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Göttingen Verloren und gefunden – ersetzt Facebook das Fundbüro?
Campus Göttingen Verloren und gefunden – ersetzt Facebook das Fundbüro?
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00:20 12.07.2018
Im Zweifel müssen Fundsachen in den Fundbüros der Städte, Gemeinden und Samtgemeinden abgegeben werden, wenn der Besitzer sich auf anderen Wegen nicht finden lässt. Quelle: dpa
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Ob Rucksack, Handy oder Schlüssel: Wer etwas verloren hat, wird heute nicht selten über soziale Netzwerke im Internet wieder fündig. Das klassische Fundbüro scheint längst nicht mehr die einzige Anlaufstelle zu sein, wenn Verbraucher etwas Vermisstes suchen – oder etwas gefunden haben.

Generell aber gilt: Wer etwas findet und an sich nimmt, muss dies laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB, Paragraf 965) dem Eigentümer anzeigen. Ist der Eigentümer nicht ersichtlich, dann muss der Fund der zuständigen Behörde, also dem Fundbüro der jeweiligen Stadt, Gemeinde oder Samtgemeinde, angezeigt werden. Von dieser Pflicht ausgenommen sind lediglich Gegenstände, die weniger als zehn Euro wert sind. Die Anzeige an die Behörde muss unverzüglich erfolgen und inhaltlich so konkret sein, dass das Amt den Empfangsberechtigten ermitteln kann. Und: Der Eigentümer hat gegenüber dem Finder einen Anspruch auf Herausgabe des Fundstücks. Gleichzeitig muss er einen Finderlohn zahlen, der bei drei bis fünf Prozent des Sachwertes liegt.

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Finder kann haftbar gemacht werden

Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen rät davon ab, gefundene Sachen über soziale Netzwerke zu posten und den Fund nicht im Fundbüro abzugeben. „Auf den Post hin kann sich auch jemand als der Eigentümer eines Fundstücks ausgeben, obwohl er es gar nicht ist“, sagt Körber. In einem solchen Fall muss der Finder letztlich haften, weil er dem Falschen geglaubt hat. Ebenfalls muss der Finder haften, wenn er das Fundstück irgendwo anders ablegt, weil er keine Lust oder Zeit hat, den Fund anzuzeigen. „Auch dürfen bei der Veröffentlichung von Fundsachen über soziale Netzwerke keine persönlichen Daten preisgegeben werden“, betont Körber. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen vor.

Doch hat sich die Bekanntgabe von gesuchten und gefundenen Gegenständen denn tatsächlich ins Internet verlagert? Nachfragen in einigen Fundbüros in Stadt und Landkreis Göttingen haben ergeben, dass dies zumindest in Südniedersachsen tendenziell eher nicht der Fall zu sein scheint. Im Flecken Bovenden, in der Gemeinde Gleichen, im Flecken Adelebsen, in der Samtgemeinde Gieboldehausen, in der Samtgemeinde Dransfeld und auch an der Universität Göttingen haben sich nach Angaben zuständiger Sprecher keine signifikanten Veränderungen ergeben. Eine Verlagerung beobachtet hat Hendrik Seebode, Fachbereichsleiter Bauen und Ordnung der Samtgemeinde Radolfshausen. „Insbesondere in der Facebook-Gruppe der Samtgemeinde wurden schon des Öfteren solche Anzeigen geschaltet“, berichtet er. Allerdings habe gleichzeitig kein Rückgang der offiziell gemeldeten Fundsachen verzeichnet werden können. In der Stadt Göttingen, wo die Zahlen laut Verwaltungssprecher Dominik Kimyon über die Jahre immer mal wieder schwanken würden, sei zuletzt sogar eine Steigerung erkennbar gewesen. „Ein Grund dafür ist nicht ersichtlich“, so Kimyon.

Ergänzung statt Ersatz?

Das Fundbüro einerseits und die sozialen Netzwerke andererseits: Könnten sich beide nicht prima ergänzen? Dem würde auch Verbraucherschützerin Körber zustimmen. Ein Finder kann einen Gegenstand im Fundbüro abgeben und den Fund in sozialen Netzwerken posten, dass er dies getan hat. „Aber in jedem Fall sollte sich der Finder dann sehr genau überlegen, was er schreibt, damit sich keine Betrüger melden“, so Körber. Im Übrigen ist die Digitalisierung durchaus nicht an den stationären Fundbüros vorbeigegangen: Kommunen wie beispielsweise Göttingen, Bovenden (im Portal e-fund.eu) und Adelebsen veröffentlichen dort abgegebene Fundsachen selbst im Internet. Andere, etwa Dransfeld, verzichten jedoch bewusst darauf.

Von Markus Riese (mit dpa)