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Göttingen Wandel in Asiens Gesellschaften im Blick
Campus Göttingen Wandel in Asiens Gesellschaften im Blick
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18:53 07.10.2009
Forschung in Indien und China im Blick: Professoren Ahuja und Schneider mit Vizepräsidentin Prof. Casper-Hehne (v. re.).
Forschung in Indien und China im Blick: Professoren Ahuja und Schneider mit Vizepräsidentin Prof. Casper-Hehne (v. re.). Quelle: Heller
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Das „Centre for Modern Indian Studies“ (CeMIS) wird sich mit der „indischen Gegenwartsrealität“ beschäftigen, kündigte Prof. Ravi Ahuja an. Ahuja ist zum Juli 2009 als Professor für Moderne Indische Geschichte berufen worden, die erste von fünf Professuren, die mit dem CeMIS geschaffen werden sollen. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf der indischen Industrie, die weltweit expandiert, und der gesellschaftlichen Bedeutung und Organisation von Arbeit. Aktuelle religiöse Konflikte und gesellschaftliche Änderungen Indiens sind ebenfalls im Focus. „Deutsche Universitäten sind nicht besonders gut aufgestellt, um sich diesen Änderungen zu nähern“, betonte Ahuja und unterstrich damit die Besonderheit des CeMIS.
Im Zentrum für Ostasienwissenschaften ist ebenfalls die erste Professur besetzt: Mit Prof. Axel Schneider, der seit August dieses Jahres das Ostasiatische Seminar der Universität leitet. Auch für das Ostasien-Zentrum sind vier weitere Stellen geplant.
Schneider beklagte das Bild, das im Westen von China herrscht. China sei weder der „schlafende Riese“ noch die „gelbe Gefahr“, und auch die Reduzierung auf eine Diktatur werde der Realität nicht gerecht. „Das Bild ist äußerst komplex“, sagte er.
So soll der Schwerpunkt des Ostasien-Zentrums auf Modernisierungsdiskursen in China liegen, die sich zum Teil deutlich von denen im Westen unterscheiden. Denn es gebe in Ostasien ein ausgeprägtes Bewusstsein der eigenen Kulturen, sodass zwischen Modernisierung und Religion kein Widerspruch herrsche – anders als beim westlichen Begriff von Moderne.
Ausgezeichnetes Umfeld
Die beiden interdisziplinär arbeitenden Zentren seien in Deutschland einzigartig, sagte Prof. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin der Georg-August-Universität. Eine gesellschaftswissenschaftliche Ausrichtung soll eng verzahnt werden mit kulturwissenschaftlichen Aspekten. Außerdem sei Göttingen „ein ausgezeichnetes Umfeld für den Aufbau dieser beiden Zentren“, so Casper-Hehne weiter. Zahlreiche Einrichtungen böten sich zur Zusammenarbeit an, unter anderem das Max-Planck-Institut zur Erforschung multiethnischer und multireligiöser Gesellschaften und das Deutsch-Chinesische Institut für Rechtswissenschaft. Die Auslandsrepräsentanzen der Universität in Indien, China und Korea werden die Arbeit zusätzlich unterstützen.
Für das CeMIS sind beim Landesministerium für Wissenschaft und Kultur Fördergelder in Höhe von etwa zwei Millionen Euro jährlich beantragt worden. Der Aufbau dauert voraussichtlich bis 2012. Die Berufungsverfahren für die nächsten zwei Professuren laufen. Für das Ostasien-Zentrum seien „ähnliche Mittel angestrebt“, so Casper-Hehne. Hierfür wurden keine Gelder beantragt. „Wir werden versuchen, weitere Sponsoren zu finden“, sagte Casper-Hehne weiter, „verschiedene Institutionen“, private und öffentliche, würden sondiert. „Wir sind optimistisch“, hielt sich die Vizepräsidentin zum genauen Stand der Verhandlungen bedeckt.

Von Helge Dickau

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