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Göttingen Zuviel Bewertung birgt Gefahren
Campus Göttingen Zuviel Bewertung birgt Gefahren
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18:20 24.11.2011
Von Christiane Böhm
Wie viel Bewertung vertragen die Universitäten: Helga Nowotny Quelle: Pförtner
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Göttingen

Die österreichische Sozialwissenschaftlerin lehrte und forschte als Professorin für Wissenschaftsforschung an der Universität Wien sowie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Dort war sie unter anderem Direktorin des „Collegium Helveticum“. Von 2007 bis 2010 war sie Vizepräsidentin des Europäischen Forschungsrates, seit 2010 ist sie dessen Präsidentin. Von 2003 bis 2005 war sie Mitglied des Stiftungsrates der Universität Göttingen.

Nowotny skizzierte in ihrer Rede zunächst die veränderten Rahmenbedingungen, denen sich die Universitäten stellen müssen. Dazu gehöre die Erkenntnis der Politik, dass Wissenschaft und Technik der Motor für das ökonomische Wachstum seien. Europa müsse sich hier vor allem mit enorm  steigenden Ausgaben für die Wissenschaft in Südostasien auseinandersetzen.  Zahlenbasierte Bewertungskriterien spielten daher eine immer stärkere Rolle. Und hierbei zeige sich die Dominanz der Technowissenschaften. So werde beispielsweise immer mehr gefragt, wie man das Innovationspotential einer Forschung messen könne.

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Die Universitäten aber müssten viele Ziele unter einen Hut bringen, die sich eben nicht in ein einziges Bewertungssystem zwingen lassen. Forschung sei messbar, Lehre nicht, so Nowotny. Das erzeuge Spannungen. Zudem bringe der Zwang zur Messung der Leistungen auch die Gefahr der Homogenisierung mit sich, mahnte sie. „Riskante Forschung wird dann nicht mehr gern gefördert.“

In einem Ausblick mutmaßte Nowotny, die Konzentration der Förderung auf die Spitzenforschung werde sich auf Dauer nicht halten lassen. „Wir bilden nicht aus für die 0,45 Prozent der Studierenden, die irgendwann einmal ordentliche Professoren werden. Sondern für all die, die irgendwann aussteigen und ihr  Wissen mit in andere Berufszweige nehmen.“

Mit der Verleihung der Dorothea-Schlözer-Medialle würdigte die Universität Göttingen Nowotnys Verdienste um Wissenschaft und Forschung sowie ihr Engagement für die Wissenschaft und deren besondere gesellschaftliche Verantwortung. „Helga Nowotnys wissenschaftliche Karriere ist exemplarisch“, sagte Universitätspräsidentin Prof.  Ulrike Beisiegel.