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Studium & Beruf Was Arbeitnehmer mit Zweitjob beachten sollten
Campus Studium & Beruf Was Arbeitnehmer mit Zweitjob beachten sollten
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15:42 23.11.2010
Arbeitnehmer auf der Suche nach einem Zweitjob
Arbeitnehmer sprechen es besser vorher mit ihrem Chef ab, wenn sie einen Zweitjob annehmen wollen. Quelle: Koark
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Bundesweit hatten 2008 mehr als 1,4 Millionen Menschen einen Zweitjob, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ergeben hat. Das waren rund 3,7 Prozent aller Erwerbstätigen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland zwar eher wenige Männer und Frauen mit mehreren Jobs. Allerdings ist ihre Zahl in jüngster Zeit deutlich gestiegen: 2002 hatten erst etwa 800 000 Menschen einen Zweitjob.

Dazu gehören keineswegs nur Erwerbstätige mit einem geringen Ausbildungsniveau, wie DIW-Experte Karl Brenke in der Studie erläutert. Zwar sei in den vergangenen Jahren die Zahl der Zweitjobber stark gestiegen, die in ihrer ersten Beschäftigung Hilfstätigkeiten ausüben. Allerdings nähmen auch Künstler, Landwirte, Wissenschaftler, Juristen und Fachkräfte im Sozialbereich häufig eine zusätzliche Beschäftigung an. Somit gebe es eine zweigeteilte Entwicklung: Es seien Zuwächse bei Zweitjobbern mit einfachen wie auch komplexen Tätigkeiten im Hauptberuf zu verzeichnen.

Grundsätzlich ist es das gute Recht eines Arbeitnehmers, mehrere Arbeitsverhältnisse einzugehen. Allerdings dürften sich diese Tätigkeiten nicht zeitlich überschneiden, erklärt Heike Helfer, Sprecherin des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Berlin. „Außerdem müssen die beiden Jobs miteinander vereinbar sein.“ Die Interessen des Hauptarbeitgebers dürften nicht eingeschränkt werden.

Was das im Einzelfall konkret bedeutet, ist mitunter ziemlich kompliziert. „Man unterscheidet nämlich zwischen anzeigepflichtigen und genehmigungspflichtigen Nebenjobs“, erklärt Prof. Jens Schubert. „Nur einmalige, kleinere Tätigkeiten sind nicht anzeigepflichtig – es sei denn, man arbeitet beim Konkurrenzunternehmen“, sagt der Rechtsexperte der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Berlin. Hilft eine Friseurin also ausnahmsweise einmal im Restaurant aus, muss sie dem Chef nicht Bescheid sagen.

Wird das zur Regel, sieht die Sache anders aus. „Der Zweitjob ist in der Regel anzeigepflichtig“, führt Schubert aus. „Ist man durch ihn so eingebunden, dass er den Erstjob nachhaltig beeinflusst, ist er sogar genehmigungspflichtig.“ Dazu gehöre beispielsweise, wenn man abends so lange oder körperlich so anstrengend arbeite, dass man morgens beim Dienstantritt im Hauptjob schon erschöpft sei. Für so einen Zweitjob brauchen Beschäftigte also die Erlaubnis vom Chef.

Aufpassen sollten Doppeljobber auch beim Thema Urlaub. „Wer im Hauptjob Urlaub hat, darf in dieser Zeit nicht voll im Zweitjob arbeiten“, erläutert Schubert. Schließlich ist der Urlaub zur Erholung gedacht. Wollen Arbeitnehmer in dieser Zeit dennoch Geld verdienen, müssen sie sich das ebenfalls vom Hauptarbeitgeber genehmigen lassen.

Schwierig wird es, wenn man sich im Zweitjob verletzt und deswegen im Hauptberuf ausfällt. „Es ist extrem wichtig, auch bei der Zweitstelle unfallversichert zu sein“, mahnt der Gewerkschaftsexperte. Denn wer nebenbei unversichert putzt oder tapeziert und sich dabei ein Bein bricht, ist durch den Hauptjob nicht abgesichert.

Wer sich unsicher ist, welche Regeln und Einschränkungen für ihn gelten, sollte sich beim Betriebs- oder Personalrat schlaumachen. Im schlimmsten Fall kann eine Abmahnung oder eine Kündigung im Hauptjob drohen.

dpa/tmn