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Göttingen Zerstörte Regenwälder: Tierische Helfer beim Aufbau tropischer Flora
Campus Göttingen Zerstörte Regenwälder: Tierische Helfer beim Aufbau tropischer Flora
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12:53 26.07.2019
Ein Schnurrbarttamarin verzehrt eine Frucht: Die unverdauten Samen haben Einfluss auf den sich regenerierenden Sekundärwald. Quelle: Mojca Stojan-Dolar
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Göttingen

Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ), von der Universität Estadual Paulista (Brasilien) und der Universität Marburg konnten in einer Langzeitstudie erstmalig belegen, dass Tamarine in Peru einen wichtigen Beitrag zur Regeneration von durch menschlichen Einfluss zerstörten Regenwäldern leisten.

Tropische Regenwälder binden große Mengen Kohlenstoffdioxid, produzieren Sauerstoff und bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Werden diese für das weltweite Klima und die Artenvielfalt so wichtigen Ökosysteme zerstört, so erholen sie sich, wenn überhaupt, nur sehr langsam, teilt Sylvia Ranneberg vom DPZ – Leipniz-Institut für Primatenforschung mit Sitz in Göttingen mit.

Mit im Kot ausgeschiedene Samen keimen auf zerstörten Flächen

Die Wissenschaftler hätten mehr als 20 Jahre lang zwei Tamarin-Arten im Regenwald in Peru beobachtet. Diese Tiere würden sich von Früchten ernähren und die Samen unverdaut mit ihrem Kot ausscheiden. Die Forscher hätten die Samenausbreitung und -keimung sowie das Wachstum und die genetische Herkunft verschiedener Pflanzen in einem Wald untersucht, der auf einer ehemaligen Weidefläche entstanden sei. Ranneberg: „Sie konnten so erstmalig nachweisen, dass die Affen einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbreitung von Samen aus dem ursprünglichen Primärwald in den sich regenerierenden Sekundärwald haben (Nature Scientific Reports).

peruanischen Amazonas-Regenwald an der Forschungsstation Estación Biológica Quebrada Blanco des Deutschen Primatenzentrums

Sekundärwald, der auf einer ehemaligen Wasserbüffelweide wächst: Der sich regenerierende Wald besteht aus jungen, kleineren Bäumen und einer dichten Krautschicht, da mehr Licht bis zum Boden gelangt. Quelle: Eckhard W. Heymann

Keimlinge acht verschiedenen Pflanzenarten zugeordnet

Etwa zehn Prozent der identifizierten Samen stammen von Pflanzen aus dem Primärwald. Quelle: Eckhard W. Heymann

Sieben dieser Arten seien als ausgewachsene Pflanzen nur im nahegelegenen Primärwald zu finden gewesen. Nach der genetischen Verifizierung hätte die Hälfte der Keimlinge und Jungpflanzen elf Elternbäumen im Primärwald zugeordnet werden können.

Eckhard W. Heymann ist Wissenschaftler in der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am Deutschen Primatenzentrum. Quelle: DPZ

Untersuchungen über langen Zeitraum wichtig für gesicherte Aussagen

In die Studie seien Daten eingeflossen, die seit 1994 an der DPZ-Forschungsstation gesammelt worden seien. Die Studie zeige, so Heymann, „wie wichtig Datenerhebungen und Untersuchungen über einen sehr langen Zeitraum sind, um gesicherte Aussagen über sich langsam entwickelnde ökologischen Vorgänge machen zu können.“

DPZ: „Hohen ethischen Standards verpflichtet“

Die Deutsches Primatenzentrum GmbH (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung betreibt biologische und biomedizinische Forschung über und mit Primaten auf den Gebieten der Infektionsforschung, der Neurowissenschaften und der Primatenbiologie. Das DPZ unterhält außerdem vier Freilandstationen in den Tropen und ist Referenz- und Servicezentrum für alle Belange der Primatenforschung. Das DPZ ist eine der 95 Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

In der Präambel der GmbH heißt es, das DPZ „ist hohen ethischen Standards und transparenter Kommunikation verpflichtet“. Mit seinen Kompetenzen und seiner Infrastruktur setze das DPZ „Maßstäbe für Zucht, Haltung und experimentellen Einsatz von Primaten“, berate und unterstütze andere Forschungseinrichtungen. Nachgeordnet heißt es: „Wir betreiben Grundlagenforschung an und mit Primaten auf höchstem wissenschaftlichen Niveau und an Themen von herausragender gesellschaftlicher, medizinischer und wissenschaftlicher Relevanz.

Von Stefan Kirchhoff

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