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Kassel Vom Gift zum Medikament
Campus Kassel Vom Gift zum Medikament
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15:00 14.03.2019
Labor an der Universität Kassel: Apparatur zur Herstellung von Carbene. Quelle: r
Kassel

Kohlenmonoxid ist als tödliches Atemgift bekannt. Zugleich ist es aber auch ein wichtiger Baustein für die chemische Industrie. Kohlenmonoxid ist die Grundlage für zahlreiche medizinische und andere Produkte. „Will man es als sogenannten Synthesebaustein nutzen, um Produkte herzustellen, muss man üblicherweise harsche Methoden anwenden“, sagt Prof. Ulrich Siemeling vom Fachgebiet Metallorganische Chemie der Universität Kassel. „Also hohen Druck und hohe Temperatur.“ Oder man müsse seltene und giftige Schwermetalle nutzen, so der Chemiker. Das Kohlenmonoxid-Molekül (CO) werde von der stärksten bekannten chemischen Bindung zusammengehalten und sei daher reaktionsträge.

Das Forscherteam der Uni Kassel hat herausgefunden, dass Kohlenmonoxid auch unter einfachen Bedingungen nutzbar gemacht werden kann. „Es kommt nur auf den Reaktionspartner an“, sagt Siemeling. Die Wissenschaftler verwendeten sogenannte „acyclische Diaminocarbene“ für diesen Zweck. Diese Carbene reagierten problemlos mit Kohlenmonoxid und machten es nutzbar – ganz ohne Schwermetalle.

„Tür für die Suche nach zukünftigen Antibiotika geöffnet“

Carbene sind Verbindungen des zweiwertigen Kohlenstoffs. Kohlenstoff verfügt über vier Bindungselektronen und ist daher in der Regel vierwertig und vierbindig. Bei Carbenen ist das anders: Hier sind zwei der vier Bindungselektronen ungenutzt. Daher sind Carbene besonders reaktiv und häufig nicht in Substanz isolierbar. Unter den Carbenen befand sich auch ein von den Forschern eigens entwickelter neuer Vertreter mit besonders vorteilhaften Eigenschaften: hoch reaktiv gegenüber CO, zugleich aber besonders wärmebeständig und somit bequem handhabbar.

Vom tödlichen Atemgift zum Antibiotikum

„Die Produkte der Reaktion von Kohlenmonoxid mit den vom Kasseler Forscherteam verwendeten Carbenen gehören einer Substanzklasse an, aus der sich viele wichtige Antibiotika rekrutieren“, so Siemeling. Die synthetisierten Stoffe zeigten eine antibakterielle Wirkung, ähnlich wie Antibiotika. „Die von uns bisher synthetisierten Stoffe sind für medizinische Zwecke leider nicht geeignet. Aber mit unserer neuen Synthesemethode haben wir für diejenigen eine Tür geöffnet, die sich der Suche nach zukünftigen Antibiotika widmen.“ Gegen viele Antibiotika gebe es heute bereits Resistenzen. Ihre Wirkung werde schwächer.

„Unsere Forschung könnte neue Antibiotika ermöglichen, die wirkungsvoller sind als etablierte, die angesichts zunehmender Resistenzen eine stumpfe Waffe zu werden drohen“, sagt der Kasseler Chemiker. Das Projekt wurde gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Bochum und Frankfurt durchgeführt und mit 528.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Von Angela Brünjes

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