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Göttingen Zuviel Stickstoff in Waldböden belastet Gewässer
Campus Göttingen Zuviel Stickstoff in Waldböden belastet Gewässer
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17:18 09.09.2009
Forstlichen Fakultät: Messdaten über Schwefelbelastung in drei Buchenwäldern der Region.
Forstlichen Fakultät: Messdaten über Schwefelbelastung in drei Buchenwäldern der Region.
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Während das Kalkgestein im Göttinger Wald heute insgesamt wenig beeinträchtigt ist, hat jedoch die Säure, die vor allem bis zu den 90er Jahren im Buntsandstein des Solling gespeichert wurde, diesen Waldboden nachhaltig gestört. Die Auswertung weiterer Daten von Wäldern in ganz Deutschland ergab zudem, dass die Stickstoffeinträge den Bedarf der Wälder übersteigen. Dies kann zu Belastungen von Trinkwasser und der Atmosphäre führen. Das Forschungszentrum Waldökosysteme der Universität Göttingen hat die Untersuchungen koordiniert, an denen Zoologen, Mikrobiologen, Vegetationskundler, Klimatologen, Bodenkundler, Ertragskundler und Waldbauer der Universität und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt beteiligt waren. Die Ergebnisse der sich über 40 Jahre erstreckenden Studie sind als Buch in der Reihe „Ecological Studies“ veröffentlicht.

Zusätzlich zu den langjährigen Messreihen werteten die Forscher das „Intensive Forest monitoring programm, Level II“ aus – eine bundesweite Erhebung über 53 Waldstandorte, an denen die Forstlichen Versuchsanstalten der Länder seit 1996 Stoffbilanzen erheben. Ein zentrales Ergebnis ihrer Analyse: Die Belastung des Waldökosystems mit Stickstoffemmissionen ist zwar in den vergangenen Jahren zurückgegangen, liegt aber immer noch auf hohem Niveau. Insbesondere die Landwirtschaft trägt mit der Viehhaltung neben dem Verkehr wesentlich zur Luftverunreinigung bei.

Mit Stickstoff gesättigt

Diese Speicherung des Stickstoffs im Boden hat zur Folge, dass auch Kohlenstoff vermehrt im Humus des Bodens und in den Pflanzen gebunden wird. Die Forscher nehmen deshalb an, dass viele Waldböden derzeit zur Verringerung von Kohlendioxid in der Atmosphäre beitragen.

Auf der anderen Seite zeigt die Studie aber auch, dass die Böden in knapp 30 Prozent der untersuchten Waldstandorte bereits mit Stickstoff gesättigt sind. „In diesen Wäldern wird der eingetragene Stickstoff als Nitrat ausgewaschen und belastet damit Trinkwasser und Gewässer. Oder er wird als Lachgas freigesetzt, das ein Treibhausgas mit der 320-fachen Wirkung des Kohlendioxids ist“, erläutert Dr. Rainer Brumme von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie die Folgen.

Kalkung gegen Versauerung

Gegen die durch Überdüngung und Säurebildung verursachten Nährstoffungleichgewichte in Pflanzen haben die Forstlichen Versuchsanstalten bereits Maßnahmen ergriffen: Die betroffenen Wälder werden seit Mitte der 1980er Jahre gekalkt. Dies verhindert die weitere Versauerung der Böden und liefert gleichzeitig wichtige Nährstoffe wie Kalzium und Magnesium.

Mit regelmäßigen Messungen konnten die Wissenschaftler bereits in den 1980er Jahren auf die steigende Belastung durch Luftschadstoffe wie Schwefel und Stickstoffoxide hinweisen und später deren Rückgang aufzeichnen. Zudem beobachteten sie, wie unterschiedlich die Böden der drei Versuchsflächen – Kalkgestein, Buntsandstein und Basaltgestein – die Schadstoffe speichern, umwandeln und abbauen. „Beobachtungen über einen solch langen Zeitraum sind sinnvoll, weil das Waldökosystem langsam auf Veränderungen reagiert. Sie liefern uns wichtige Erkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge zwischen Schadstoffeinträgen, dem Klimawandel und den vielfältigen Funktionen der Wälder“, erläutert Bodenkundler Brumme.

Von jes/pug