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Göttingen Universität Göttingen orientiert Finanzanlagen am Klimaschutz
Campus Göttingen Universität Göttingen orientiert Finanzanlagen am Klimaschutz
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18:00 17.07.2018
Marlin Seeger (l.) und Dorothea Epperlein von der Göttinger Fossil-Free-Gruppe vor dem Aula-Gebäude. Quelle: r
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Göttingen

Auf Initiative der lokalen Fossil-Free-Gruppe habe der Stiftungsausschuss mit seinem Beschluss einen „Meilenstein in der Divestment-Bewegung“ gesetzt, teilt Lisa Neubauer von Fossil Free Göttingen mit. „Während in Berlin die Kohle-Kommission ihre Arbeit aufnimmt, setzt die Universität ein deutliches Zeichen gegen klimaschädliche Industrien und für nachhaltige Energien.“

Die Finanzanlagen der Universitätsstiftung (ohne Universitätsmedizin) würden nun an Nachhaltigkeits-Kriterien ausgerichtet. Für das Liquiditäts- und Vermögensmanagement der Universität „im Umfang von aktuell rund 191 Millionen Euro“ würden transparente Vorgaben gelten: „In Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie darf nicht mehr investiert werden“, so Neubauer.

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Die Universität distanziere sich „von Energiesektoren, die den Klimawandel weiter anheizen. Ausgeschlossen werden beispielsweise Shell und RWE“ als Unternehmen des fossilen Sektors. „Der Divestment-Beschluss der Universität Göttingen zeigt, dass es in Zeiten der Klimakrise nicht mehr tragbar ist, in klimaschädliche Unternehmen zu investieren“, so Mira Jäger, Sprecherin von Fossil Free Göttingen. „Wir begrüßen, dass die Universität ihre gesellschaftliche Verantwortung für soziale und ökologische Nachhaltigkeit wahrnimmt“ und Forderungen von Studierenden aufnehme.

„Gemäß unseres Wahlspruchs ,In publica commoda – zum Wohle aller’ tragen wir nicht nur Verantwortung für die Erkenntnisse der Wissenschaft, sondern auch dafür, wie diese Erkenntnisse die Gesellschaft beeinflussen und leiten können“, so Universitätspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel. „In diesem Sinne übernehmen wir auch bei unseren Investments eine gesellschaftliche Verantwortung und wählen diese nicht allein nach wirtschaftlichen Aspekten, sondern insbesondere auch nach sozial, ethisch und ökologisch vertretbaren Kriterien aus.“

Die Universität Göttingen übernehme mit der Uni Münster, die als erste deutsche Hochschule im März Divestment beschlossen hatte, „eine Vorreiterrolle in Deutschland“, so Luisa Neubauer. In Großbritannien hätten Studierende bereits ein Drittel aller Universitäten des Landes dazu bewegt, Investitionen in Kohle, Öl und Gas zurückzufahren. Durch die Nachhaltigkeits-Kriterien seien auch Investitionen in Unternehmen ausgeschlossen, die zum Beispiel aufgrund Kinder- oder Zwangsarbeit die ILO-Kernarbeitsnorm nicht einhalten würden, so Neubauer.

Fossil Free Göttingen sei Teil eines globalen Netzwerkes von Divestment-Initiativen. Die Bewegung habe „mittlerweile eine Reihe milliardenschwerer Erfolge gefeiert“; weltweit hätten mehr als 800 Institutionen „wie Kirchen, Städte und Bildungseinrichtungen ihre Anlagen dem klimaschädlichen Geschäft“ entzogen. An einem internationalen Aktionstag am 8. September würden Fossil-Free-Gruppen weltweit unter dem Titel „Rise For Climate für schnelles Handeln gegen klimazerstörenden fossile Energien mobilisieren“. Die Fossile-Energien-Industrie stehe „dringend notwendigen Klimaschutzmaßnahmen seit Jahrzehnten im Weg“. Die Idee hinter Divestment sei, den Konzernen „die gesellschaftliche Legitimation zu nehmen“. Neubauer: „Fossil Free Göttingen hat 2017 bereits erfolgreich auf das Divestment des Pensionsfonds der Stadt Göttingen hingearbeitet.“

Info: Uni Göttingen Abteilung Finanzen Der Link in der rechten Spalte führt auf das pdf-Dokument Anlagegrundsätze

Von Stefan Kirchhoff

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