Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Verteidigung der Pilze: Nachweis von Göttinger Wissenschaftlern
Campus Göttingen Verteidigung der Pilze: Nachweis von Göttinger Wissenschaftlern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:06 26.09.2013
Produziert Gift und Fruchtkörper, um Feinde abzuwehren: Gießkannenschimmel Aspergillus nidulans. Quelle: pug
Anzeige
Göttingen

Durch den kombinierten Einsatz von Verhaltensexperimenten und biochemischen Analysen gelang es Göttinger Wissenschaftlern erstmals zu zeigen, dass Pilzfresser in ihrer Beute Veränderungen in der äußeren Erscheinung und der biochemischen Zusammensetzung hervorrufen, die den Pilzen einen besseren Schutz gegenüber nachfolgenden Fressfeinden bieten.

Tierökologen und Agrarwissenschaftler konnten zeigen, dass von Springschwänzen – kleine insektenähnliche Bodentiere – angefressener Gießkannenschimmel (Aspergillus nidulans) deutlich die Produktion des krebserregenden Giftstoffes Sterigmatocystin steigerte und mehr sexuelle Fruchtkörper ausbildete.

Anzeige

„Diese Veränderungen in den Pilzen haben eine abschreckende Wirkung auf die Springschwänze“, so Dr. Marko Rohlfs, Ökologe an der Universität Göttingen und Leiter der Studie. „Vor allem die sexuellen Fruchtkörper erweisen sich als äußerst widerstandsfähig gegen die Fressfeinde.

Die Ergebnisse erklären den ökologischen Anpassungswert der molekularen Kopplung von Giftproduktion und Entwicklung sexueller Fruchtkörper bei Schimmelpilzen.“

Komplexer als vermutet

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass angefressene Pilze nicht nur das bekannte Gift Sterigmatocystin vermehrt produzieren, sondern auch eine Reihe anderer sekundärer Stoffwechselprodukte.

„Dies war eine große Überraschung für uns. Unsere Experimente belegen erstmals die Bedeutung der Induzierbarkeit von Giftstoffen in der Verteidigung bei Pilzen gegen Fressfeinde. Diese scheint aber komplexer zu sein als vermutet“, sagt Rohlfs.

Er hebt hervor, dass ökologische Experimente mit Pilzfressern ein neuer Weg für die Entdeckung pharmazeutisch bedeutsamer Wirkstoffe sein können.

pug