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Göttingen Sieben Versicherungs- und Finanztipps für Göttinger Studierende
Campus Göttingen Sieben Versicherungs- und Finanztipps für Göttinger Studierende
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14:53 21.11.2019
Spielerisches Lernen geht auch mit Erwachsenen: Jutta Heuer (l.) von der Verbraucherzentrale mit Studierenden. Quelle: Tammo Kohlwes
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Göttingen

Das Studium ist begonnen, die erste eigene Wohnung oder ein Zimmer in der WG bezogen. Und plötzlich bricht der Ernst des Lebens an: Es gibt Verträge zu schließen, Rechnungen zu bezahlen, Versicherungen abzuschließen – nicht immer ist es einfach, da den Überblick zu behalten. Die Göttinger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Niedersachsen gibt den Studierenden immer zum Beginn des Semesters Ratschläge. Verbraucherschützerin Jutta Heuer hat sieben Tipps für Göttinger Studierende.

In der WG: Verträge abgleichen

In Wohngemeinschaften lauert eine Gefahr, die viele nicht im Blick haben: Jeder neue Mitbewohner bringt potentiell bestehende Verträge für Strom- und Gasversorgung oder den Internetanschluss mit in eine WG. So können plötzlich mehrere Verträge zur Belieferung mit Strom vorliegen, obwohl nur einer benötigt wird.

„Genauso kann es passieren, dass ein Student plötzlich allein und ohne Strom dasteht, weil alle anderen ausziehen und die Verträge mitnehmen, die auf ihren Namen laufen“, sagt Heuer. Ihr Ratschlag: Gerade in einer WG, aber auch für eine eigene Wohnung sollte man sich in einer Liste Übersicht über die bestehenden Verträge, den Vertragspartner sowie Kündigungs- und Mitnahmefristen verschaffen.

Den Rundfunkbeitrag im Auge behalten

Die Gefahr beim Rundfunkbeitrag heißt Nachzahlung. Denn grundsätzlich gilt: eine Wohnung, ein Beitrag. Wer seinen neuen Wohnort erst sehr spät beim Einwohnermeldeamt angebe, müsse schnell mit hohen Nachzahlungen rechnen, warnt Heuer. Nicht jeder Studierende könne so eine Zahlung aus der Tasche zahlen. Ähnliches gilt für die Befreiung vom Rundfunkbeitrag. Fehlt einmal für einen Zeitraum die dafür benötigte Bescheinigung etwa vom BAFöG-Amt, können Nachzahlungen drohen.

Beim Rundfunkbeitrag ist besonders in WGs Achtsamkeit geboten. Denn: Auch, wenn drei von vier Mitbewohnern vom Beitrag befreit sind und nur einer ihn bezahlen müsste, ist für die WG ein Beitragssatz zu entrichten. Wer die Kosten trägt, müssen die Bewohner in diesem Fall unter sich ausmachen.

Die Haftpflichtversicherung checken

Die Haftpflichtversicherung ist laut Heuer für jeden Studierenden „unverzichtbar“. Kommt man direkt von der Schule an die Universität, ist man oft noch bei den Eltern mitversichert. Erst der Beginn einer zweiten Ausbildung oder der Einstieg in die Berufswelt bedeutet dann, dass man selbst eine Haftpflichtversicherung braucht.

Jeder Studierende sollte zum Beginn seines Studiums von seinen Eltern überprüfen lassen, ob die Haftpflichtversicherung weiterhin gilt. Heuers Tipp für alles, was mit Versicherungen zu tun hat: Immer auf einer schriftlichen Bestätigung vom Versicherer bestehen. Für eventuelle Streitfragen hat man dann etwas in der Hand.

Für Krankheit versichert sein

Laut Heuer ist die Krankenversicherung die zweite „unverzichtbare“ Versicherung für Studierende – und praktischerweise die zweite, für die man im Studium normalerweise weiterhin bei den Eltern mitversichert ist. Hier gelten üblicherweise die gleichen Regelungen wie bei der Haftpflichtversicherung.

Infostand auf dem Campus

Alle Semester wieder informiert die Verbraucherzentrale Niedersachsen kurz nach Beginn der Vorlesungszeit die Studierenden der Universität Göttingen in allen Fragen zu Versicherungen, Vorsorge und Finanzen im Studium. Seit sieben Jahren beraten Jutta Heuer und ihre Kolleginnen am Zentralcampus junge Leute. Jedes Semester ist der Schwerpunkt ein anderer – am Dienstagmittag war es die Berufsunfähigkeitsversicherung, für die Heuer Expertin ist. Außerdem vermittelt die Verbraucherzentrale (meist kostenpflichtige) Beratungsgespräche und bietet Einschätzungen zum Beispiel von persönlichen Versicherungsprofilen an.

Die Mitarbeiterinnen haben große Mengen Informationsmaterial dabei, nehmen sich Zeit für persönliche Gespräche – und bringen Spiele mit. Das überdimensionierte Würfelspiel mache neugierig, biete gute Gesprächseinstiege und vermittle ganz nebenbei wichtiges Wissen über die Rechte und Pflichten, die Studierende als Verbraucher haben, sagt Heuer.

Sich für Berufsunfähigkeit absichern

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist auch für Studierende „sehr sinnvoll“, sagt Heuer. Auch das Studium gilt nämlich im weiteren Sinne als Beruf – schließlich ist es eine Ausbildung. Ein Mensch gilt in Deutschland als berufsunfähig, wenn er die Mehrzahl der Aufgaben nicht mehr ausüben kann, die er für die Ausübung der Tätigkeit benötigt, für die er qualifiziert ist. Das kann auch bei einer Depressionserkrankung der Fall sein.

Heuer weiß: Je jünger und gesünder der Versicherte, desto günstiger die Versicherung. Deshalb könne es klug sein, eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst früh abzuschließen. Nicht zu verwechseln ist die Berufs- mit der Erwerbsunfähigkeit, die nicht auf die erlernten Fähigkeiten und die entsprechenden Berufe begrenzt ist.

Nicht jede Versicherung abschließen, die es gibt

„Man schließt Versicherungen immer für den Super-GAU ab“, sagt Heuer. Bloß sei nicht jeder mögliche Super-GAU im Studium besonders wahrscheinlich. Deshalb seien einige Absicherungen nicht unbedingt notwendig: Eine Unfallversicherung sei zum Beispiel kein Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung, und eine Hausratversicherung sei in einem Zimmer mit gebrauchten Möbeln selten sinnvoll.

Von einer Kopplung der bestehenden Versicherungen mit einer privaten Altersvorsorge rät Heuer Studierenden ab. Viele Angebote seien wenig ertragreich und manche schlicht unseriös – gerade Angebote für junge Leute. Für Vorsorge wie auch für alle Versicherungen gilt laut Heuer: Eine individuelle Beratung, in die persönlicher Bedarf und Risiko einbezogen werden, ist unumgänglich.

Brutto und Netto beachten

Wenn es um den Lohn geht, ist „brutto“ die schönere Zahl – im Falle von Versicherungen ist das anders: Wer eine Versicherung abschließt, bekommt einen Netto- und einen Bruttobeitragssatz. Normalerweise bezahlt man den „netten“ Nettobeitrag. Wenn es aber hart auf hart komme, müsse man häufig den „brutalen“ Bruttobeitrag zahlen. Heuers Tipp: Stets darauf achten, dass man die Bruttobeiträge für seine Versicherungen wirklich bezahlen könnte, wenn es nötig wird.

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Von Tammo Kohlwes

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