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Göttingen Von Sonnenwinden und Gasriesen
Campus Göttingen Von Sonnenwinden und Gasriesen
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00:10 14.09.2009
Werkstatt im Max-Planck-Institut: Wolfgang Kühn (links) erklärt die Bauteile einer Vakuumkammer.
Werkstatt im Max-Planck-Institut: Wolfgang Kühn (links) erklärt die Bauteile einer Vakuumkammer. Quelle: Walliser
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Freundlich zeigte sich der Himmelskörper, dem sich die Forschung in Lindau intensiv widmet, über dem großflächigen Gebäudekomplex am Tag der offenen Tür. Im Jahr der Astronomie stellten die Sonnenforscher die Aufgaben des Instituts vor. Viele der etwa 400 Mitarbeiter, die an schwarzen T-Shirts mit dem Instituts-Logo zu erkennen waren, informierten die Besucher über ihre Arbeit.
Luke Sinclair (13) war nach dem Vortrag „Die Sonne – der unruhige Stern nebenan“ überzeugt: „Eines der Themen unserer Projektwoche wird ‚Sonnensystem‘ sein – da werde ich nun auf jeden Fall mitmachen“, sagte der Schüler aus Bad Lauterberg begeistert.
Die MPS-Nachwuchsgruppe „Helio- und Asteroseismologie“ stellte neue Messverfahren vor: „Ähnlich wie bei der Seismologie, die beispielsweise zur Untersuchung von Plattenverschiebungen unterhalb der Erdoberfläche genutzt wird, ziehen wir anhand der Messungen von Lichtvariationen Schlüsse auf die Ausbreitung des Schalls innerhalb des Sterns“, erklärte Thorsten Stahn, einer der Doktoranden der Gruppe. Die Sonne konnte auch auf dreidimensionalen „Stereo-Aufnahmen“ betrachtet werden. Obwohl ihre Oberfläche im Vergleich zur äußersten Hülle, der „Korona“, mit Temperaturen von 6000 Grad relativ kalt ist, werden Menschen wohl niemals selbst einen Fuß darauf setzen können.
Soho in der Sonnenschicht
Die Erforschung einer tieferen Sonnenschicht, der sogenannten „Photosphäre“, erfolgt durch das „Solar and Hemiospheric Observatory“ (SOHO), einer Sonde, die 1995 in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA ins All geschickt wurde. Ein weiterer Satellit wird voraussichtlich im Oktober dieses Jahres ins Zentrum unseres Sonnensystems aufbrechen – ebenfalls mit Beteiligung der weltweit führenden Nachwuchsgruppe des MPS.
Ein Vorteil des Instituts gegenüber der internationalen Konkurrenz sei die Zusammenarbeit von Forschung und Konstruktion, so Pressesprecher Norbert Krupp. Astrophysiker arbeiten in Lindau eng mit Ingenieuren zusammen. Hermann Arnemann, Mitarbeiter in der feinmechanischen Werkstatt, hat bei der Entwicklung der Kamera für die Sonde „Phoenix“ mitgewirkt. Diese landete 2008 auf dem Mars. Dabei funkte der Apparat ein sensationelles Bild an die Erde: Als der Baggerarm, auf dem das Gerät angebracht war, unter die Landesonde schwenkte, filmte sie das blanke Eis, das die Antriebsdüsen freigelegt hatten – ein Beweis für das Vorhandensein von Wasser. Die Kameratechnik ist einer der Schwerpunkte im Lindauer Max-Planck-Institut. Auch an Bord der Sonde „Rosetta“, die voraussichtlich 2014 auf dem Kometen „67P/Churyumov-Gerasimenko“ landen wird, befindet sich mit „Osiris“ ein kosmisches Auge der Forscher, das neben Experimenten unter anderem eine sichere Landung ermöglichen soll.
Erste Bilder von Sunrise
Für die Geräte müssen Feinmechaniker häufig kleinste Bauteile im tausendstel Millimeter Bereich anfertigen. Dazu bildet das MPS auch Jugendliche, in handwerklichen Berufen wie Elektroniker und Metallbauer, aus. Um jedes einzelne Bauteil für die extremen Bedingungen im All tauglich zu machen, werden extreme Erschütterungen und Temperaturen simuliert. Denn „jede Schraube muss halten“, weiß Hermann. Solar System School
Bei den zahlreichen Vorträgen am Tag der offenen Tür ging es zum Beispiel die Bilder von „Sunrise“, einem von einem Ballon getragenen Teleskop, das im Juni auf einer sechstägigen Fahrt von Schweden nach Nordkanada Aufnahmen von der Sonne machte. „Diese Bilder haben erst etwa 20 Menschen gesehen. Diese Zahl vervielfachen wir heute“, kündigte der Vortragende Manfred Schuessler, einer der führenden Wissenschaftler in der Sonnenforschung, an. Auf den faszinierenden Aufnahmen des erscheint die äußere Schicht des Sterns als ein unruhiger Ozean heißer Gasblasen. Mit „Sunrise“ sollen unter anderem die Magnetfelder in der Sonnenatmosphäre genauer verstanden werden. Projektleiter Peter Barthol ist stolz: „das Projekt war ein hundertprozentiger Erfolg“, sagt er.