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Campus Göttinger Strömungsforscher setzt sich für nach außen blasende Ventilatoren in Klassenzimmerfenstern ein
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Göttinger Strömungsforscher Bodenschatz spricht sich für Ventilatoren in Fenstern von Klassenzimmern aus

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14:00 07.04.2021
Professor Eberhard Bodenschatz ist dafür, Ventilatoren in die Fenster von Klassenzimmern einzubauen.
Professor Eberhard Bodenschatz ist dafür, Ventilatoren in die Fenster von Klassenzimmern einzubauen. Quelle: dpa/Archiv
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Göttingen

Der Göttinger Strömungsforscher Professor Eberhard Bodenschatz spricht sich dafür aus, zum Schutz vor Corona an Schulen in die Fenster von Klassenzimmern nach außen blasende Ventilatoren einzubauen. Die Ventilatoren seien sowohl zum Stoßlüften als auch zum Dauerlüften geeignet, sagte der Wissenschaftler. Diese Maßnahme ermögliche zusammen mit der Halbierung der Klassengröße durch das Wechselmodell und dem konsequenten Tragen von Masken im Unterricht einen weitestgehend infektionssicheren Präsenzunterricht. Bodenschatz ist Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Er erforscht seit rund 30 Jahren die Ausbreitung von kleinsten Teilchen in turbulenten Luftströmen.

„Ein Ventilator im Fenster eines Klassenraums bringt für Schüler und Lehrer eine klare Verbesserung des Infektionsschutzes“, sagte Bodenschatz. Die 30 bis 40 Zentimeter großen Geräte sorgten für einen automatischen Luftaustausch mit einem fünf- bis 15-fachen Luftwechsel pro Stunde. Ansteckende, virustransportierende Aerosole würden aus dem Klassenraum befördert, frische Luft von außen hingegen über gekippte Fenster oder im Fenster eingebaute Luftfilter angesaugt.

Angenehme Kühlung bei höheren Temperaturen

Zudem werde die Raumluft, die sich im Frühling und Sommer im Klassenraum schnell aufheize, angenehm gekühlt, und der Unterricht müsste nicht durch manuelles Lüften unterbrochen werden, erläuterte der Wissenschaftler. „Außerdem sind diese Ventilatoren sehr leise und können durchgehend laufen, ganz unabhängig vom Wetter, auch wenn es draußen stürmt oder regnet.“

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Die Infektionsgefahr während des Unterrichts sei erheblich, wenn keinerlei Schutzmaßnahmen ergriffen würden, unterstrich Bodenschatz. Das Risiko, sich in einem Klassenraum anzustecken, in dem sich einen Vormittag lang 30 Schüler ohne Maske aufhalten, von denen einer mit Corona infiziert ist, liege nach vier Unterrichtsstunden bei mehr als 80 Prozent. Setzten alle eine Maske auf, sinke die Ansteckungsgefahr auf 15 Prozent. Werde zusätzlich noch korrekt gelüftet oder die Luft gereinigt, liege das Risiko nur noch bei weniger als drei Prozent.

Handlüftung kaum mehr effektiv

Angesichts der bevorstehenden warmen Jahreszeit wies der Forscher darauf hin, dass es sich kaum mehr als effektiv erweisen werde, alle 20 Minuten fünf Minuten lang per Hand zu lüften, so wie es zurzeit an den Schulen praktiziert werde. „Herrschen drinnen und draußen ähnliche Temperaturen, lässt die thermische Austauschkraft erheblich nach.“ Sicherheit könnten dann nur technische Lösungen bieten wie Fensterventilatoren. Diese sollten nach seiner Empfehlung in den Übergangsmonaten durchgängig laufen. Die Fenster sollten dabei gekippt sein. In heißen Hochsommer- und kalten Wintermonaten sind Bodenschatz zufolge Zeitschaltuhren sinnvoll, so dass die Ventilatoren alle 20 Minuten anspringen und fünf Minuten lang schnell laufen.

Die Kosten für einen Fensterventilator liegen dem Forscher zufolge bei 500 bis 1.000 Euro. Das sei deutlich günstiger als der Preis für die gängigen Luftreinigungsgeräte. Zwar eigneten sich auch diese für den Infektionsschutz, da sie die Luft von Aerosolen befreiten. „Sie sorgen aber nicht für Frischluft.“

Von epd