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Göttingen Vortrag von Physiker Wolff: Physiker im Nationalsozialismus
Campus Göttingen Vortrag von Physiker Wolff: Physiker im Nationalsozialismus
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00:19 16.06.2013
Festumzug im Jubiläumsjahr 1937: Die Mehrheit der Mitglieder der Universität Göttingen kooperiert mit den Nationalsozialisten.
Festumzug im Jubiläumsjahr 1937: Die Mehrheit der Mitglieder der Universität Göttingen kooperiert mit den Nationalsozialisten.
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Göttingen

In der Wissenschaftsgeschichte könne es jedoch, so Dr. Stefan Wolff vom Forschungsinstitut des Deutschen  Museums in München, nicht in erster Linie um die Frage gehen, ob jemand ein Nazi gewesen sei oder nicht, sondern darum, die Wissenschaft in gleichsam  archäologischen Sinne in den historischen Kontext zu stellen. Der Experte für Physikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hat in seinem Vortrag „Physiker im Nationalsozialismus – zwischen Anpassung und Kooperation“ einen breiten physikgeschichtlichen Bogen zwischen der Machtübertragung 1933 und der Nachkriegszeit gespannt.

Persönliche Konsequenzen gezogen

Während Max Planck geglaubt habe, dass es sich bei den Repressalien der Nationalsozialisten um vorübergehende Maßnahmen handelte, zog Erwin Schrödinger persönliche Konsequenzen, er ließ sich von seinem Professoren-Amt in Berlin beurlauben. Für Atomphysiker James Franck war die Lage dramatischer: „Wir Deutsche jüdischer Abstammung werden als Fremde und Feinde des Vaterlandes behandelt“.

Stefan Wolff Quelle: Heller

Als am 22. Mai 1933 auf der Jahrestagung ein neuer Präsident für die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) als Ablösung für Max von Laue gewählt werden musste, musste der Vertreter der sogenannten „deutschen Physik“, Johannes Stark, zugunsten von Karl Mey zurückziehen. Von Laue hatte Position gegen Stark bezogen und eine deutliche Parallele von Albert Einsteins Behandlung zur Verurteilung Galileis durch die Inquisition gezogen.

Buch erscheint demnächst

Physiker und Wissenschaftshistoriker Wolff, dessen Buch „Die Deutsche Physikalische Gesellschaft in der Zeit des Nationalsozialismus“ demnächst erscheinen wird, beschreibt die deutschen Physiker als eine soziale Gruppe innerhalb einer Diktatur. Ihre internationalen Vernetzungen sowie die Strukturen der DPG seien erhalten geblieben, der Ausschluss von jüdischen Mitgliedern aus der Gesellschaft sei sogar auf eigene Initiative von Debye betrieben worden.

Es gab kaum Proteste gegen die „rassischen Einschränkungen an den Universitäten“, es fand eine eigene Adaption an die Erfordernisse von Wirtschaft und Wehrmacht statt. „Die überwältigende Mehrheit“, so Wolff, da mache auch die Physik keine Ausnahme, habe kooperieren wollen. 

Von Tina Lüers

Den nächsten Vortrag hält Adrian Wuetherich, Bern, am Mittwoch, 19. Juni, über „Quantendialog – Vom Einfluss der Philosophie auf Heisenbergs. Entwicklung der Matrizenmechanik“ um 18.15 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14.