Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Vom Beetpflug zur Intensivlandwirtschaft
Campus Göttingen Vom Beetpflug zur Intensivlandwirtschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:14 22.07.2011
Seine Ablösung leitete Phase des landwirtschaftlichen Aufschwungs ein: Hakenpflug.
Seine Ablösung leitete Phase des landwirtschaftlichen Aufschwungs ein: Hakenpflug. Quelle: EF
Anzeige

Im europäischen Raum und insbesondere in Deutschland galt die Zeit zwischen 11. und 13. Jahrhundert als markante Phase landwirtschaftlichen Aufschwungs. Als wichtigste Ursache dafür wird die Verbreitung einer verbesserten Pflugtechnik angenommen, indem der Beetpflug, den bis dahin gebräuchlichen Hakenpflug ablöste.

„Dadurch konnte die Bearbeitung der Böden erheblich vereinfacht und nachhaltiger gestaltet werden, sowie tierische Energie und technischer Fortschritt, anstelle menschlicher Arbeitskraft genützt werden“, erklärte Rösener die Neuerungen. Ausschlaggebend dafür waren die verbesserte Zugkraft und die zunehmende Verwendung stabilerer Materialteile aus Eisen. Doch nicht nur die Verbesserung der Arbeitsgeräte auch die Steigerung bäuerlicher Arbeitseffizienz und innovative Bodenbewirtschaftung führten zu dieser landwirtschaftlichen Boom-Phase. So konnten etwa durch die Ausbreitung der Drei-Felder-Wirtschaft die Erträge bis zu 50 Prozent gesteigert und eine Ausdehnung landwirtschaftlicher Kulturfläche erreicht werden.

„All dies begünstigte die Versorgung der Bevölkerung, was wiederum zu einem markanten Populations-Wachstum im Hochmittelalter und zum Aufblühen von Handel, Gewerbe und städtischer wie höfischer Kultur in den Städten führte“, beschrieb Rösener die landwirtschaftlichen Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Zur Veranschaulichung der weiteren Entwicklung zog Rösener dann agrarische Innovationen im 19. und 20. Jahrhundert heran. Dabei erklärte er, dass die Landwirtschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Industrialisierung und die Befreiung der Bauern von Grundherrenansprüchen bestimmt war und diese Neuerungen die moderne, leistungs- und marktorientierte Landwirtschaft begünstigten. „Mit Errungenschaften wie mineralischen Düngungsmitteln und dem Einsatz des Traktors als vielseitiges Arbeitsgerät ist die Landwirtschaft dann schließlich da angekommen, wo sie heute ist“, so Rösener.

Dabei ist interessant zu verfolgen, dass manch bahnbrechende Innovation ihre Wurzeln bereits im Mittelalter hat. Doch wies Rösener auch darauf hin, dass diese Entwicklung jedoch nicht nur positive Effekte zeigt, und sprach damit das Entsorgungsproblem von Dünger, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel sowie den Rückgang der Pflanzen- und Tiervielfalt durch Monokulturen und Intensivlandwirtschaft an. Darüber hinaus bliebe zu hoffen, dass sich traditionelle, landwirtschaftliche Familienbetriebe auch in Zukunft gegenüber den am Vormarsch befindlichen Großbetriebe durchsetzen können.

Von Karoline Jirikowski-Winter