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Campus Göttingen Uni Göttingen zeigt Kinder- und Jugendliteratur der Jahre 1925 bis 1945
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14:06 31.10.2019
Ausstellungseröffnung „Spieglein, Spieglein: Reise in eine Zeit voller Umbrüche“ in der alten SUB. Foto (v. l.): Die Studentinnen Clara Lange, Alina Niermann und Destina Yildiz. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Einen Einblick in die Kinderbuch- und Lesekultur der späten Weimarer Republik und des Nationalsozialismus bietet die Ausstellung „Zeit I Spiegel, Kinder- und Jugendliteratur der Jahre 1925 –1945“, die in der Paulinerkirche, dem historischen Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek, eröffnet wurde. Die dort präsentierte Literatur stammt aus der Sammlung von Sigrid Wehner.

2017 hat die Georg-August-Universität die Privatsammlung alter Kinderbücher der 1931 geborenen Wehner erworben. Ab den 1990er Jahren hatte sie etwa 18 000 Bände Kinder- und Jugendliteratur zusammengetragen. Bücher statt Sammeltassen hieß es in ihrer Jugend, wenn es um Geschenke ging. Ihre Eltern und vor allem ihre Patentante unterstützten ihre Leidenschaft für das Lesen. All ihre geliebten Bücher blieben zurück, als sie als 13-Jährige ihre pommersche Heimat Naugard verlassen musste.

Auf großes Interesse ist die Ausstellung historischer Kinder- und Jugendliteratur in der Paulinerkirche gestoßen. Bis zum 2. Februar 2020 ist sie geöffnet.

Spürsinn war geweckt

Ein Antiquariatskatalog war es, der Sigrid Wehner zufällig über den Titel „König ist unser Kind“ von Gertrud Caspari stolpern ließ. Das Buch gehörte in ihrer Kindheit zu ihren Lieblingsbüchern. Ihr Spürsinn war geweckt: Sie möchte die Bücher ihrer Kindheit zurückbekommen. An weit über 100 Titel erinnerte sie sich, sammelte sie auf Flohmärkten zusammen.

Ihre Neugier wuchs, je intensiver sie in die Materie eindrang. Wehner sammelte nun alles, was es an Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1925 und 1945 gab. Die Sammlung umfasste Bilderbücher, Zeitschriften für Kinder und Jugendliche, Mädchen- und Jungenliteratur, Märchen- und Abenteuerbücher. Sie fand sie auf Büchermärkten und Fachantiquariaten in ganz Deutschland, aber auch in Sammlerkatalogen.

Bücherschränke hatte sie nicht

Bücherschränke, um die Schätze unterzubringen, hatte Sigrid Wehner nicht. Sie brauchte sie aber auch nicht, wie sie selber sagte. Stattdessen stapelte sie die Literatur in Räumen. „Wie Jahresringe sind die Bücher gewachsen“, erzählt Prof. Dr. Christoph Bräuer, der Leiter der universitären Sammlung historischer Kinder- und Jugendliteratur, der Wehner in Würzburg aufgesuchte. „Es fiel ihr nicht leicht, sich von ihrem Schatz zu trennen“, so Bräuer, der hofft, sie im Rahmen der Ausstellung in Göttingen begrüßen zu dürfen. 400 Kartons wurden von Würzburg nach Göttingen gebracht. „Noch haben nicht alle ihren Platz gefunden“, verdeutlicht der Leiter. Die Sammlung befindet sich zurzeit in der wissenschaftlichen und bibliothekarischen Erschließung.

„Die meisten werden sich an ein Kinderbuch erinnern, das ihnen besonders gefallen und sie geprägt hat“, sagte Hartmut Hombrecher, Kustos der Göttinger Sammlung historischer Kinder- und Jugendliteratur. „Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung sollen die Bücher deshalb nicht nur als historische Objekte aus vergangenen Zeiten betrachten, sondern sich selbst als Teil einer fortgeschriebenen Geschichte verstehen können“, verdeutlichte er.

Ausstellung arbeitet mit Spiegeln

Die Ausstellung arbeitet mit Spiegeln. Diese sollen die Betrachtenden in die Vitrinen quasi mit hineinholen. Ermöglicht wurde der Erwerb der Sammlung durch die Kulturstiftung der Länder, die Stiftung Niedersachsen sowie die Lindemann-Stiftung.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Februar 2020 zu sehen. Sie ist von Mittwoch bis Freitag in der Zeit von 12 bis 18 Uhr und Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Vorlesungen in der Paulinerkirche

Kinder- und Jugendliteratur der Jahre 1925 – 1945

Zum Thema Kinder- und Jugendliteratur gibt es in den kommenden Wochen eine Reihe von Vorlesungen in der Paulinerkirche, die jeweils um 18 Uhr beginnen:

Mittwoch, 6. November 2019: Intro - Kinder- und Jugendbücher der Weimarer Zeit im Gespräch / Prof. Dr. Christoph Bräuer und Hartmut Hombrecher.

Mittwoch, 13. November 2019: Untergebuttert. Die kinderliterarischen Werbezeitschriften der Margarineindustrie / Prof. Dr. Julia Benner

Mittwoch, 20. November 2019: „... unseren Kindern eigene Wege weisen“. Jüdische Kinder- und Jugendliteratur im Deutschland der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus / Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp

Mittwoch, 27. November 2019: Germanische Vorheldenzeit. Zur Rückprojektion nationaler Identifikationsmuster im Kinder- und Jugendbuch /Prof. Dr. Heike Sahm und Dr. Andreas Laubinger

Mittwoch, 4. Dezember 2019: Bücher für alle – alle für den Sozialismus. Linke Bildungsideale der späten Weimarer Republik /Amelie May

Mittwoch, 11. Dezember 2019: „Wie sieht das Abenteuer aus, das unserer heutigen Zeit entspricht?“ Konjunkturen von Kolonialität im Sammelbildalbum / Dr. Judith Blume

Mittwoch, 18. Dezember 2019: Kritzeln, knistern, Knöpfe schieben – Ein Blick auf die Materialität von Kinderbüchern /Hartmut Hombrecher

Mittwoch, 8. Januar 2020: Licht und Schatten im Erstleseunterricht – Fibeln im Spiegel der Zeit / Prof. Dr. Christoph Bräuer

Mittwoch, 15. Januar 2020: Leselust mit Hintersinn. Robinson-Bearbeitungen im Spiegel ihrer Entstehungszeit / Prof. Dr. Bernhard Rank

Mittwoch, 22. Januar 2020: Outro – Kinder- und Jugendbücher des Nationalsozialismus im Gespräch / Prof. Dr. Christoph Bräuer und Hartmut Hombrecher

 

Von Vicki Schwarze

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