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Demenz - Leben im Schatten Im Pflegeheim ein Zuhause-Gefühl entwickeln
Campus Themen Demenz - Leben im Schatten Im Pflegeheim ein Zuhause-Gefühl entwickeln
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19:23 13.07.2009
Geborgenheit vermitteln: Traute Hüller und St. Paulus Pflegedienstleiterin Eva-Maria Güthoff.
Geborgenheit vermitteln: Traute Hüller und St. Paulus Pflegedienstleiterin Eva-Maria Güthoff. Quelle: CH
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Entscheidend ist, dass die Menschen ihr Zuhause nicht verlieren beziehungsweise es schnell wieder finden“, sagt Gudrun Trapphagen. Die Fachkraft für Gerontopsychiatrie am Caritas Seniorenstift St. Paulus in Göttingen betreut zusammen mit ihren Kollegen die an Demenz erkrankten Heimbewohner. „Dabei müssen es nicht unbedingt die eigenen Möbel sein, die ein wohnliches Gefühl vermitteln, auch wenn diese nach Absprache mitgebracht werden können“, erklärt Trapphagen. Wichtiger sei, dass sie in die Biografie der Betroffenen passen. Schwedische Möbelhäuser wäre da unpassend.

Ideal für die Demenz-Patienten sei außerdem ein Programm mit vielen, kurzen „Zehn-Minuten-Aktivierungen“. Das können ganz einfache Beschäftigungen sein wie Singen oder kurze Gymnastikeinheiten. Dies betont auch Anna Ohm, Koordination der Demenz-WG im Seniorenzentrum Göttingen. Dort leben Menschen zusammen, die so schwer demenzkrank sind, dass sie sich nicht mehr in den allgemeinen Wohnbereich eingliedern lassen.

Neben den Aktivierungsangeboten werden die Bewohner in die hauswirtschaftlichen Aufgaben eingebunden, wobei auch hier ein biografischer Bezug wichtig ist: „Nach dem Frühstück backen wir beispielsweise gemeinsam einen Kuchen, andere Damen trocknen das Geschirr ab oder legen Wäsche aus der Wäscherei zusammen.“ Die Herren verteilten die Wäsche anschließend. „Von unseren derzeit 124 Bewohnerinnen und Bewohnern werden 70 wegen einer Demenz umsorgt, erläutert Geschäftsführer Jens-Uwe Krüger. Diese werden teilweise in der Tagespflege als „ambulante“ Gäste betreut. Die meisten wohnen im stationären Bereich mit seiner integrativen Betreuung. Dort werden bewusst Demenzkranke und nicht betroffene, ältere Menschen zusammengebracht. „Fast immer entsteht zwischen den Bewohnern bald ein von gegenseitigem Respekt geprägter Kontakt“, so Ohm.

Gegenseitige Hilfe

Die Menschen beginnen, sich gegenseitig zu helfen und aufeinander acht zu geben. Einige schwer Erkrankte leben in der Demenz-WG. Sowohl Ohm als auch Trapphagen sehen das eintägige Probewohnen, das manchmal empfohlen wird, bei Demenzkranken sehr kritisch. „Die fremde Umgebung ist für diese Menschen der pure Stress“, erklärt Trapphagen. Typischerweise sind die Häuser ohnehin bereits bekannt – etwa durch das Tagespflegeangebot.

„Für die Angehörigen da zu sein, ist wichtig“, erklärt Michael Reimann, Geschäftsführer des Caritas Seniorenstiftes. Meist muss eine Vielzahl von Fragen beantwortet werden. Viele haben zudem Schuldgefühle, weil sie den Kranken in ein Heim geben. Wenn beispielsweise Vater oder Ehepartnerin im Seniorenstift untergebracht seien, bilde sich oft ein sehr enges Band zwischen Angehörigen und Mitarbeitern des Stifts. „Das ist für uns auch positiv, weil wir biografische Informationen erhalten“, erklärt Trapphagen.

Von Heike Jordan