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Göttingen Zeitreise ins Mittelalter im Göttinger Wald mit Forstwirtschaftlern
Campus Göttingen Zeitreise ins Mittelalter im Göttinger Wald mit Forstwirtschaftlern
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20:21 20.06.2014
Im Göttinger Wald auf Zeitreise ins Mittelalter: Exkursionsteilnehmer unterwegs auf dem ehemaligen Königsweg.
Im Göttinger Wald auf Zeitreise ins Mittelalter: Exkursionsteilnehmer unterwegs auf dem ehemaligen Königsweg. Quelle: EF
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Göttingen

Die Roringer Warte, von der aus nach feindlichen Aktivitäten Ausschau gehalten wurde, stammt vom Anfang des 15. Jahrhunderts und steht noch heute. Nahe der B 27 reckt sich der Wehrturm aus gemauertem Bruchstein in die Höhe.

Er war Ziel einer Waldwanderung geleitet von den Forstwirtschaftlern Prof. Wolfgang Rohe und Prof. Martin Thren.  Die „Zeitreise ins Mittelalter“ war Teil des Programms zum 40-jährigen Bestehen der Fakultät Ressourcenmanagement der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kultur (HAWK).

„Wo wir jetzt stehen, da verlief in dieser Zeit eine Straße“, erklärt Thren an der Warte. Er erzählt, dass der Turm als Beobachtungspunkt und als Zollstelle genutzt wurde. Zu diesem Zweck sei eine Schranke an der Warte angebracht worden, die heute allerdings nicht mehr erhalten sei. Eine kleine Nische im Mauerwerk des Bauwerkes weist aber darauf hin, wo die Sperre war.

Wälder seien wertvolle Bewahrer von Kulturstätten und Spuren längst vergangener Tage lassen sich noch heute in den Wäldern finden. Es sei wichtig, diese Spuren zu erhalten, findet Thren. Und deshalb sei es auch für Forstwirtschaftler wichtig, Forsthistorie zu kennen.

Auch aktuelle Zusammenhänge thematisiert

Den Blick angehender Förstern für die Zeugnisse der Vergangenheit zu schärfen und für ihre Erhaltung zu sensibilisieren sind die Gründe, warum Forsthistorie an der HAWK gelehrt wird – in Theorie und Praxis:  So seien Studierende zur Vorbereitung der Wanderung in den Göttinger Forst gegangen, um Teile der mittelalterlichen Wege von eingewachsenem Gestrüpp freizulegen, erzählt Thren.

Nicht nur die Vergangenheit steht im Fokus der Waldwanderung, sondern es werden auch aktuelle Zusammenhänge thematisiert. Warum die Forstwirtschaftler über Insekten nicht mehr von Nütz- oder Schädlingen sprechen zum Beispiel. „Wir sagen, alle Insekten gehören zum Wald“, stellt Rohe klar und ergänzt, „aber wir wollen ein Gleichgewicht.“

Das steuere man beispielsweise durch einen durchdachten Aufbau des Waldrandes, der sowohl Insekten als auch Insektenvertilgern wie Fledermäusen einen Lebensraum bietet, erzählt der Experte. Auch das neuerliche Auftauchen von großen Wildtieren kommt zur Sprache. Ein Zusammenleben zwischen Mensch und Wildtier wie dem Wolf kann gelingen, aber dazu braucht es Aufklärung und Regeln, findet Rohe.

Immer wieder stößt die Gruppe auf Details aus der Vergangenheit. Zum Beispiel auf aneinandergereihte Wölbungen im Boden. Das sind, erklärt Thren,  typische Wölb-Äcker, eine Form mittelalterlicher Ackerbebauung, deren Form durch einseitig werfende Pflüge entstand.

Reise mittelalterlicher Herrscher

Die Wanderung führt zum Abschnitt eines mittelalterlichen Königsweges, der an einer Seite von Felsen begrenzt wird. Thren hat sich bei einer Exkursion mit Studierenden auf die Suche nach horizontalen Spuren im Stein begeben. Königswege sind Pfade auf denen mittelalterliche Herrscher mit ihrem Gefolge von Pfalz zu Pfalz reisten, um vor Ort die Regierungsgeschäfte zu erledigen.

Gefunden haben Thren und seine Studierenden diese Rillen. Von den Radnaben der Wagen stammen sie, anders als vermutet, allerdings nicht. Die Furchen im Fels sind nach Ansicht von Thren aber eindeutig von Menschenhand entstanden.

Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um Felsabschläge, vermutlich gehauen mit Hammer und Meißel, um den Weg zu verbreitern. Ein Detail, das auf den ersten Blick leicht übersehen wird, das aber viel vom dem erzählt, wie und unter welcher Mühsal früher gelebt wurde.

„Besonders interessant fand ich, die Gänge zu sehen und wie sie freigelegt wurden“, sagt Sarah Martin über die Königswege. Sie interessiere sich schon lange für das Mittelalter. Trotzdem habe sie viel Neues und Spannendes auf dieser Wanderung entdecken können.

jes/eb

Die Vortragsreihe über Themen der HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement endet am Dienstag, 24. Juni.

Prof. Gabriele Oestreich stellt das Wirtschaftsingenieurwesen vor und spricht über „Viel Wind um die Windenergie“ um 19 Uhr im Holbornschen Haus, Rote Straße 34 in Göttingen.

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