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Göttingen Unprofessionell dokumentiert
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19:00 16.03.2018
Sammlung Blechschmidt, Blick in den Ausstellungsraum Quelle: r
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Göttingen

Der ehemalige Leiter des Anatomischen Instituts der Universität Göttingen Prof. Erich Blechschmidt hat in den Jahren zwischen 1942 und 1974 eine Sammlung von über 400 Schnittserien menschlicher Embryonen und Feten aufgebaut. Seit einem halben Jahr forscht Dr. Michael Markert nun zur teilweise umstrittenen Herkunft dieser Präparate. Am Freitag stellte der Wissenschaftshistoriker erste Ergebnisse vor.

Unwahrscheinlich unprofessionell sei Blechschmidt mit der Dokumentation der Herkunft seiner Präparate umgegangen, so Markert. Ein Vertuschen der Quellen oder bewusstes Vernichten habe er aber bislang nicht feststellen können.

Bekannt ist die Sammlung Blechschmidt vor allem für die über 60 großformatigen, im Zentrum Anatomie öffentlich zugänglichen Lehrmodelle zur Entwicklung des Menschen während der ersten acht Wochen nach Befruchtung. Bis heute wird Blechschmidt beschuldigt, sein „Forschungsmaterial“ unrechtmäßig erworben zu haben – insbesondere in den ersten Jahren seiner Göttinger Tätigkeit während des Nationalsozialismus. Sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen, sei nötig. Die Sammlung sei weltweit bekannt, so der heutige Leiter der Anatomie Prof. Christoph Viebahn. Es gebe viele Anfragen zur Digitalisierung der Sammlung. Daher sei er froh, dass Markert in einem Forschungsprojekt den Anschuldigungen nachgehen könne.

Auch andere Forscher, etwa die Mitarbeiter der Carnegie Collection in den USA haben schon Anfang des 20. Jahrhunderts Embryonen und Feten gesammelt. Das machte der englische Wissenschaftler Nick Hopwood in einem kurzen Vortrag deutlich. Allerdings sei Transparenz dabei sehr wichtig gewesen. Hier wurde dokumentiert, wem die Embryonen entnommen wurden, warum, es finden sich in den Dokumenten Diagnosen. Bei Blechschmidt gibt es dazu so gut wie keine Angaben. Das erkläre, so Markert, warum gerade bei Blechschmidt die Diskussion über ethische Fragen der Herkunft aufkam. Er schreibe zwar, aus welcher Klinik oder von welchem Arzt er etwas erhalten hat, aber nichts zu den Frauen und den Umständen.

Blechschmidt sei seit 1933 Mitglied er SA gewesen. Sicher sei, dass die Anatomie in Göttingen in der Zeit des Nationalsozialismus über 200 Leichen aus Wolfenbüttel bekommen habe, das seien alles NS-Opfer gewesen. Man habe also zumindest vom Nationalsozialismus profitiert. Naheliegend sei daher die Annahme, dass Embryonen aus ähnlichen Quellen stammen.

Markert erzählte, er habe in den vergangenen Monaten zunächst alles gesichtet. Und habe dabei neue Teile gefunden, darunter Paraffinwürfel mit Präparaten. „Die Sammlung ist größer geworden!“ Unter den Dokumenten befänden sich vor allem Briefwechsel mit Ärzten und Kliniken und Unterlagen zu der Aufnahme der Präparate. Der Briefwechsel erfasse aber nur einen Teil der Einlieferungen. Besonders zwei Quellen seien sehr schwach dokumentiert. Zum einen die Präparate aus der Göttinger Frauenklinik und der Pathologie. Zum anderen gebe es einen Altbestand an Gläsern mit Feten oder Embryonen, die irgendwie ins Institut gekommen seien. Oft sei dann erst Jahre später überhaupt ein Vermerk gemacht worden.

Markert hat ein Schema für die Bewertung der Quellen entwickelt. Sein bisheriges Fazit: Blechschmidt habe mangelnde Professionalität bei der Dokumentation der Präparate gezeigt. Er habe jedoch so weit das jetzt absehbar sei, nichts aktiv verschwinden lassen oder gefälscht oder Beweise unterschlagen.

Von Christiane Böhm

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