Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Verschärfter Blick in die Nanowelt
Campus Göttingen Verschärfter Blick in die Nanowelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:19 06.07.2011
Von Angela Brünjes
Mikroskop konstruiert: Stefan W. Hell.
Mikroskop konstruiert: Stefan W. Hell. Quelle: Schuller/MPIbpC
Anzeige

Die Hamburger Körber-Stiftung wird ihm dafür den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2011 verleihen. Am 7. September wird der Göttinger Wissenschaftler im Hamburger Rathaus damit ausgezeichnet.

Mit dem Preisgeld in Höhe von 750   000 Euro kann Hell seine Forschung fortsetzen, die sich um neue Fluoreszenzfarbstoffe dreht, die sich mit viel weniger Licht an- und ausschalten lassen. Fluoreszierende Farbstoffe sind das Hilfsmittel, das Hell einsetzte, um das von Ernst Abbe 1873 formulierte Gesetz der Beugungsgrenze zu umgehen. Danach können Objekte, die enger als 200 Millionstel Millimeter, das Zweihundertstel einer Haaresbreite, im Bild nicht mehr unterschieden werden.

Dass inzwischen auch im Nanobereich schärfer gesehen werden kann, liegt daran, dass Hell Fluoreszenzfarbstoffe einsetzt. Mit ihnen werden zu untersuchende Proben markiert und mit einem fokussierten Laserstrahl beleuchtet, dessen Fluoreszenz wird im Randbereich des Sichtfeldes durch einen zweiten Laserstrahl gezielt ausgeschaltet.

Unter dem Namen STED-Mikroskopie (Stimulated Emission Depletion – stimulierte Emissions-Löschung) hat Hell, Jahrgang 1962 und seit 2002 Direktor am MPI, seine Erfindung bekannt gemacht und ist dafür mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden. 2008 erhielt er den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Im Jahr 2008 gelang es Hirnforschern mit der STED-Mikroskopie, die Bewegungen winziger Synapsenbestandteile in lebenden Nervenzellen sichtbar zu machen. Dass diese Aufnahmen und andere gelingen können, liegt an dem zweiten STED-Strahl, der die Fluoreszenzmarker temporär am Leuchten hindert – also ausschaltet.

In seinem STED-Mikroskop überlagert Hell die etwa 200 Nanometer große Kreisfläche des Anregungs-Lichtstrahls mit diesem zweiten, ringförmig ausgebildeten „Ausschalt-Strahl“, der die Probe bis auf einen sehr engen Bereich in der Mitte des Ringes verdunkelt. Nur die Moleküle in dieser Zone werden noch registriert. Lässt man nun die beiden Strahlen über die Probe rasterförmig wandern, so kann man auch Zellbestandteile trennen, die viel enger benachbart sind als 200 Nanometer. Und so werden die Bilder um ein Vielfaches schärfer. Das ist insbesondere für die biologische und biomedizinische Forschung eine wichtige Verbesserung. Ziel von Hell und seiner Forschungsgruppe ist es nun, die erreichte Auflösung nochmals zu erhöhen und zugleich die benötigte Laserstrahlung zu verringern. Sie hat für Zellen und Gewebe eine schädigende Wirkung.