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05:00 30.01.2019
Schülerinnen der fünften Klasse der Dresdner Waldorfschule üben beim Zirkusunterricht in einer Turnhalle auf großen Bällen. Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild
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Dresden

Sie tanzen ihren Namen und stricken im Unterricht - Klischees über Waldorfschüler gibt es viele. Was das Besondere ist und warum viele Eltern sich für eine Waldorfschule entscheiden, erklärt Bildungsforscher Heiner Barz im dpa-Interview.

Was unterscheidet Waldorfschulen von den staatlichen Schulen?

Heiner Barz: Zunächst einmal sind sie Schulen in freier Trägerschaft. Sie müssen schauen, wie sie finanziell über die Runden kommen, haben aber auch mehr Gestaltungsspielräume. Das heißt, sie können andere Lehrpläne und andere Methoden verwirklichen und das tun sie auch. Die Waldorfpädagogik geht davon aus, was das Kind in dem jeweiligen Altersabschnitt braucht und richten die Lehrinhalte danach aus. Das Kind steht im Mittelpunkt und nicht die wissenschaftliche Annahme, was in 13 Schuljahren an das Kind an Wissen "verfüttert" werden muss. Damit gehört Waldorf zur reformpädagogischen Aufbruchsbewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand - gemeinsam mit Maria Montessori in Italien, Celestine Freinet in Frankreich oder John Dewey in den USA. Die Reformpädagogik der Schulen kann zwar recht unterschiedlich sein, aber alle versuchen, das Kind in den Mittelpunkt zu rücken.

Wie erklären Sie sich den großen Zulauf - vor allem in den Städten?

Barz: Vor allem mit dem Schulfrust der Eltern und Schüler an einer normalen staatlichen Schule. Manche haben vielleicht mehrere Schulwechsel hinter sich und kommen zu dem Schluss, dass das staatliche System doch nicht das richtige für das Kind ist. Manche Kinder haben Schulangst, leiden unter Mobbing, manche gehen mit Bauchschmerzen zur Schule. Dann sind die Eltern bereit, eine Alternative zu probieren. Andere wiederum wollen von vorneherein eine Schule, die nicht nur auf Wissensvermittlung und Leistungsorientierung abstellt, sondern eine Schule, die dem Kind eine Entfaltung ermöglicht. Die Orientierung an einem Wissen, das man in Klausur abfragt und dann vergisst, hat zugenommen. Das ist das sogenannte "Bulimie-Lernen". Für immer mehr Eltern wird daher die Suche nach einer Alternative interessant.

Sie haben in einer Ihrer Studien Schüler an Waldorfschulen befragt. Was ist das Ergebnis?

Barz: Wir haben Vergleichsdaten von staatlichen Schulen herangezogen und unter anderem gefragt, wie oft Schüler Ängste haben, wie sie sich von Lehrern angenommen fühlen, wie oft sie mit Bauchweh in die Schule gehen. In alle diesen Vergleichswerten haben Schüler an Waldorfschulen besser abgeschnitten. Die Schüler fühlen sich besser angenommen, der Unterricht bringt ihnen mehr und die Schüler haben den Eindruck, die Lehrer kümmern sich individueller um den Einzelnen.

Kritiker werfen den Schulen Dogmatismus und einen Hang zur Esoterik vor. Hat sich das 100 Jahre nach Gründung geändert?

Barz: Steiner selbst war am wenigsten dogmatisch, dogmatisch sind eher die Anhänger. Es gibt in der Waldorfpädagogik schon solch eine "Versteinerung", wo man sich an jedes Wort hält, das Steiner einmal gesagt hat. Aber mein Eindruck ist - und ich beobachte Waldorf schon seit fast 40 Jahren -, dass es in den letzten 20 Jahren eine deutlich stärker pragmatische Orientierung gibt. Die Dogmatiker, von denen es immer noch welche gibt, sind eher in der Minderzahl. Die Thesen Steiners werden durchaus in Frage gestellt und an die moderne Welt angepasst.

Zur Person:

Heiner Barz ist Professor für Erziehungswissenschaften und Leiter der Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine 2012 erschienene empirische Studie zu "Bildungserfahrungen an Waldorfschulen" wurde von der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen unterstützt.

dpa

Es wird ständig gestrickt und danach tanzen die Schüler ihre Namen - Klischees über Waldorfschulen gibt es viele. Dennoch verbuchen sie 100 Jahre nach Gründung der ersten Einrichtung großen Zulauf - vor allem im Osten.

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