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Göttingen Verschollene Orchesterfassung wiederentdeckt
Campus Göttingen Verschollene Orchesterfassung wiederentdeckt
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16:52 21.11.2017
Das Göttinger Gänseliesel. Quelle: Christina Hinzmann
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Kassel

Auf dem Dachboden der Murhardschen Bibliothek Kassel wurde die seit Jahrzehnten verschollene Orchesterfassung der Märchenoper „Gänseliesel“ von Luise Greger wiederentdeckt. Das teilte die Universität Kassel am Dienstag mit.

Bisher war nur ein Klavierauszug der im Dezember 1933 in Baden-Baden uraufgeführten Märchenoper bekannt. Die Oper zählt zu den späten Werken von Greger und basiert auf dem gleichnamigen Märchenspiel von Emilie Riedel. Der Text erschien 1933 als Privatdruck und ist heute laut Angaben der Universität Kassel nur noch in drei Exemplaren nachweisbar.

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Das Stück erzählt die Geschichte der Gänseliesel, einem Waisenkind aus Hungersdorf. Auf dem Weg nach Glücksdorf, schläft das Mädchen im Spukwald ein und gelangt in eine Zauberwelt, wo sie auf Elfen und andere magische Gestalten trifft. Liesels bester Freund, der Ziegenhirte Peter, macht sich auf die Suche nach ihr. Nachdem er die träumende Liesel gefunden und geweckt hat, machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Glücksdorf. Dort berichtet das Mädchen von ihrer Begegnung mit den magischen Wesen. Das Stück endet mit einem Happy End und einer weihnachtlichen Friedensbotschaft.

Greger besuchte in den 1880er Jahren die Königliche Musikhochschule Berlin. Nach der Hochzeit mit dem Arzt Ludwig Greger eröffnete sie mit ihm eine Kuranstalt in Kassel-Wilhelmshöhe. Aufgrund der Trauer um den Tod ihres ältesten Sohnes Helmuth zog Greger 1939 in das sogenannte „Siechenhaus Hofgeismar“. Von dort wurde sie 1943 von den Nationalsozialisten in die psychiatrische Anstalt Merxhausen verlegt und starb ein Jahr später.

Das historische Original der Oper wurde in der Universitätsbibliothek Kassel digitalisiert und ist über das Onlinearchiv der Universität Orka weltweit und kostenfrei zugänglich.

Der überraschende Fund habe auch Überlegungen zu einer Würdigung Gregers anlässlich ihres 75. Todestages 2019 beflügelt, wie die Universität Kassel mitteilte.

Von Pauline Noll