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Göttingen Unterschiede zwischen „race“ und „Rasse“
Campus Göttingen Unterschiede zwischen „race“ und „Rasse“
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18:52 09.07.2009
Hoffnung für schwarze und weiße US-Amerikaner: Obama.
Hoffnung für schwarze und weiße US-Amerikaner: Obama. Quelle: Iden
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Paula M. L. Moya, außerordentliche Professorin für Englisch an der Stanford University, erläuterte verschiedene Schemata, die den Umgang mit dem Thema in den USA charakterisieren. Diese Ansichten spannen einen Bogen von „We’re beyond race“ über „ethnische Vielfalt macht die Welt interessanter“ bis hin zu übertriebenem Stolz auf eine bloße ethnische Zugehörigkeit. Diese unterschiedlichen Ansichten zeigen, dass die Amerikaner die ethnische Vielfalt gleichzeitig schätzen und fürchten, erklärte Moya.

Prof. Ramón Saldívar, ebenfalls von der Standford University, betrachtete das Thema aus historischer Sicht und sprach von einer „postrace“– Ära, auf die sich die USA zu bewegen. Der Umgang mit „race“ habe sich in den vergangenen hundert Jahren stark gewandelt. Die frühere unüberbrückbare Barriere zwischen dem weißen und dem schwarzen Amerika, sei heute überschreitbar.

In Deutschland ein Tabu

Der Terminus „Rasse“ sei in Deutschland aus historischen Gründen zu Recht ein Tabu, erklärte Dr. Karen Schönwälder, Vorsitzende der Forschungsgruppe multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften des Max Planck-Instituts in Göttingen. Trotzdem sei bis in die 1980er Jahre eine Einwanderungspolitik verfolgt worden, die die Immigranten unterteile und ausgrenze. Die Politik sei mit der „völlig andersartigen Mentalität“ begründet worden. Auch heute sei die politische Repräsentation der Immigranten oder ethnischer Minderheiten noch sehr gering.

Es sei nicht möglich den Begriff „race“ einfach zu übersetzen, da er völlig unterschiedliche Bedeutungen habe, die im geschichtlichen Kontext zu sehen seien, stellte abschließend Prof. Frank Kelleter, Amerikawissenschaftler an der Universität Göttingen, fest.

Die Diskutanten waren sich am Ende einig, dass der Begriff in beiden Ländern ein völlig anderer ist und auch die Debatte sehr unterschiedlich geführt wird. Während in den USA nach wie vor mit Leichtigkeit über „race“ diskutiert werde, sei der Begriff in Deutschland gesellschaftlich nicht tragfähig und die Debatte sensibilisiert.

Von Noreen Hirschfeld

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