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Kassel Unzuverlässige Bahn schadet dem Öffentlichen Verkehr
Campus Kassel Unzuverlässige Bahn schadet dem Öffentlichen Verkehr
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08:00 26.12.2018
Unpünktlicher Bahnverkehr soll nach Angaben von Verkehrsforschern aus Kassel dem gesamten Öffentlichen Verkehr schaden. Quelle: dpa
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Kassel

„Die zunehmende Unzuverlässigkeit im Bahnverkehr schadet dem gesamten Öffentlichen Verkehr in Deutschland“, sagt der Kasseler Verkehrswissenschaftler Professor Carsten Sommer, Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel sowie des Arbeitsausschusses „Öffentlicher Verkehr“ (ÖV) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Das hat Sebastian Mense, Pressesprecher der Universität Kassel, mitgeteilt. Der Ausschuss sei in Deutschland neben dem VDV (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen) und weiterer Gremien der FGSV für Regelwerke im öffentlichen Verkehr verantwortlich.

Bahn stärken

Sommer begrüße, dass die Politik die Bahn stärken und die Bahn bis 2030 den „Deutschland-Takt“ einführen wolle, berichtet Mense. Doch das gegenwärtige System „Bahn“ bewältige schon die bisherige Leistungssteigerung nicht, und in „zunehmenden Umfang beeinflussen Bau- und Instandhaltungsarbeiten den Betrieb“, heiße es in einem kürzlich veröffentlichten Papier. Um die Situation nicht weiter zu verschärfen, sondern eine Normalisierung zu ermöglichen, sollte eine Reduktion des Angebots auf der Schiene „für eine begrenzte Zeit kein Tabu sein“. Mit „Vorrang“ sei zu klären, welche Netzbelastungen für einen stabilen und pünktlichen Betriebsablauf „tatsächlich verträglich sind“, und welche Reserven benötigt würden, um wieder zuverlässig und pünktlich fahren zu können. Für die Fachleute „muss die Frage erlaubt sein, ob das zu schaffen ist“, angesichts der gegenwärtig nicht akzeptablen Qualität in relativ kurzer Zeit die angestrebte Verdoppelung der Nachfrage zu erreichen.

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„Eingespielte Routine“

Die Deutsche Bahn veröffentliche mit „inzwischen eingespielter Routine“ inakzeptable Zahlen zur Pünktlichkeit, gebe zuvor aufgestellte Pünktlichkeitsziele auf und kündige spürbare Verbesserungen an, die aber für den Fahrgast ausblieben, gibt Mense die Kritik weiter. Weniger als 70 Prozent der Ankünfte seien nach den jüngsten Angaben der Bahn pünktlich, sage Sommer. Als pünktlich gelten Züge, mit maximal sechs Minuten Verspätung. „Der Trend weist abwärts. Eine nachhaltige Verbesserung scheint nicht in Sicht“, heiße es im Papier. Zudem sage der Pünktlichkeitswert für den einzelnen Zug nichts darüber aus, mit welcher Pünktlichkeit der Fahrgast sein Ziel erreiche, wenn er den Anschluss zu einem anderen Zug oder zu Straßenbahn und Bus verpasse.

Ressourcen und Abfertigung

Als einen wesentlichen Grund für die Unpünktlichkeit nennen die Fachleute neben Ressourcenproblemen die immer länger werdenden Abfertigungszeiten für die Züge in Bahnhöfen , berichtet Mense weiter. Die Abfertigungszeiten seien Folgen der steigenden Zahl an Fahrgästen sowie der Fahrzeugtechnik und der Gestaltung der Fahrzeuge. Die Fachleute fragen, ob die Bahn hinreichend berücksichtige, dass immer mehr Menschen reisen, die wegen ihres Alters oder ihrer Bewegungseinschränkungen mehr Zeit beim Ein- und Aussteigen benötigten. Ob die gewollte Zunahme des Radverkehrs und dadurch die Mitnahme von mehr Rädern bedacht werde. Und Angebote wie Rail&Fly führten dazu, dass immer mehr Reisende große Gepäckstücke mitführten.

Schwächstes Glied

Die Unzuverlässigkeit der Bahn habe Einfluss auf den gesamten ÖV. Denn das schwächste Glied in der Kette der Verkehrsmittel sei entscheidend für die Akzeptanz des ÖV durch den Kunden und seine Wahl des Verkehrsmittels. Es werde über Jahre erhebliche Anstrengungen erfordern, um die Lage zu stabilisieren oder zu verbessern. Die Beiträge, die der technologische Wandel dazu leisten könne, sollten nicht überschätzt werden.

Von Rüdiger Franke / r

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