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Studium & Beruf Der Mittelweg zwischen Theorie und Praxis
Campus Studium & Beruf Der Mittelweg zwischen Theorie und Praxis
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15:51 23.11.2010
Berufsakademien im Wandel: Der Abschlusszusatz „BA“ wir heute oft durch den Bachelor ersetzt.
Berufsakademien im Wandel: Der Abschlusszusatz „BA“ wir heute oft durch den Bachelor ersetzt. Quelle: Koark/dpa/tmn
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Wo studieren? Diese Frage bereitet vielen Schulabgängern Kopfzerbrechen. Was einige nicht wissen: Sie haben nicht nur die Wahl zwischen Unis und Fachhochschulen. In Deutschland gibt es zudem einige Dutzend Berufsakademien. Manche heißen auch Duale Hochschulen. Sie verleihen neben dem Zusatz „BA“ für Berufsakademie inzwischen einen Bachelor wie herkömmliche Hochschulen. Dennoch unterscheiden sie sich stark voneinander.

Die Berufsakademie passt zu Studenten, die einen hohen Praxisbezug suchen. Denn bei diesem Modell lernen sie und arbeiten parallel in einem Betrieb. An den acht Standorten der Dualen Hochschule in Baden-Württemberg zum Beispiel gibt es einen regelmäßigen Wechsel zwischen Theorie und Praxis. Erst wird gepaukt, dann das Erlernte drei Monate lang im Unternehmen angewandt.

Das ist auch der Unterschied zur Fachhochschule, wie die Berufsberaterin Jutta Dietrich von der Arbeitsagentur in Stuttgart erläutert. An der FH gebe es häufig zwar ein Praxissemester. Das Studium an der Dualen Hochschule ist aber stärker durchstrukturiert. Und die Studenten kehren im Studienverlauf mehrmals in dasselbe Unternehmen zurück.

Etwas anders sieht es an der Internationalen Berufsakademie in Köln aus. Dort wird an zwei Tagen studiert und an drei Tagen in der Woche im Unternehmen gearbeitet. Die zeitliche Aufteilung zwischen Theorie und Praxis ist von Akademie zu Akademie unterschiedlich. Der Vorteil liegt aber bei allen Modellen auf der Hand: „Unsere Absolventen haben mehr Praxiserfahrung als Uni-Studenten“, sagt Akademie-Sprecherin Kerstin Oppermann.

Außerdem können Absolventen der Kölner Berufsakademie zusätzlich zum Studium in einer externen Prüfung einen Abschluss der Industrie- und Handelskammer (IHK) machen. Haben sie etwa BWL mit der Fachrichtung Hotel und Tourismus studiert, bietet sich unter Umständen eine Prüfung als Hotelfachfrau an. Schließlich haben sie eventuell genauso wie herkömmliche Azubis Zimmer sauber gemacht und im Catering gearbeitet.

In Hamburg gehört der IHK-Abschluss sogar von vornherein zur dualen Ausbildung an der Berufsakademie. „Bei uns macht man eine handwerkliche Ausbildung und parallel ein Studium, damit man Praxis und Theorie von Anfang an dabeihat“, sagt Cornelia Hinnah, Sprecherin der Berufsakademie Hamburg. Neben Studium und Arbeit steht dabei noch Berufsschule auf dem Programm.

An dieser zur Handwerkskammer Hamburg gehörenden Berufsakademie kann man jede handwerkliche Lehre mit einem BWL-Studium kombinieren. Bewerber müssen zunächst zu einem Beratungsgespräch kommen. Dann müssen sie sich – wie an jeder anderen Akademie auch – selbst einen Ausbildungsbetrieb suchen, der akzeptiert, dass sie studieren wollen. Allerdings kooperieren die meisten Berufsakademien mit Unternehmen, die passende Lehrstellen anbieten. Mit einem Vertrag in der Tasche können sich angehende Azubis an der Akademie bewerben.

Dieses Modell ist auch für Schulabgänger interessant, die nicht wissen, wie sie ein Studium auf andere Weise finanzieren sollen, wie Berufsberaterin Dietrich erläutert. Denn Studenten an Berufsakademien verdienen ihr Geld nebenbei im Betrieb. Bewerber müssen das Abitur oder die Fachhochschulreife haben. In Hamburg und Köln gibt es auch keinen Numerus clausus, der die Zulassung begrenzt. Das sei aber von Akademie zu Akademie unterschiedlich, sagt Oppermann.

Absolventen haben recht gute Berufsaussichten. „Sie haben Chancen, bis in die Unternehmensspitze zu gelangen“, meint Dietrich. Nach Angaben der Dualen Hochschule in Baden-Württemberg werden 80 Prozent ihrer Absolventen übernommen. Für die übrigen hat das System auch Schattenseiten: Denn sie seien sehr betriebsorientiert ausgebildet worden, sagt Dietrich.

Gerade das Handwerk bietet diese Ausbildung aber an, weil die Betriebe wissen, dass ihnen in absehbarer Zeit Fachkräfte fehlen werden. „Sie züchten sich den eigenen Nachwuchs“, sagt Hinnah von der Berufsakademie Hamburg. Auch in der Industrie seien die Absolventen gefragt. Denn sie hätten nicht nur eine handwerklich-technische Ausbildung, sondern verfügten auch über kaufmännisches Wissen.

Berit Waschatz, dpa/tmn