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Göttingen „Vorsorge ist der beste Schutz gegen Dickdarmkrebs“
Campus Göttingen „Vorsorge ist der beste Schutz gegen Dickdarmkrebs“
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19:20 13.07.2009
Auf der Suche nach Krebs: Weg des Koloskops.
Auf der Suche nach Krebs: Weg des Koloskops. Quelle: EF
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Obwohl ab dem 55. Lebensjahr die Krankenkassen die Kosten für eine Vorsorgeuntersuchung (etwa 270 Euro) übernehmen, werden bei 30 Prozent der Neuerkrankungen die Tumore zu spät entdeckt, erzählt Prof. Giuliano Ramadori, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Endokrinologie. Nach Brust-, Prostata- und Lungenkrebs, ist Dickdarmkrebs die häufigste in Deutschland auftretende Krebsfom. Die vermutlichen Gründe für eine Erkrankung sind unterschiedlich: Wahrscheinlich erhöht eine ballaststoffarme und fleischhaltige Ernährung die Gefahr zu erkranken. Zudem wirken sich auch Rauchen und exzessiver Alkoholgenuss auf jegliche Art von Krebs aus, so der Professor. Es gebe aber auch eine genetische Veranlagung für Krebserkrankungen: „Wenn eines der Familienmitglieder vor dem 50. Lebensjahr an diesem Krebs erkrankt ist, sollten man sich regelmäßig ab dem 40. Lebensjahr untersuchen lassen.“ Zudem steige die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankungun mit dem Alter.

Darmspiegelung notwendig

Als „Goldenen Weg“ der Vorsorgeuntersuchungen bezeichnet Ramadori die Koloskopie. Hier wird ein rund 1,2 Meter und etwa ein Zentimeter dünner Schlauch, genannt Koloskop, in den Darm eingeführt. Deshalb spricht man umgangssprachlich auch von einer Darmspiegelung. Meist ist das Koloskop mit einer Kamera versehen, so dass am Bildschirm von einem Arzt mitverfolgt werden kann, ob sich im Darm Tumore oder Polypen gebildet haben. Das Koloskop verfügt auch über einen Arbeitskanal, in den kleine Instrumente wie Zangen und Schlingen passen, mit denen Gewebe entnommen oder auch ganze entfernt werden kann. Die Patienten erhalten in der Regel eine Kurznarkose während der Behandlung.

„Auch wir Ärzte wünschen uns eine Prozedur, die für den Patienten angenehmer ist. Doch die gibt es noch nicht. Deshalb ist die herkömmliche Koloskopie die beste Vorsorge zum heutigen Zeitpunkt“, ist sich Ramadori sicher. Nebenwirkungen könnten Darmblutungen oder Perforationen der Darmwand sein. „Die Koloskopie ist nicht ganz ungefährlich“, sagt Ramadori, „aber in der heutigen Zeit ist die Komplikationsrate niedrig.“

Seit einiger Zeit wird auch eine sogenannte „virtuelle“ Darmspiegelung angeboten. Hierbei wird der Patient mithilfe eines Computertomographen untersucht. „Das mag schonend klingen, ist aber auch mit Unannehmlichkeiten verbunden“, sagt Ramadori. Zum einen werde der Darm des Patienten mit Luft gefüllt, die dieser während der Untersuchung halten müsse. Auch einKontrastmittel muss gespritzt werden. Zudem muss der Patient mit einer geringen Strahlenbelastung rechnen. Wenn ein Tumor entdeckt wird, kann dieser nur mit der herkömmlichen Koloskopie entfernt werden.

Nutzen von Vorsorge

Ramadori sorgt sich über Berichte, in denen der Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen generell angezweifelt werden: Natürlich sei nicht jeder ein Krebspatient, aber durch Vorsorge könnte die Anzahl von 30 Prozent der Erkrankten, bei denen der Krebs erst spät entdeckt wird, verringert werden. „In Hessen wurden 2004 rund 250000 präventive Darmspiegelungen durchgeführt. Bei einem Viertel von ihnen wurden Polypen gefunden, die sich – wenn sie nicht entdeckt worden wären – nach einiger Zeit zu bösartigen Karzinomen entwickelt hätten.“ Schon allein deshalb sei die Vorsorge wichtig.

Von Corinna Berghahn

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