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Göttingen UDL-Vorlesung: Was Lichtenberg für die Physik getan hat
Campus Göttingen UDL-Vorlesung: Was Lichtenberg für die Physik getan hat
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18:46 06.04.2018
Physikerin Johanna Send zeigt Elektrizität durch Reibung auf – am Beispiel von Luftballons. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Es ist ein ungewohntes Bild: Statt jungen Studenten bevölkern an diesem Vormittag vor allem Senioren den Hörsaal 002 im Zentralen Hörsaal Gebäude (ZHG) der Uni Göttingen. Das hat einen einfachen Grund: Es handelte sich bei der Vorlesung um die Auftaktveranstaltung der Universität des Dritten Lebensalters (UDL) für das Sommersemester: Physikerin Johanna Send zeigte den Interessierten auf, dass Georg Christoph Lichtenberg (1742 bis 1799) nicht nur Aphorismen schreiben konnte, sondern auch einen großen Verdienst für die Physik geleistet hat.

UDL-Vorlesung: Lichtenberg als Physik-Professor

„Dass Lichtenberg der zweite Physikprofessor an der Uni Göttingen war, ist nicht so präsent wie sein literarisches Werk“, erzählte Send ihren Zuhörern. Dabei habe er speziell für die Elektrizitätslehre wichtige Erkenntnisse erbracht, die Send mit verschiedenen Geschichten und Experimenten aufzeigte.

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So brachte sie ihre selbstgebaute Elektrisiermaschine – nach dem Vorbild von Elektrisiermaschinen aus Lichtenbergs Zeiten – zum Einsatz. An einem Hebel drehend zeigte Send auf, wie verschiedene über einer Kugel angebrachte Papierstreifen elektrisiert werden. „Ich mache es bei allen Versuchen so, wie Lichtenberg es beschrieben hat“, erklärte die Physikerin.

UDL-Vorlesung: Experiment mit zwei Luftballons

Nach dem oft schon in Schulen gezeigten, ganz einfachen Experiment mit zwei Luftballons – „Reibung erzeugt Aufladung“, so die Erklärung – ging Send zu ihrem ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert nachempfundenen Elektrophor über. Mit dem schemelförmigen Gerät spielte sie Lichtenbergs wichtigste Experimente nach: Mithilfe des Elektrophors lud Send eine Flexiglasplatte elektrisch auf und kippte anschließend Schwefelpulver darüber. Es bildete sich ein sternförmiges Muster – es sah ein bisschen aus wie Eiskristalle am Fenster.

„Das sind die Lichtenbergschen Figuren“, erzählte Send. Die gehörten zu einem der wichtigsten Verdienste Lichtenbergs für die Elektrizitätslehre, weil er damit aufgezeigt habe, dass es nur zwei Sorten von Elektrizität gibt – die positive und die negative. Bei der positiven kämen die schönen sternförmigen Figuren heraus, bei der negativen eher runde, weniger schöne Muster. „Damit hat er ein einfaches Verfahren zur Unterscheidung aufgezeigt“, erklärte Send. Auch die heute noch verwendete Namensgebung von positiver Elektrizität (E+) und negativer Elektrizität (E-) gehe auf Lichtenberg zurück.

Spiel mit den Lichtenberg’schen Figuren

Dass sich mit dem Prinzip der Lichtenberg’schen Figuren auch richtig schön herumspielen lässt, zeigte die Physikerin den Senior-Studenten dann auch noch: Statt die Flexiplatte einfach an einer Stelle elektrisch aufzuladen, schrieb sie mit einem elektrisch aufgeladenen Metallstab Buchstaben auf die Platte. Was sich den Zuschauern dann zeigte, als sie das Pulver darüber kippte, setzte einen schönen Schlussstrich unter diese experimentell angelegte Vorlesung: „Ende“.

Die UDL bietet Veranstaltungen für Menschen ab 50 Jahren an – das Abitur oder ein Studium wird dafür nicht benötigt. Mehr dazu sowie das Vorlesungsverzeichnis ist unter www.uni-goettingen.de/udl zu finden.

Von Hannah Scheiwe

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