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Göttingen Vortragsreihe Uni Göttingen „Wissen: schaffen - erforschen – vermitteln“
Campus Göttingen Vortragsreihe Uni Göttingen „Wissen: schaffen - erforschen – vermitteln“
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19:41 19.07.2013
Signal der Exklusivität: Aufwendige Kragen, hier bei Anna Hardenrath in einem Porträt (1613).
Signal der Exklusivität: Aufwendige Kragen, hier bei Anna Hardenrath in einem Porträt (1613). Quelle: wikimedia
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Göttingen

Mit einem Beitrag von Prof. Evelyn Welch vom King’s College London schließt die Reihe für das laufende Semester ab. In ihrem Vortrag „Beards, Masks and Muffs. Translating Fashions in Europe, 1500-1700“ geht es um Modeerscheinungen im Europa der Frühen Neuzeit.

Welch vergleicht Porträts, die zwar ungefähr zur selben Zeit, aber in unterschiedlichen Ländern Europas entstanden sind, und stellt viele Ähnlichkeiten in der Mode fest. Welche Zusammenhänge Kleidung in der Frühen Neuzeit kommunizieren konnten, ist die Grundfrage, auf die Welch zusammen mit ihrem Kurs Antworten suchte.

„Ich arbeite gerne mit Menschen“, entkräftet Welch die Vorstellung einer weltabgewandten Arbeitsweise und zeigt ein Foto ihrer Forschungsgruppe. Es seien nicht nur ihre Studenten auf dem Bild zu sehen, erklärt Welch, auch Museumsmitarbeiter konnte sie überzeugen mitzumachen. So entstand eine enge Verbindung zwischen Universität und Museum.

Eine Studienreise führte das Projekt in unterschiedliche Museen, um sich Kleidungsstücke aus der Zeit im Original anzusehen. Doch Welch sei es wichtig gewesen, das Wesen der Mode nicht nur theoretisch zu erfassen. „Wie hört es sich an, so etwas zu tragen?“, fragt die Wissenschaftlerin und ergänzt: „Wie hält man so etwas sauber?“

Welch zeigt einen Druck, auf dem die Arbeitsschritte zum Reinigen eines Kragens dargestellt werden, und berichtet, wie ihre Projektgruppe diesen Vorgang nachgeahmt hat. Das Waschen, kochen und Wellen hineinbrennen habe ihrer Forschungsgruppe einiges abverlangt, berichtet Welch.

Wer sich diese Prozedur regelmäßig leisten konnte, zeigte ein starkes Signal an Exklusivität, ließ Welch ihren Kursteilnehmern am eigenen Leib erfahren. Damit gibt Welch ein Beispiel, wie spannend und überzeugend Forschung vermittelt werden kann, und das gute Zusammenarbeit zwischen Museum und Universität einen wichtigen Beitrag leistet.

Die Vortragsreihe wird im kommenden Wintersemester fortgesetzt.

Von Daniela Lottmann