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Göttingen Unterhaltung und Redekunst
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12:49 30.11.2016
Als Vetreter der Physik der Uni Göttingen konnte Torsten Nieland punkten.
Als Vetreter der Physik der Uni Göttingen konnte Torsten Nieland punkten. Quelle: Hinzmann (Symbolbild)
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Göttingen

„Für diese Veranstaltung gibt es keine Credits“, scherzte Moderator Alexander Mowitz mit Blick auf die vielen Studenten im Publikum. Doch so ganz recht hat er damit nicht. Für vier Redner war der öffentliche Vortrag die Prüfungsleistung für ein Rhetorik-Seminar, das sie an der Universität belegt hatten.

Sklaven der eigenen Erfindung

Fenja Pretzsch eröffnete den Slam mit einem klaren Statement für die Gesellschaftswissenschaften. Die Studentin der Kunstgeschichte würdigte den technischen Fortschritt und seine Entlastungsfunktion im Alltag. Letztendlich seien wir ohne die Reflexion darüber jedoch nur „Sklaven unserer eigenen Erfindungen“. Pretzsch sprach mit Nachdruck, klarer Stimme und großer Präsenz.

Jeder auf der Bühne überzeugt mit anderen Stärken: Tina Schunder lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums mit großer Gestik. Ihr Fazit, dass sich die beiden Wissenschaften ergänzen, kann man schon an ihren Händen ablesen, die sich ebenfalls annähern. John Contenius punktet mit Humor und setzt der Fragestellung deshalb „ein entschlossenes: Es kommt immer drauf an“ entgegen.

Überzeugen durch Redekunst

Völlig frei redet Dr. Nicole Stockfisch. Die Agrarwissenschaftlerin redet anschaulich und mit wirkungsvollen Pausen. Torsten Nieland, der gerade angefangen hat Physik und Philosophie zu studieren punktet mit großem Hintergrundwissen und beeindruckendem Name-Dropping.

Das Thema der Veranstaltung ist mehr Redeanlass als wichtige Botschaft. Funktion von Rhetorik ist es mit Argumenten und Redekunst zu überzeugen. Und tatsächlich: Zwei Leute im Publikum haben am Ende des Abends sogar ihre Meinung geändert. Und ganz nebenbei haben die vier Studierenden auf der Bühne nicht nur den Abend mit Bravour überstanden, sondern auch ihre Prüfungsleistung.  

Von Jorid Engler