Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Universitätsmedizin Göttingen erprobt erfolgreich Hochdrucktherapie
Campus Göttingen Universitätsmedizin Göttingen erprobt erfolgreich Hochdrucktherapie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 17.04.2014
Spezialisiert auf Barorezeptor-Stimulation: Privatdozent Dr. Rolf Wachter (Klinik für Kardiologie und Pneumologie), Dr. Dieter Zenker (Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie), Prof. Michael Koziolek und Dr. Manuel Wallbach (Klinik für Nephrologie und Rheumatologie) (v. l.). Quelle: UMG
Anzeige
Göttingen

Mit dem neuen Verfahren wird nicht nur der Blutdruck gesenkt. Auch Organ- und Gefäßschäden werden gemindert, und der Verlust der Nierenfunktion wird verlangsamt. Die Universitätsmedizin Göttingen ist in der Anwendung des neuen Verfahrens bei Patienten weltweit führend.

Gemeinsam haben die Klinik für Nephrologie und Rheumatologie (Direktor: Prof. Gerhard A. Müller), Klinik für Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Gerd Hasenfuß) sowie die Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (Direktor: Prof.Friedrich Schöndube) bereits mehr als 50 Patienten mit einem solchen „Bluthochdruckschrittmacher“ versorgt.

Anzeige

In Deutschland wird diese Operation an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt. Für die Barorezeptor-Stimulationstherapie bekommen die betroffenen Patienten einen „Bluthochdruckschrittmacher“ eingesetzt. Der Schrittmacher wird in einem kleinen chirurgischen Eingriff unter dem Schlüsselbein platziert.

Folgeerkrankungen vermeiden

Das Gerät sendet elektrische Signale an die Nervenzellen der Halsschlagader, die so genannten Baro­rezeptoren (Druckempfänger). Barorezeptoren sind körpereigene Blutdruckregler. Sie senden Signale an das Gehirn, die Blutdruck und Herzfrequenz normalisieren. Das Verfahren ersetzt nicht die Einnahme von Medikamenten.

Es ergänzt sie und hilft dabei, den Blutdruck richtig einzustellen, um auch Folgeerkrankungen zu vermeiden. Wenn der Blutdruck nicht richtig eingestellt ist, erhöht sich das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine dialysepflichtige Nierenschwäche. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die neue Behandlung.

„Die Implantation dauert in der Regel etwa eine Stunde und der Aufenthalt im Krankenhaus beträgt oft nur wenige Tage. Bereits während der Operation können wir durch Anschalten des Schrittmachers testen, ob sich der Blutdruck senkt”, sagt Dr. Dieter Zenker, Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der UMG.

"Sehr gute Blutdruckabsenkung"

„Der große Vorteil dieser Therapie ist, dass wir die körpereigenen Regelkreisläufe nutzen und so keine Nervenbahnen zerstört werden. Durch unterschiedliche Programmierungen des Schrittmachers können wir die Therapie optimal an die Patienten und ihren Tagesablauf anpassen. Stärke, Frequenz und Dauer der Impulse sind stufenlos und unabhängig voneinander einstellbar.

Bei Bedarf können sie auch ganz ausgeschaltet werden. Viele Patienten können nach dem Einsatz des Schrittmachers die Anzahl oder die Dosis ihrer Medikamente sogar reduzieren”, sagt Privatdozent Dr. Rolf Wachter, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG.

Das Verfahren ist für Patienten geeignet, die mindestens drei verschiedene Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen und deren Blutdruck sich dadurch nicht einstellen lässt. „In der Auswertung unser behandelten Patienten konnten wir zeigen, dass sich neben einer sehr guten Blutdruckabsenkung die bereits vorhandenen Gefäß- und Nierenschäden durch die Therapie in Teilen zurückbilden“, sagt der Bluthochdruckspezialist Prof. Michael Koziolek von der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der UMG.

Von Michael Schäfer

Mehr zum Thema

Gehen, joggen oder sprinten – je schneller wir uns bewegen, desto mehr Kraft müssen unsere Muskeln dafür bereitstellen. Unterschiedliche Typen von spezialisierten Nervenzellen, sogenannten Motoneuronen, setzen dafür Nervenimpulse aus dem Gehirn gezielt in langsame, ausdauernde oder sehr schnelle Bewegung um.

31.03.2014

Etwa 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben eine chronische Funktionsstörung der Niere. Derzeit lassen sich für die Patienten keine sicheren Aussagen treffen, wie die Erkrankung verläuft. Schreitet die Nierenerkrankung fort, gibt es keine effektiven Therapien, um die Niere langfristig zu schützen.

17.03.2014

Vogelgezwitscher und Musik – das sind Hörerlebnisse, die schwersthörigen Menschen trotz moderner Technologie weiterhin verwehrt sind. Hörprothesen wie Cochlea-Implantate können die dafür nötige hohe Qualität beim Hören nicht liefern. Ein internationales Forscherteam hat nun unter Leitung von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) einen neuen Weg ausgelotet.

12.03.2014