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Campus Göttingen Uni Göttingen stellt Lehrbetrieb wegen Corona ein
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17:52 15.03.2020
Die Universität Göttingen stellt ab Montag den Lehrbetrieb ein. Der Vorlesungsbeginn verschiebt sich um eine Woche. Betroffen sind auch Veranstaltungen, Prüfungen, Sporteinrichtungen und andere Aspekte des universitären Lebens. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Mit einem Schreiben hat sich Uni-Präsident Reinhard Jahn am Freitag an die Uni-Mitarbeiter gewandt und die wichtigsten Maßnahmen an der Georgia Augusta im Zuge der Corona-Pandemie benannt.

Die Universitätsleitung habe in enger Abstimmung mit der Universitätsmedizin, der Stadt Göttingen und dem Land Niedersachsen eine Reihe von Entscheidungen getroffen. So wie Kitas und Schulen ab Montag, 16. März, geschlossen blieben, werde der Lehrbetrieb an der Universität mit sofortiger Wirkung eingestellt. „Die Universität wird jedoch nicht vollständig geschlossen, sondern Forschungsbetrieb und Verwaltung werden bis auf weiteres aufrechterhalten, sofern dies vertretbar und verhältnismäßig ist“, erläuterte Jahn.

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Der ursprünglich für den 14. April vorgesehene Vorlesungsbeginn werde zunächst auf den 20. April verschoben. Die Entscheidung über eine mögliche weitere Verschiebung und die Verlängerung des Vorlesungszeitraums werde von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie abhängen, erläutert Jahn. Die O-Phasen würden abgesagt. „Wir werden prüfen, wieweit die wichtigsten Einführungsveranstaltungen parallel zum Beginn des Vorlesungsbetriebes nachgeholt werden können. Selbstverständlich werden wir Lösungen finden, damit Studierenden keine Nachteile entstehen“, versichert Präsident Jahn.

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Die Gesundheit aller Studierenden und der Universitätsmitarbeiter an der Uni Göttingen sollte an erster Stelle stehen, meint der neue AStA-Vorsitzende Felix Schabasian. Der Krisenplan des Präsidiums zum Umgang mit der Corona-Pandemie komme dem aber nicht nach. Der Allgemeine Studierendenausschuss hat nun weitergehende Maßnahmen. Die Studierendenvertretung ruft das das Präsidium nun ausdrücklich, „die Bibliotheken sofort zu schließen und die Fristen für Hausarbeiten um mindestens vier Wochen zu verlängern“, heißt es in einer am späten Freitagabend veröffentlichten Stellungnahme. „Dies sollte im Sinne der Gesundheit der Studierenden und der gesamtem Bevölkerung sein“, heißt es weiter.

Uni-Präsident Reinhard Jahn Quelle: r

Jahn erläutert weitere Maßnahmen

Virtuelle Lehre: „Mit der Aussetzung des Lehrbetriebs und der Verschiebung des Vorlesungsbeginns wird vielfältig die Frage nach den Möglichkeiten der virtuellen Lehre gestellt. Wir gehen davon aus, dass diese zunehmend eine wichtige Rolle spielen wird. Der Service für Digitales Lehren und Lernen stellt aktuell eine Übersicht über die verschieden verfügbaren Werkzeuge zur virtuellen Lehre und deren Einsatzmöglichkeiten zusammen. Diese wird so schnell wie möglich weiter ausgebaut und aktualisiert und mit Links auf Anleitungen zu den einzelnen Werkzeugen versehen. Wie die aktuelle Überlastung der DFN-Videokonferenzsysteme zeigt, stellt die derzeitige Situation enorme Anforderungen an die technische Infrastruktur. Wir bemühen uns daher, Lösungen zu erarbeiten, die auch einer großen Zahl von Nutzer*innen gewachsen ist und dabei den Lehrenden und Studierenden soweit wie möglich gerecht wird. Ein wichtiger Faktor ist dabei, die Last zu entzerren und möglichst gleichmäßig zu verteilen. Wir möchten Sie daher bitten, die kommenden Tage und Wochen zu nutzen um zu prüfen, welche Form der virtuellen Lehre für Sie in Frage käme und sich über die aktuellen Möglichkeiten zu informieren.“

Prüfungen und Klausuren: „Prüfungsleistungen in Präsenz werden ab sofort ausgesetzt. Wir arbeiten an Regelungen, wie wir den Prüfungsbetrieb unter den gegebenen Rahmenbedingungen wieder aufnehmen können und stimmen das konkrete Vorgehen zeitnah mit den Fakultäten ab. Auch hier werden wir selbstverständlich Lösungen finden, damit Studierenden keine Nachteile entstehen.“

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Bibliotheken und Lern- und Studiengebäude: „Der Benutzungsbetrieb der Bibliotheken der Universität wird ab Montag, 16. März 2020, eingestellt. Die SUB auf dem Zentralcampus wird einen erweiterten Ausleihbetrieb im Laufe der kommenden Woche einführen. Für die anderen Bibliotheken wird ein Ausleihbetrieb ebenfalls geprüft. Entsprechende Informationen werden so rasch wie möglich bereitgestellt. Auch das Lern- und Studiengebäude sowie Praktikums- und Laborräume bleiben ab Montag, 16. März 2020, geschlossen.“

Dienstreisen und Exkursionen: „Ab sofort werden alle Dienstreisen, Exkursionen und von der Universität veranlasste Reisen unabhängig vom Zielgebiet bis auf Weiteres untersagt. Konkret bedeutet dies, dass sowohl keine neuen Dienstreisen mehr genehmigt werden, als auch bereits genehmigte Dienstreisen nicht mehr angetreten werden dürfen. Sollten in begründeten Einzelfällen Dienstreisen erforderlich sein, müssen diese von der Krisenstabsleitung der Universität genehmigt werden. Bitte richten Sie hierfür einen begründeten Antrag an die Personalabteilung. Sofern aufgrund der Absage einer Dienstreise Kosten anfallen, wird eine Reisekostenvergütung in Höhe der dienstlich veranlassten notwendigen Kosten für die Reisevorbereitung erstattet.“

