisher, wird es einen Klimawandel mit negativen Auswirkungen geben, scheinen sich alle Teilnehmenden sicher zu sein. Mehr noch: Ein solcher Wandel habe schon eingesetzt. Wie stark allerdings die Auswirkungen noch werden würden, sei nicht genau vorhersagbar.

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Von Überschwemmungen, Dürre und Unwettern ist die Rede. Um dem entgegenzuwirken müsse ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. Es müsse ein Bewusstsein für das Übermorgen geschaffen werden, da sich klimatische Prozesse nicht unmittelbar auswirken.

Menschen zu klimaschützendem Handeln bewegen

Dr. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimaforschung spricht die Kosten der Vermeidung für die Gesellschaft an: „Nur wenn glasklar ist, dass die Kosten für die langfristigen Schäden deutlich höher sind, als die Kosten der Vermeidung, ist die Gesellschaft bereit etwas gegen den Klimawandel zu tun“.

Je weiter sich die Erderwärmung bestimmten Marken nähre, desto schwieriger soll es werden, die Menschen zu einem klimaschützenden Handeln zu bewegen, meint der Wissenschaftler weiter. Aus diesem Grund lobt auch Dr. Christian Jacobs vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz die interdisziplinäre Gruppe: „Kliff ist der erste wichtige wissenschaftliche Zusammenschluss“.

Mit diesem könne herausgefunden werden, wo sich die Gesellschaft noch anpassen müsse, wo sie das schon automatisch tut und wo es sogar noch Auflagen geben müsse.

Und wie soll die Politik das Klima beeinflussen und Gesellschaft sich ändern? Die Redner sind sich einig: Über Projekte wie Kliff, noch besser ausgebildete Schüler als auch Wissenschaftler und durch eine bessere Kommunikation innerhalb und über das Thema. „Vor solch einer Herausforderung hat die Politik noch nie gestanden“, meint Moderator Prof. Hartmut Graßl.

Fünf vor Zwölf

Der Meteorologe, der bereits in den 1980er-Jahren vor dem Klimawandel warnte und unter anderem Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg ist, erklärt außerdem: „Vielleicht können wir es schaffen, dass der Wasserspiegel in Zukunft nicht drei Zentimeter steigt, sondern nur um vier Millimeter.“

Eine Teilnehmerin der Tagung wirft ein: „Einerseits müssen wir schreien, dass es fünf vor Zwölf ist. Aber andererseits müssen wir den Leuten auch zeigen, dass wir noch Chancen haben.“ Dazu müsse aber national gehandelt werden und nicht nur regional.

Dem wird widersprochen: Die Anpassungsstrategien müssten auf das Lokale heruntergebrochen werden, da nicht in allen Bundesländern die gleichen Bedingungen vorherrschen würden. Daten müssten weiterhin erhoben werden, Leute vor Ort befragt und sowohl Erfolge als auch das Scheitern unterschiedlichster Bemühungen dokumentiert werden. Nur so soll es einen handlungsfähigen Klimaschutz geben können, meinen die Teilnehmer.

Von Friedrich Schmidt