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Studium & Beruf Landwirtschaft bietet vielfältige Berufe
Campus Studium & Beruf Landwirtschaft bietet vielfältige Berufe
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00:00 09.02.2013
Natur und Technik: Die Ausbildung zum Landwirt ist die umfangreichste bei den sogenannten grünen Berufen.
Natur und Technik: Die Ausbildung zum Landwirt ist die umfangreichste bei den sogenannten grünen Berufen. Quelle: iStockphoto.com/ small_frog
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Celle

Die Bienen und Jessika fanden über eine Zeitungsannonce zueinander. Die Schülerin war 13 Jahre alt. Ein Imker aus Hambühren, einer kleinen Gemeinde bei Celle in Niedersachsen, brauchte Unterstützung bei der Pflege seiner Völker. Von da an brachte ihre Mutter die 13-Jährige alle paar Tage mit dem Auto zu den Bienenstöcken - 15 Kilometer hin und 15 zurück. Seitdem kam das Mädchen nicht mehr von der Imkerei los.

Heute, vier Jahre später, ist Jessika Bareither im zweiten Lehrjahr zum Tierwirt am Institut für Bienenkunde in Celle. Tierwirte kümmern sich um Nutztiere. Sie sind auf eine von fünf Fachrichtungen spezialisiert: Rinder, Schweine, Geflügel, Schafe - oder Bienen. „Das stimmt, wir sind Exoten“, sagt die 17-Jährige und lacht. Der Tierwirt für Bienen sei bei landwirtschaftlichen Berufen nicht gerade der mit den besten Jobaussichten. Wenige Dutzend Auszubildende gibt es laut Statistiken des Deutschen Bauernverbandes jedes Jahr. „Ungefähr 800 Berufsimker arbeiten in Deutschland, und es gibt nur wenige freie Stellen“, sagt Jessika.

Der Bauernverband unterscheidet 14 Berufe in der Landwirtschaft, die sogenannten grünen Berufe. Sie alle vereine der enge Bezug zur Natur, sagt Katja Zschaage vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Mit Gummistiefeln im Mist stehen oder mit dem Trecker Strohwagen ziehen - das machen in der Landwirtschaft nur noch wenige. Viele landwirtschaftliche Berufe spielten sich heute in Teilen auch im Büro ab, sagt die Berufsschullehrerin. Das heißt aber nicht, dass der Job etwas für Menschen ist, die sich beruflich eher am Schreibtisch sehen als draußen. „Sie müssen sich dabei auch sicherlich manchmal dreckig machen.“

Das gilt aber nicht für jeden der 14 grünen Berufe. „Ein milchwirtschaftlicher Laborant muss besonders streng auf Sauberkeit achten können“, stellt Katja Börgermann vom Deutschen Bauernverband klar. Er arbeitet zum Beispiel in Untersuchungsämtern, welche die Einhaltung der Hygienevorschriften in einer Molkerei überprüfen. Ein ähnlicher Ausbildungsberuf ist der Milchtechnologe. Er stellt etwa Joghurt und Käse her. Beide bräuchten naturwissenschaftliche und mathematische Kenntnisse, sagt Börgermann.Gleiches gilt für den landwirtschaftlich-technischen Laboranten, der Futtermittel für Tiere oder Saatgut herstellt, und für den Brenner, der aus Kartoffeln, Obst oder Getreide Alkohol brennt.

Außer Tierwirt gibt es noch weitere Berufe, die sich hauptsächlich mit Tieren befassen: Pferde- und Fischwirt sowie Revierjäger. „Das hat aber nichts mit diesem ‚Forsthaus Falkenau‘-Image aus dem Fernsehen zu tun“, stellt Börgermann klar. Der Revierjäger sei für die Erhaltung des Waldes zuständig und kümmere sich besonders um den Wildbestand- er erlegt nicht nur, er füttert auch.

Für die Imkerei hat sich Jessika unter anderem deshalb entschieden, weil sie so gern mit Tieren arbeitet. Bienen sind für sie etwas ganz Besonderes: „Dass die Bienen so zusammenarbeiten, das fasziniert mich.“ Tierwirt in einem anderen Bereich könnte sie sich nicht vorstellen. „Höchstens vielleicht im Tierheim“, sagt sie. Aber wer da arbeitet, ist eben nicht in der Landwirtschaft tätig. Grüne Berufe seien alle im weitesten Sinne Berufe der Produktion - von Pflanzen und Lebensmitteln.

Für den technischen Bereich in der Branche ist vor allem die Fachkraft Agrarservice zuständig. Sie bedient landwirtschaftliche Fahrzeuge wie Mähdrescher und andere Erntemaschinen. Sie arbeitet oft in Lohnunternehmen, die für kleinere landwirtschaftliche Betriebe gegen Bezahlung Felder bewirtschaften.

Die Ausbildung zum Landwirt sei die umfangreichste, sagt Zschaage. Vom Saatgut bis zur Ernte muss er sich in allen Bereichen auskennen. Bleiben noch: Gärtner, Winzer und Hauswirtschafter. Letzterer kann auf Betrieben arbeiten, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, in Bauernhofcafés oder Hofläden.

Klischees über Landwirtschaft gibt es viele. Die meisten seien immer schon überholt gewesen, sagt Börgermann. „Der Ehegatte muss nicht auch Landwirt sein“, sagt sie. Und: „Man muss keinen eigenen Hof haben.“ Börgermann hat Landwirtschaft studiert. Akademikern stehe ein breites Einsatzgebiet offen: Sie können bei der Landwirtschaftskammer arbeiten oder sogar in Banken, wo sie für die Kredite der Landwirte zuständig sind. Oder sie gehen zurück in die Praxis, bewirtschaften einen Bauernhof - mit allem, was dazugehört.

Johanna Uchtmann