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Göttingen Live-OP und Vorträge beim Aktionstag Medizin
Campus Göttingen Live-OP und Vorträge beim Aktionstag Medizin
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18:05 04.12.2019
Prof. Thomas Burke berichtet über seine Arbeit. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Bereits das 22. Mal veranstalteten die Studierenden der Fachschaft Medizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) diesen Aktionstag am Mittwoch, 4. Dezember, in der Osthalle und den Hörsälen des Uniklinikums. Das Motto in diesem Jahr: „Grenzenlos. Wie Medizin die Welt umspannt“. Globale Medizin käme im Studium nicht vor, so Lara Jansen von der Fachschaft. „Wir wollen uns aber auf die Zukunft vorbereiten.“ Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen zu abwechslungsreichen, gesellschaftskritischen Themen aus der Medizin jenseits der regulären Lehrpläne standen auf dem Programm.

Aktionstag Medizin

Besonders froh ist das Team um Plohmann, Jansen und Jonas Blume, dass sie Prof. Thomas Burke, Notarzt in der Pädiatrie und Erwachsenenmedizin und Leiter der Abteilung Global Health and Human Rights am Massachusetts General Hospital (Boston, USA) und Professor an der Harvard Medical School und Harvard T.H. Chan School of Public Health, für einen Vortrag und zwei Podiumsdiskussionen nach Göttingen holen konnten. Burke forscht seit 25 Jahren zum Thema Global Health, ist Experte für Entwicklungen, die Neugeborenen, Müttern und Kindern das Überleben sichern.

Leben retten

Eine Kommilitonin kannte Prof. Burke und habe angefragt, ob er sich vorstellen könne, beim Aktionstag einen Vortrag zu halten, so Plohmann. Und er hatte Lust Göttingen kennenzulernen. Finanziert werde die Reise von der amerikanischen Universität, die ein Budget für Vorträge ihrer Profs im Ausland habe. Ein „Riesenglück, dass das amerikanische System, das vorsieht“, so Blume.

Der Hörsaal ist dann bei Burkes Vortrag auch sehr gut gefüllt. Fast zwei Stunden spricht der amerikanische Experte. Über seine Arbeit, seine Besuche in Indien, in Afrika, die Innovationen, die er mit seinem Team entwickelt. Einfache Möglichkeiten beispielsweise, um auch in abgelegenen Winkeln dieser Erde zu verhindern, das Frauen nach der Geburt verbluten. Um Operationen möglich zu machen, wenn aufwendige Anästhesie nicht zur Verfügung steht.

Millionen Menschen, so Burke, könnten nicht operiert werden, weil keine Anästhesie zur Verfügung steht, unter ihnen viele Frauen, die einen Not-Kaiserschnitt brauchen. Preiswert, sehr sicher sei das Medikament Ketamine, führte Burke aus. In 17 Krankenhäusern haben er und sein Team Ärzte und Krankenschwestern im Umgang mit dem Medikament trainiert. Es sei einfach anzuwenden, der Patient müsse nicht intubiert werden. Und es sei extrem preiswert. Ein wichtiger Schritt, um Leben zu retten.

Menschen mit besonderer Energie

Etwas besonderes ist das System, das sie entwickelt haben, um Frühgeborenen, die ein Atemnotsyndrom entwickeln, zu helfen. Das sehe sehr einfach aus, habe aber zwei Jahre der Entwicklung gebraucht, so Burke. Es kostet nur rund 40 bis 50 Euro, braucht keine Elektrizität, ist tragbar und wieder benutzbar. Zum Ende hin fordert er die Studierenden auf, Ausschau zu halten nach den „Agents of change“, Menschen mit Engagement und besonderer Energie. Um die Welt gesünder zu machen.

Zum Aktionstag gehörten auch Infostände und die Typisierungsaktion „Studenten retten Leben“ der Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG) und der Fachschaft Medizin der UMG. Über Effekte des Klimawandels auf die Gesundheit sprach beispielsweise Dr. Matthias Schmidt. Hitze könne extreme Auswirkungen haben. Dramatisch könne die Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit werden, so Schmidt. Wenn der Körper nicht mehr die Möglichkeit habe sich durch Schweiß herunterzukühlen, könne es zum Hitzschlag kommen. Trockenheit und Hitze führten vermehrt zu Waldbränden und die verstärkten immens die Feinstaub-Belastung der Luft.

Begonnen hatte der Tag mit einer Live-OP: eine Urologische Operation mit dem Da Vinci-OP-Roboter.

OP-Roboter

In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kommt seit 2017 der Da-Vinci XI Op-Robotzer zum Einsatz. Der vierarmige Operationsroboter bietet schonende Operationsverfahren und innovative Möglichkeiten für die Chirurgie. Die Anschaffungskosten betrugen 2,7 Millionen Euro.

Bereits seit 2013 kommt der Operationsroboter Da-Vinici vor allem an der Urologischen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen zum Einsatz. Vier große Arme hat Da Vinci. Mit ihnen kann der Operateur über ein dreidimensionales Operationsbild Eingriffe am menschlichen Körper durch klitzekleine Schnitte, sogenannte „minimalinvasive Operationen“ durchführen.

Auch für die Ausbildung sei der Da-Vinci ausgezeichnet geeignet, weil ein zweiter Chirurg oder ein Student die Operation am einem Bildschirm mitverfolgen kann. „Wir werden den Bereich der roboterassistierten Chirurgie systematisch weiter ausbauen“, kündigte Kroemer an.

Das Da-Vinci-Operationssystem wurde in den USA entwickelt. Seit dem Jahr 2000 wird das System in der Medizin eingesetzt. Ähnlich wie bei der herkömmlichen Bauchspiegelung werden bei der Da-Vinci Operationsmethode die Instrumente über kleinste Zugänge in den Bauchraum eingeführt.

Von Christiane Böhm

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