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Göttingen Universitätsmedizin Göttingen entwickelt Sensorpflaster
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Universitätsmedizin Göttingen entwickelt Sensorpflaster 

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17:00 20.08.2020
Dehnbares Sensorpflaster mit 36 integrierten Biegensensoren, dass in einem vorangegangenem, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt entwickelt wurde (l.) rechts: Beatmungspuppe mit dem aufgebarchten Sensorpflaster (r.).
Dehnbares Sensorpflaster mit 36 integrierten Biegensensoren, dass in einem vorangegangenem, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt entwickelt wurde (l.) rechts: Beatmungspuppe mit dem aufgebarchten Sensorpflaster (r.). Quelle: r
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Göttingen

Die Neonatologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) leitet die klinischen Studien zur Entwicklung und Erprobung einer neuen Atemunterstützung von Frühgeborenen. Seit dem 1. Juli wird an der Entwicklung eines hochelastischen Sensorpflasters gearbeitet. Die Lungen von Frühgeborenen würden sich noch in der Entwicklung befinden, daher sei die lebensnotwendige Atemunterstützung eine Herausforderung, informiert die UMG.

Ziel des Verbundprojekts smartNIV (schonende nicht-invasive Beatmung) sei es daher, ein neuartiges Sensorsystem zu entwickeln, dass Beatmungsgeräte zuverlässiger und sicherer steuert. Ebenfalls am Projekt beteiligt sind das Institut für Mikrotechnik (IMT) der Technischen Universität Braunschweig sowie drei industrielle Entwicklungspartner.

Nach Angaben der UMG solle sich das neue Sensorpflaster durch den Einsatz hochelastischer Materialien optimal an die Atmung der Kinder anpassen können. Weiter sei das Pflaster mit einem dünnen Netzwerk von Sensoren versehen und zwischen Brust und Bauch auf der Haut anzubringen.

Der Leiter des Insitituts für Mikrotechnik, Prof. Dr. Andreas Dietzel, erklärt: „Dort soll es die mechanischen Verformungen des Brustkorbs, die durch die Eigenatmung der Neugeborenen verursacht werden, mithilfe der integrierten Sensoren messen. Ein System künstlicher Intelligenz wird die Sensordaten auswerten und ein adaptives Steuersignal an das Beatmungsgerät senden. Eine derart schonende Beatmung, die über ein dünnes und kostengünstiges Sensorpflaster ohne Bewegungseinschränkung gesteuert wird, gibt es bisher noch nicht“, sagt Dietzel.

1,2 Millionen Euro Förderung

Der Leiter der Neonatologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, pädiatrische Kardiologie, Intensivmedizin und Pneumologie an der UMG, Dr. Helmut Küster, verweist noch auf einen anderen Aspekt: „Erstmals könnte es möglich sein, die Atemanstrengungen von Neugeborenen auch bei nicht-invasiver Beatmung zu unterstützen. Bisher ist dies nur bei invasiver Beatmung möglich.“

Das Projekt wird im Rahmen der Fördermaßnahme „Kleine Patienten, großer Bedarf – medizintechnische Lösungen für eine kindgerechte Gesundheitsversorgung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit über 1,2 Millionen Euro für zweieinhalb Jahre gefördert, informiert die UMG.

Von Svenja Heckerott