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Göttingen Verleger und Musikwissenschaftler über die Zukunft des Buches
Campus Göttingen Verleger und Musikwissenschaftler über die Zukunft des Buches
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19:12 12.11.2010
Unterschiedliche Zukunftsaussichten: Bücher und Notentexte.
Unterschiedliche Zukunftsaussichten: Bücher und Notentexte. Quelle: Schäfer
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Ihm folgte an diesem Abend in der Paulinerkirche der Göttinger Musikwissenschaftler Prof. Andreas Waczkat, der einen Blick in „die Zukunft der Note“ wagte. Sowohl den musikalischen Texten in Notenform als auch den Büchern ist gemein, dass die technische Entwicklung in ihr Verlagswesen Einzug gehalten hat. Welche Veränderung dies bisher mit sich gebracht hat und vor allem wie es zukünftig weitergehen könnte lohnt jedoch einer genaueren Betrachtung, die beide Referenten auf umfassende Erfahrungen gründen konnten.

Entwicklungen sind immer wieder geprägt von Zufällen und neuen Entdeckungen. So spielte dem gedruckten Buch die technische Weiterentwicklung von Druckmaschinen für kleinere Auflagen ebenso in die Hände wie der Harry-Potter-Effekt. Saur dazu: „So eine produktive Leseerziehung hat es noch nie gegeben“. Harry und seine Freunde haben zahllose Kinder und wohl so manchen erwachsenen Lesemuffel zum Schmökern und durch das „haptische Vergnügen, das sich bei elektronischem Lesen nicht einstellt“, zum Weiterlesen gebracht.

Trotz paralleler Entwicklungen und mehr oder weniger dauerhafter Trends von E-Book bis Hörbuch lautet das Fazit von Saur: „Die Zukunft ist offen. Aber die Zukunft wird weiter durch Bücher begleitet werden.“
Ein wenig anders sieht es im Bereich der Musik aus. Wo gedruckte Buchstaben und Worte bei den Büchern in direkter Verbindung zur Sprache und dem künstlerischen Werk stehen, sind die Noten, wie wir sie kennen deutlich mehr Hilfsmittel als direkte Umsetzung. Musik schriftlich wiederzugeben sei daher auch im Wesentlichen ein Phänomen der westlichen Welt der Neuzeit, so Waczkat, Professor für historische Musikwissenschaft am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen. Auch in diesem Rahmen steht fest, dass viele Aspekte von Musik nicht durch Noten in Dauerhaftes verwandelt werden können, ohne ihren Charakter zu verlieren, etwa Improvisationen, die per se einmalig sind und nur auf losen Absprachen der Beteiligten beruhen.

Im Bereich der Musik hält die Technik somit letztlich wesentlich mehr und schneller Einzug als bei den Büchern, erlaubt sie doch, den Facettenreichtum von Musik umfassender und auch ganz anders zu visualisieren als mit gedruckten Notentexten. Gerade für die wissenschaftliche Arbeit ein unschätzbarer Vorteil wie Waczkat aus eigener Erfahrung erläutern konnte. Eher schlechte Zukunftsaussichten also für die Notentexte in der bisher üblichen Form.

Von Isabel Trzeciok