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Campus Gratis-Rollenspieltag beim Studentenwerk bietet Kopfkino für Fantasy-Fans
Campus Gratis-Rollenspieltag beim Studentenwerk bietet Kopfkino für Fantasy-Fans
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09:50 24.03.2019
Ulrich Drees erläutert das Rollenspiel "A Mighty Fortress". Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Was den Vinyl-Fans der Record Store Day, ist vielen Fantasy-Fans der Gratis-Rollenspiel-Tag (GRT). Zum siebten Mal in Folge hat sich daran am Sonnabend die Göttinger „Pen & Paper“-Rollenspielgruppe „Göröll“ beteiligt – in Kooperation mit dem Fachgeschäft „Die Spieleburg“ und dem Kulturbüro des Studentenwerks. In dessen Clubräume trudelten an die 80 Rollenspieler – Anfänger und Fortgeschrittene – ein, um in kleinen Runden ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

„Cthulhu" im Clubraum: Der Rollenspieltag bringt Anfänger und Veteranen an einen Tisch. Quelle: Peter Heller

Anders als bei Live-Cons verkleidet sich hier keiner als Ork oder Elb. Nicht einmal eines Spielbretts oder Spielfiguren bedarf es. Viele der „Pen & Paper“-Spiele kommen ohne aus. Wie der Name schon sagt, reichen zumeist Stift und Papier, Würfel, ein Ausgangsszenario und ein moderierender Spielleiter – bisweilen auch üppige Regelwerke. Alles weitere bleibt der Interaktion am Tisch überlassen. Das narrative Abenteuer mit fiktiven Rollen gleicht einem Mix aus Improvisationstheater und Gesellschaftsspiel, das einem „wenn...dann...“-Schema folgt. Klettert man im „Finsterforst“ lieber auf einen Baum, um sich Überblick zu verschaffen, stopft man sich Beeren in den Mund oder greift zum magischen Nottrank?

Neulinge und Veteranen

Würfel und Papier – mehr braucht man nicht für manche Spiele. Quelle: Peter Heller

Die meisten Teilnehmer sind Schüler und Studenten, aber auch altgediente Veteranen dabei. Inzwischen ist mehr als eine Generation mit dem immer wieder neu befeuerten Fantasy-Genre, mit dem gruppendynamischen Werwolf-Spiel und Harry Potter, Herr der Ringe und Game of Thrones großgeworden. Mehr oder minder düstere Fantasy-Spiele wie das an Lovecraft angelehnte „Call of Cthulhu“, „Runequest“ oder „Arakne“ geben den Ton in der Szene an, es gibt aber auch Science-Fiction-Cyberpunk (“Shadowrun“) oder familiengerechte Spiele wie „Zettel-RPG“ oder „Schummel-Abenteuer“. Man muss kein Nerd wie die Darsteller der TV-Serie „The Big Bang Theory“ sein, um daran Gefallen zu finden. Schaden tut es aber sicher auch nicht.

Cyberpunk und Crowdfunding

Auch wenn man sich mal verrannt hat, geht es immer wieder weiter. Quelle: Peter Heller

Als Beispiele für Neuerscheinungen und weitere Genres nennt Jonas Richter das zwischen Jakuza, Martial Arts und Western angesiedelte „New Hongkong Story“, das deutsche Detektiv-Spiel „Private Eye“ in viktorianischem Ambiente oder das über Crowdfunding finanzierte Starter-Sci-Fi-Abenteuer „Fallen World“. Richter, der ein GRT-Orga-T-Shirt trägt, ist in die Gesamtkoordination des Rollenspieltages mit mehr als 100 Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum inklusive Facebook-Seite eingebunden. Spiele-Verlage würden Gratismaterial in abgespeckter Form zur Verfügung stellen, berichtet der eloquente Spielleiter, der in Göttingen promoviert hat. Es gebe komplexe und minimalistische Varianten der Tischrollenspiele, einige Spielrunden würden vier Stunden dauern, andere nur eine. Nicht alle Verlage ziehen mit, Klassiker wie „Dungeons and Dragons“ ( „die Mutter aller Fantasy-Spiele“) oder „Das schwarze Auge“ fehlen beim GRT.

Erzähl- und Improvisationstalent sind gefragt bei Tischrollenspielen. Quelle: Peter Heller

Zum ersten Mal dabei ist Laureen Höhne. „In meinem Freundeskreis spielt keiner so etwas“, sagt die 22-jährige Wirtschaftsinformatik-Studentin, die sich seit ihrer Grundschulzeit für Videospiele interessiert. An Tischrollenspielen reizt sie, dass Welten und Charaktere offener, Entwicklungen nicht vorgegeben sind, mehr Möglichkeiten für eigene Freiräume bleiben.

Kopfkino und Eskapismus

„Auch PC-Spiele haben ihren Stärken“, sagt Richter. „Das hier ist aber persönlicher, man sitzt ohne Headset und Team-Speak mit Leuten direkt am Tisch, erzeugt Bilder im eigenen Kopfkino“, nennt er ein Motiv für die Rückkehr des Homo ludens zum Haptischen und Imaginären. Tischrollenspiele würden eine regelrechte Renaissance erleben, forciert durch You-Tube-Stars, sagt auch Ulrich Drees. Der 51-Jährige spielt bereits seit Jahrzehnten Rollenspiele, war schon als Jugendlicher Fantasy-Fan, ist über „Midgard“ in die Szene gerutscht. Die Inititalzündung für Thomas Schmidt (49), der regelmäßig in fester Runde spielt, kam mit „Dungeons & Dragons“. Jungsche Archetypen würden ebenso eine Rolle spielen wie die alte Tradition des Geschichtenerzählens und Omnipotenzfantasien, man könne aber auch Spaß am Scheitern haben. „Fantasy ist letztlich immer hanebüchen“, räumt Schmidt ein. Eskapismuskritik hält er in Anlehnung an Tolkien entgegen: „Der einzige, der etwas gegen Realitätsflucht haben könnte, ist der Gefängniswärter.“

Anfänger und altgediente Rollenspieler haben beim Gratis-Rollenspielttag mit Kopfkino zueinander gefunden.

Von Kuno Mahnkopf

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