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Göttingen UMG legt Pläne für Göttinger Medizincampus in Braunschweig auf Eis
Campus Göttingen UMG legt Pläne für Göttinger Medizincampus in Braunschweig auf Eis
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19:00 11.02.2020
Da waren die Hoffnungen noch groß: Im April 2018 unterzeichneten UMG, SKBS und das Land Niedersachsen eine gemeinsame Absichtserklärung. Quelle: Stefan Koch
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Göttingen

Rückschlag für den Göttinger Medizincampus in Braunschweig: Wie die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Städtische Klinikum Braunschweig (SKBS) mitteilen, kann die angestrebte Kooperation mit dem Ziel, zusätzliche Medizinstudienplätze in Niedersachsen zu schaffen, auf absehbare Zeit nicht in die Tat umgesetzt werden. Der Grund: Rechtliche Bedenken des Studiendekanats.

2018 hatten UMG, SKBS und das Land Niedersachsen eine gemeinsame Absichtserklärung herausgegeben, in der vereinbart wurde, dass die UMG in Braunschweig einen zweiten klinischen Ausbildungsstandort aufbaut. Damit sollten zusätzliche Studienplätze geschaffen werden.

Experten stoßen auf Hindernisse

Vor der Umsetzung der Kooperation richteten die beteiligten Institutionen gemeinsame Lenkungs- und Arbeitsgruppen ein. Mit Hilfe des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sollten diese Gremien die zentralen strategischen und organisatorischen Fragen beantworten.

Das Studiendekanat der UMG habe die Machbarkeit eines klinischen Ausbildungscampus der UMG in Braunschweig detailliert geprüft, teilen UMG und SKBS jetzt mit. Das Ergebnis: Die unterschiedlichen Hintergründe der beteiligten Kliniken stellen eine rechtliche Hürde dar. Denn die UMG ist eine universitäre Lehr- und Ausbildungseinrichtung, die vom Land Niedersachsen finanziert wird. Das SKBS hingegen ist ein kommunales Krankenhaus und wird von der Stadt Braunschweig finanziert.

Rechtliche Auseinandersetzungen vermeiden

Die Einrichtung neuer Studienplätze durch eine Zusammenarbeit sei aber vor einer grundsätzlichen Klärung dieser „elementaren Rechtsfragen“ nicht möglich. Die UMG sehe keine Alternative dazu, die Kooperation vorerst auf Eis zu legen, sagt Prof. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes der UMG und Dekan der Medizinischen Fakultät: „Jetzt haben wir rechtzeitig diese Hürde erkannt, noch bevor das Medizinstudium im Wintersemester 2020/2021 aufgenommen wird. Damit ersparen wir uns und künftigen Medizinstudierenden mögliche rechtliche Auseinandersetzungen.“

Auch am SKBS sehe man keine andere Lösung, als den Aufbau eines Göttinger Medizincampus in Braunschweig auszusetzen, sagt Dr. Thomas Bartkiewicz, Ärztlicher Direktor am SKBS: „Aktuell müssen die bestehenden rechtlichen Voraussetzungen zweier in gänzlich unterschiedlichen Rechtsformen stehender Einrichtungen rechtskonform aufeinander abgestimmt werden.“ Das sei kurzfristig nicht machbar. „Diese Erkenntnis müssen alle Beteiligten respektieren, so dass zu diesem Zeitpunkt von einer Vereinbarung Abstand zu nehmen ist“, so Bartkiewicz.

UMG sucht Alternativen

Beide Kooperationspartner seien gewillt, auch weiterhin auf eine Kooperation hinzuarbeiten. Das SKBS wolle nach wie vor seinen Beitrag zur Ausbildung von Nachwuchsmedizinern in Niedersachsen leisten. Dafür sei die Zusammenarbeit mit der UMG ein logischer Schritt: „Die Voraussetzungen für eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis in unmittelbarer Nähe zu den Patientinnen und Patienten sind vorhanden“, so Bartkiewicz.

Die UMG halte am Ziel fest, jährlich 60 zusätzliche Plätze in medizinischen Studiengängen in Niedersachsen einzurichten, sagt Brück. Dafür werde man sich ab sofort aber auch nach Alternativen zu Braunschweig umsehen, sagt UMG-Sprecher Stefan Weller: „Wenn sich die Probleme lösen lassen, wollen wir gern weiter mit Braunschweig zusammenarbeiten. Die UMG wird aber auch, während wir an einer Lösung für die rechtlichen Probleme arbeiten, nach anderen Möglichkeiten suchen, das Ziel zusätzlicher Studienplätze zu erreichen.“

Kooperation wurde 2018 vereinbart

Die Idee für eine Kooperation von Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und Städtischem Klinikum Braunschweig (SKBS) nahm erstmals im Herbst 2017 Konturen an: Die damalige niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) stellte das Projekt gemeinsam mit Vertretern beider Kliniken in Braunschweig vor. Als Ziel der angepeilten Kooperation benannten die Partner die Schaffung neuer Studienplätze im medizinischen Bereich, um etwa dem Ärztemangel entgegenzuwirken.

Im April 2018 gaben UMG, SKBS und das Land Niedersachsen in Person von Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) eine gemeinsame Absichtserklärung heraus. Darin wurde vereinbart, dass die UMG in Braunschweig einen zweiten klinischen Ausbildungsstandort aufbaut. Ab dem Wintersemester 2020/2021 sollten 60 Studierende pro Jahr für ihr Medizinstudium von Göttingen nach Braunschweig wechseln. Dort sollten die Nachwuchsmediziner ihr Studium beenden, nachdem sie in Göttingen das vorklinische Studium sowie die ersten beiden klinischen Semester absolviert haben.

So erreichen Sie den Autor:

E-Mail: t.kohlwes@goettinger-tageblatt.de

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Von Tammo Kohlwes

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