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Göttingen Wohnheimplätze: Situation in Göttingen angespannt
Campus Göttingen Wohnheimplätze: Situation in Göttingen angespannt
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16:37 23.07.2019
Appartementmodule schweben am Haken eines Krans. Aus ihnen wird das neue Wohnheim Lutterterrasse bestehen. Hier sollen 264 Studierende einen Wohnplatz finden. Richtfest ist am 1. August. Quelle: r
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Göttingen

Wohnraum in Göttingen zu finden, ist für Studierende eine Herausforderung. Lediglich zwischen 13 bis 15 Prozent beträgt die Versorgungsquote mit Wohnheimplätzen durch das Studentenwerk Göttingen. Ein Grund für die seit Jahren angespannte Situation sind die steigenden Studenten-Zahlen. Mit Beginn des Wintersemesters 2018/19 waren an der Georg-August-Universität 31210 Studierende eingeschrieben. Das sind 7062 mehr als noch vor zehn Jahren.

Auch mit dem für den 1. Februar 2020 geplanten Fertigstellungs- beziehungsweise Einzugstermin für ein neues Wohnheim auf dem Nordcampus wird sich an der Grundsituation nicht viel ändern. Auf dem Nordcampus werden 264 Studierende in Einzelappartements eine Unterkunft finden. Das Wohnheim wird nach über 30 Jahren das erste neugebaute in Göttingen sein, Bauherr ist das Studentenwerk.

9,6 Prozent Versorgungsquote bundesweit

Bundesweit liegt die Versorgungsquote in Wohnheimen sogar nur bei 9,6 Prozent. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion hervor. Die erfolgreiche Suche nach einem Platz in einem Wohnheim ist deutschlandweit quasi ein Glücksfall. Seit der Wiedervereinigung sei die Lage nicht dermaßen unbefriedigend gewesen, urteilen die Grünen. Die Partei fordert daher von der Bundesregierung eine „Wohnheimoffensive“, für die die Bundesländer mit ins Boot geholt werden sollen. Der hochschulpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Kai Gehring, spricht von einem „Allzeittief bei den Wohnheimplätzen“.

Fast 3000 Bewerber auf der Warteliste

In Göttingen nimmt die Zahl der Studierenden seit Jahren deutlich zu, die Zahl der Wohnheimplätze hingegen bleibt nahezu unverändert. Auf den Wartelisten des hiesigen Studentenwerks standen mit Beginn des Wintersemesters 2015/16 exakt 2793 Studierende, die gerne einen Wohnplatz in einem Wohnheim gehabt hätten. Bis zum 31. August gingen 4506 Bewerbungen auf einen Wohnheimplatz ein, nur 857 Interessierte – in der Regel Erstsemester – konnten einen Wohnheimplatz bekommen. Fast 2000 Bewerbungen konnten nicht berücksichtigt werden. 400 Bewerber zogen ihre Anmeldung schließlich zurück. Sie wie auch viele andere Studenten in den vergangenen Jahren mussten ihr Glück auf dem freien Wohnungsmarkt suchen – oder in einer anderen Stadt.

Lange keine Landeszuschüsse

Nicht viel anders sah es ein Jahr später aus. Insgesamt registrierte das Studentenwerk 3980 Bewerbungen, 1953 blieben mit Beginn des Semesters auf der Warteliste stehen. Im September 2016 hieß es in einer Mitteilung der Leiterin der Stabsstelle Kommunikation des Studentenwerks, Anett Reyer-Günther: Problematisch bleibt, dass es in Niedersachsen seit dem Jahr 2000 keine Zuschüsse mehr für Projekte rund um das studentische Wohnen gibt. Sämtliche Aktivitäten des Studentenwerks, durch Sanierung, Neubauten und neue Vermittlungsideen, wie etwa dem Projekt „Wohnen für Hilfe“, neuen Wohnraum zu schaffen, würden aus eigenen Mitteln erfolgen, oft über Kredite.

Unverändert schwierige Ausgangslage

Wiederum ein Jahr später, mit Beginn des Wintersemesters 2017, gingen 4368 Bewerbungen auf einen Wohnheimplatz ein, 799 Studierende konnten vermittelt werden. Das Studentenwerk konnte 69 zusätzliche Plätze in 3er-Wohngemeinschaften im Wohnheim Albrecht-Thaer-Weg 16c und 16d anbieten, weil die Zahl der Flüchtlinge abgenommen hatte. Auch das Wohnheim Kreuzbergring 30 stand frisch saniert zur Verfügung, für 14 Studierende.

Mit Beginn des Wintersemesters 2018/19 fanden 913 Studierende einen Platz in einem Wohnheim, eingegangen waren 4530 Bewerbungen. Mit schöner Regelmäßigkeit bilanzierte Reyer-Günther wiederum: „An der schwierigen Ausgangslage hat sich wenig geändert.“ Immerhin: Für das 22 Millionen Euro teure neue Wohnheim auf dem Nordcampus gewährt das Land Niedersachsen einen Zuschuss von rund 1,5 Millionen Euro.

In Deutschland werden die meisten Wohnheime für Studenten von Studentenwerken betrieben. Es gibt aber auch private und kirchliche Wohnheime.

Von Ulrich Meinhard

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