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Kassel Neue Fadenwurm-Art in Nordhessen entdeckt
Campus Kassel Neue Fadenwurm-Art in Nordhessen entdeckt
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11:40 11.03.2019
Prionchulus sturhani unter dem Mikroskop. Quelle: Grazyna Winiszewska.
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Kassel

Pflanzenwissenschaftler der Universität Kassel haben auf einem Versuchsfeld der Universität in Neu-Eichenberg eine neue Art von Fadenwürmern entdeckt. Bei den Nematoden handelt es sich um eine räuberische Art, die sich von kleinen Bodentieren ernährt. „Räuberische Nematoden gelten als guter Anzeiger für ein ungestörtes Bodenökosystem“, erklären die Wissenschaftler.

Nematoden sind zumeist kleine, farblose Würmchen“, heißt es in einer Mitteilung der Universität. In 100 Milliliter fruchtbarem Boden können mehr als 10000 Individuen auftreten. Mehr als 20000 Arten sind bekannt. „Die meisten Arten ernähren sich von Bakterien und Pilzen, beeinflussen dadurch den Nährstoffkreislauf und sind ein bedeutender Bestandteil des Bodenökosystems.“ Andere parasitieren Insekten und werden in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Zahlreiche Nematoden saugen aber auch selbst als Schädlinge an den Wurzeln von Kulturpflanzen. Die jetzt entdeckte Art Prionchulus sturhani hat eine Körperlänge von weniger als zwei Millimetern und zeichnet sich durch einen runden Kopf und einen relativ kurzen Schwanz aus.

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Räuberische Arten Indiz für gesunden Boden

Agrarwissenschaftler des von Prof. Maria Finckh geleiteten Fachgebietes Ökologischer Pflanzenschutz untersuchen auf einem Versuchsfeld in Neu-Eichenberg den Einfluss nachhaltiger Anbausysteme auf die Boden- und Pflanzengesundheit. Während die Pflanzengesundheit anhand des Auftretens von Schaderregern gut erfasst werden kann, sei es aufwändig und schwierig, die Bodengesundheit zu erfassen, so die Wissenschaftler. Ein Indiz für Bodengesundheit seien im Boden lebende Nematoden, insbesondere räuberische Arten: „Räuberische Nematoden ernähren sich von anderen Nematoden und kleinen Bodentieren und sind somit ein wichtiger Bestandteil des Bodennahrungsnetzes.“ Sie stehen am Ende der Nahrungskette und reagieren empfindlich auf jegliche Bodenstörung.

Das Auftreten räuberischer Arten ist somit ein verlässlicher Anzeiger auf ein ungestörtes und gesundes Bodenökosystem. Dies zeigte sich eindrucksvoll in den Versuchen in Neu-Eichenberg. Während gepflügte Ackerflächen keinerlei räuberische Arten aufwiesen, wurden in nicht gepflügten Bereichen teils hohe Dichten an räuberischen Nematoden gefunden.

Art nach Dr. Dieter Sturhan benannt

Einige der während des Versuches gezogenen Bodenproben nahm apl. Prof. Johannes Hallmann für weitergehende Untersuchungen mit an das Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, nach Münster. Dort schaute sich die Gastwissenschaftlerin Dr. Tam Vu aus Vietnam, eine Expertin für räuberische Nematoden, die Tiere genauer an. Sie fand heraus, dass die dominant auftretende Art noch nicht beschrieben ist. Dies holte sie gemeinsam mit ihrer polnischen Kollegin Grazyna Winiszewska nach und nannte die neue Art Prionchulus sturhani – nach dem kürzlich verstorbenen Nematologen und renommierten Taxonomen Dr. Dieter Sturhan. Die Originalarbeit erschien in der Fachzeitschrift Annales Zoologici.

Von Nadine Eckermann / r

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