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Wie Sie im Homeoffice die Kreativität ankurbeln

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05:00 05.10.2020
Prof. Rainer Holm-Hadulla ist Kreativitätsforscher, Berater an der Universität Heidelberg und Buch-Autor. Quelle: Angelika Löffler/dpa-tmn
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Heidelberg/Sauerlach

Homeoffice steht nach wie vor für viele täglich oder zumindest wochenweise im Kalender. Inzwischen haben sich die meisten wahrscheinlich gut eingegroovt. Aber das bringt auch Probleme mit sich: Wer wochenlang in seinem eigenen Süppchen kocht, hat irgendwann keine Ideen mehr.

Stattdessen braucht es Meetings, Brainstorming und vielleicht ein gemeinsames Feierabendbier, um kreative Ideen zu entwickeln. Oder?

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Grundsätzlich beschreibt der Begriff Kreativität die Fähigkeit, etwas Neues und Brauchbares zu schaffen, wie Prof. Rainer Holm-Hadulla erklärt. Er ist Kreativitätsforscher und Berater an der Universität Heidelberg.

Klare Strukturen für die Fantasie

Grundsätzlich sei Kreativität etwas sehr Individuelles, aber dennoch haben die meisten Menschen etwas gemeinsam: "Alle brauchen klare Strukturen, um innerhalb dieses Rahmens frei fantasieren zu können", weiß Holm-Hadulla. "Nicht umsonst haben alle bedeutenden Künstler, Wissenschaftler und politisch Aktive feste Arbeitsrituale."

Kreativität ist also nicht unbedingt etwas, das einen plötzlich überfällt. Laut Holm-Hadulla ist Kreativität vielmehr ein Prozess, der aus fünf Phasen besteht:

Die erste Phase ist die Vorbereitung, sie dient dem Wissenserwerb aus dem Bereich, in dem man kreativ werden möchte. Danach folgt die Inkubation - eine Phase der Ruhe, in der das erworbene Wissen sortiert wird und sich setzen kann. Dann folgt im Idealfall die Illumination - der Aha-Moment. "Diese Phase wird in aller Regel überschätzt", sagt Holm-Hadulla.

Phase vier, die Realisierung, ist meist die anstrengendste und verlangt Widerstandsfähigkeit. Am Ende steht die Verifikation, also die Überprüfung, wie das Ergebnis auf andere wirkt.

Kreativität braucht Impulse

Was bedeutet das nun für kreatives Arbeiten im Homeoffice? Grundsätzlich ist Kreativität auch von zu Hause aus möglich. Aber: "Kreativität entsteht nicht im luftleeren Raum", weiß Psychologin und Coach Cordula Nussbaum. "Um kreativ zu sein, brauchen wir Impulse von außen."

Wie diese Impulse aussehen sollten, hängt vom Typ ab. Extrovertierte Menschen haben es im Homeoffice schwerer, denn "sie haben Ideen beim Reden, für sie ist der Austausch mit anderen wichtig", so Nussbaum. Aber auch das ist im Homeoffice möglich.

Für eher introvertierte Menschen kann die Arbeit von zu Hause aus gut funktionieren. Denn sie kommen auf gute Ideen, indem sie in Gedanken schwelgen. Die Impulse kommen von Dingen aus ihrer Umgebung.

Mit der Reizgegenstand-Methode die Ideenfabrik ankurbeln

Bei manchen Menschen läuft das unterbewusst, andere können sich die sogenannte Reizgegenstand-Methode zunutze machen. Bei dieser Kreativitätstechnik nimmt man sich einen Gegenstand, der auf den ersten Blick nichts mit der Aufgabe zu tun hat und überlegt, was beide Dinge doch miteinander zu tun haben könnten - über die Gemeinsamkeiten entstehen ganz neue Ideen, weiß Nussbaum. "Die abgespeckte Variante ist die Reizwort-Methode: statt eines Gegenstandes sucht man sich ein Wort."

Eine andere Möglichkeit, um die Kreativität in Schwung zu bringen, ist die Kopfstandtechnik: Dabei überlegt man sich, wie man genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich möchte, wie Nussbaum erklärt. Hat man genug gesammelt, wird all das zurückgedreht.

Die besten Ideen kommen beim Abwasch?

Eines aber steht fest, da können die Techniken noch so gut sein: "Wer wochenlang alleine in seinem Zimmerchen sitzt, auf ein leeres Dokument starrt und wartet, dass einen die Muse küsst, der hat definitiv keine Ideen", sagt Nussbaum. Denn wo die Impulse durch andere Menschen oder neue Umgebungen ohnehin begrenzt sind, sollte man sich nicht zusätzlich einigeln, sondern machen, was einem guttut.

Wichtig im kreativen Prozess ist laut Nussbaum auch das Zeitmanagement. Viele glauben, sie seien nur unter Druck richtig kreativ. Das treffe allerdings nur auf die wenigsten Menschen zu, weiß Nussbaum. Sie rät daher, den Druck bewusst rauszunehmen.

Das helfe auch bei Blockaden. Nussbaum rät, in Momenten, in denen nichts mehr geht, erst einmal die Situation zu unterbrechen und Stress abzubauen. "Wer gerne joggen geht, läuft eine schnelle Runde." Manchen helfe Meditation, andere entspannen Routinetätigkeiten wie Abwaschen oder Putzen.

© dpa-infocom, dpa:201002-99-801859/5

dpa