Veranstaltungen: „Veranstaltungen finden an der Universität bis auf Weiteres nicht statt. Davon ausgenommen sind für den Universitätsbetrieb notwendige Gremiensitzungen und Besprechungen. Für diese Sitzungen werden wir zeitnah Handlungsempfehlungen zur Verfügung stellen, bitten Sie aber schon jetzt, Maßnahmen zur Kontaktminimierung zu ergreifen, unter anderem durch die Wahl größerer Räume oder durch die Nutzung von Telefon- oder Videokonferenztechnik.“

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Mensen und Cafeterien: „Die Krisenstabsleitung ist in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung des Studentenwerks Göttingen, mit der Stadt und der UMG, um eine zeitnahe Regelung für die Mensen und Caféterien zu erreichen. Ziel ist es, eine Grundversorgung aufrechtzuerhalten und Ansteckungsrisiken zu minimieren. Mensen und Caféterien (Ausnahme HAWK-Caféterien) bleiben zunächst geöffnet und haben verschiedene Maßnahmen zur Berücksichtigung der besonderen Situation ergriffen.“

IT-Infrastrukturen und Telefonie: „Wir stehen in enger Abstimmung mit der GWDG und den IT-Dienstleistern für einzelne Bereiche der Universität (Studierenden-IT, Zentralverwaltung, SUB, UMG), um eine ausreichende IT-Versorgung sicherzustellen. Wir gehen davon aus, dass die Netz-Bandbreite nach außen ausreichend ist. Einzelne Services (zum Beispiel VPN) werden, soweit dies möglich ist, verstärkt. Bitte überprüfen Sie jeweils für sich die Notwendigkeit eines Dienstes, bevor Sie ihn in Anspruch nehmen. Im Bereich der Telefonie werden zusätzliche Services bereitgestellt, zum Beispiel für Telefonkonferenzen. Für diese und andere Bereiche werden so rasch wie möglich Handreichungen über die Informationswebseite zur Verfügung gestellt.“

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Technische Gebäudeinfrastrukturen: „Das Gebäudemanagement hat differenzierte Notfallpläne aufgestellt, um den Betrieb aller zentralen Systeme für Forschung, Lehre und Verwaltung auch beim Ausfall von Teil-Personal sicherzustellen (Strom, Wärme, Kühlung etc.).“

Sport: „Die Sporteinrichtungen der Universität werden ab Montag, 16.März 2020, geschlossen.“

Notfallpläne: „Die Universität ist bemüht, den Betrieb der Universität in Forschung und Verwaltung aufrechtzuerhalten und erstellt und aktualisiert hierzu ihre Notfallpläne.“

Schließung der Kindergärten und Schulen: „Wenn Sie die Betreuung nicht anderweitig sicherstellen können, können Sie in Absprache mit Ihrer zuständigen Leitung von zu Hause aus mobil arbeiten oder Sie werden mit Gehalt freigestellt. Details finden Sie in unseren FAQs“.

Mobiles Arbeiten: „Das Instrument der mobilen Arbeit kann und sollte in der aktuellen Lage präventiv genutzt werden, um Mitarbeiter*innengruppen zu trennen und damit die gleichzeitige Ansteckung zu verhindern. Bei konkreten Fragestellungen wenden Sie sich bitte an die Personalabteilung.“

Das gilt für die Universitätsmedizin Göttingen

Auch die Medizinische Fakultät an der Universitätsmedizin stellt den Lehrbetrieb ein – zunächst bis zum 20. April, heißt es auf der UMG-Internetseite. Die Fakultät werde aber einige wenige Prüfungen, bei denen die zugehörigen Lehrveranstaltungen bereits vollständig abgeschlossen seien, noch ermöglichen, heißt es weiter. Für die Umsetzung der Regelungen habe sie „in enger Einbindung des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektiologie“ Bedingungen geschaffen, damit die Prüfungen und Klausuren „unter voller Beachtung aller Vorschriften zur Minimierung eines Übertragungsrisikos“ stattfinden können.

Aus Sicht von Universitätsleitung und UMG-Vorstand sind die Durchführung der Staatsexamina, die in der Verantwortung des Landesprüfungsamtes liegen, und die Prüfungen in der Medizin „angesichts der aktuellen Lage ein elementarer Beitrag zur Daseinsvorsorge“.

Weiter heißt es, dass über die Fortsetzung der Blockpraktika und Famulaturen an den externen Einrichtungen die dort zuständigen Verantwortungsträger entschieden. Das Studiendekanat werde dafür Sorge tragen, „dass den Studierenden durch den Ausfall keine Nachteile entstehen und nach Möglichkeiten suchen, wie die Blockpraktika und Famulaturen nachgeholt werden können“.

Von der Aussetzung ausgenommen sind folgende Prüfungen: die mündlichen Prüfungen in den Staatsexamina Medizin und Zahnmedizin, die Prüfungen im Modul B.MM.303 sowie M.MM.102 im Studiengang Molekulare Medizin, die Prüfung M.CVS.102 im Studiengang Cardiovascular Science, das Praktische Jahr und die Wiederholungsprüfungen einschließlich zweite Termine der Prüfungen der Vorklinik (Biologie, Chemie, Physik, Physiologie) statt.

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 E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de 

Twitter: @soulmib

Von Michael Brakemeier

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