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Start zur Karriere Die Bilanz muss stimmen
Campus Studium & Beruf Start zur Karriere Die Bilanz muss stimmen
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14:06 09.09.2013
Im Gespräche: Auszubildende Marwa Zafar mit Ausbilderin Brigitte Förster bei der Concepta Steuerberatung. Quelle: Foto: Richter
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Lohn- und Gehaltsabrechnungen für ihre Mandanten vorzunehmen fällt in ihr Aufgabengebiet, genauso wie das Abführen der notwendigen Sozialversicherungsabgaben an die Krankenkassen und das Übermitteln der Lohnsteuer ans Finanzamt. Kurz gesagt, sie sind Steuerfachangestellte, und als solche üben sie einen äußerst anspruchsvollen, mit viel Verantwortung verbundenen Beruf aus.

Steuerfachangestellte sind fast ausschließlich am Schreibtisch tätig, wobei der PC ihr mit Abstand wichtigstes Arbeitsmittel darstellt. „Bei uns ist fast alles digitalisiert, mit Akten und Ordnern haben wir kaum noch etwas zu tun“, berichtet Yasemin Sen, die sich im zweiten Jahr ihrer Ausbildung bei Vesting Gerhardy befindet. „Wir haben zwar kein gänzlich papierloses Büro, aber doch ein sehr papierarmes“, so die 21-Jährige.

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Dass sie einer Bürotätigkeit nachgehen, heißt jedoch nicht, dass Steuerfachangestellte in ihrem Beruf kaum Kontakt mit Menschen hätten, im Gegenteil. „Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit unseren Mandanten“, erzählt Marwa Zafar (24), die im dritten Jahr bei Concepta lernt, während die 25-jährige Daria Kuberskaya – im zweiten Lehrjahr bei Lukat & Partner –  betont, wie wichtig es sei, bei Gesprächen absolut aufmerksam zu sein und auf jedes noch so geringe Detail zu achten: „Der Mandat weiß häufig nicht, was steuerrechtlich von Bedeutung ist und was nicht, weswegen es für uns ganz wichtig ist, jede noch so kleine Information aufzuschnappen – schließlich könnte sie sich für seine Steuererklärung positiv auswirken.“

Steuerfachangestellte erfahren so einiges über ihre Mandanten; über deren Finanzen wissen sie sogar ausgesprochen gut Bescheid. Dieses Wissen unterliegt jedoch strengster Geheimhaltung und ist  ein absolutes Tabuthema außerhalb des Büros. „Gleich zu Anfang musste ich eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschreiben“, berichtet die 17-jährige Sabrina Ernst, die im ersten Ausbildungsjahr bei Vesting Gerhardy ist. Und ihre Kollegin Deborah Turko (20), ebenfalls im ersten Ausbildungsjahr, fügt hinzu, „dass wir nicht nur keinerlei Informationen über die Mandanten preisgeben dürfen, nein, wir dürfen noch nicht einmal verraten, wer unsere Mandanten überhaupt sind.“

Die Mandanten müssen also auf die Verschwiegenheit der Mitarbeiter ihres Steuerberaters vertrauen können – aber auch darauf, dass diese bei der Arbeit keine Fehler machen. Soll und Haben: Am Ende muss in der Bilanz auf beiden Seiten immer die exakt gleiche Summe stehen.

Damit dem so ist, müssen Steuerfachangestellte „unglaublich präzise, systematisch und strukturiert“ arbeiten, wie Zafar sagt, dürfen nicht das kleinste Detail übersehen. Und sie müssen über ein sehr gutes Zahlenverständnis verfügen. Eine ordentliche Mathe-Note sollten Bewerber daher auf jeden Fall aufweisen können.

Im Berufsschulunterricht, der an der Arnoldi-Schule stattfindet, befassen  sich die Azubis unter anderem mit Steuerlehre, Rechnungswesen, allgemeiner Wirtschaftslehre, Personalwirtschaft sowie Datenverarbeitung. Die Steuerlehre wird von den meisten als das schwierigste Fach angesehen; „die vielen eingeschobenen Nebensätze und  juristischen Fachausdrücke lassen uns ganz schön die Köpfe rauchen“, seufzt Kuberskaya.

Männliche Azubis gibt es immer weniger, der Beruf ist dabei, sich zur Frauendomäne zu entwickeln. Nicht verschwiegen werden darf, dass die Gehälter ausgelernter Kräfte in den letzten Jahren zwar einen ordentlichen Anstieg erfahren haben, aber denen zahlreicher vieler anderer kaufmännischer Berufe immer noch hinterherhinken.
Dafür sind die Aufstiegschancen gut. Die Weiterbildung zur Bilanzbuchhalterin öffnet viele Tore und geht mit einem beträchtlichen Einkommensschub einher, und wer sich zur Steuerfachwirtin hat ausbilden lassen und insgesamt sieben Jahre Berufserfahrung besitzt, kann die Steuerberater-Prüfung absolvieren und anschließend richtig gutes Geld verdienen.

Von Hauke Rudolph