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Demenz - Leben im Schatten Verfügungen und Vollmachten
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19:13 27.07.2009
Berät über die Vorsorgevollmacht: Solveig Gabeler.
Berät über die Vorsorgevollmacht: Solveig Gabeler. Quelle: Vetter
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Die Ratschläge treffen auch auf jede andere Form einer fortschreitenden Demenz zu. Solveig Gabeler, gesetzliche Betreuerin beim Betreuungsverein Stadt Göttingen, geht noch weiter: „Eigentlich sollte jeder eine Vorsorgevollmacht ausstellen, denn auch ein Unfall kann dazu führen, dass man plötzlich nicht mehr in der Lage ist, selbst bestimmt zu entscheiden.“

Entgegen der landläufigen Meinung sei es keineswegs so, dass beispielsweise Ehepartner oder -partnerin oder erwachsene Kinder rechtsverbindliche Erklärungen oder Entscheidungen abgeben dürfen, wenn eine Person nicht mehr in der Lage ist, eigenverantwortlich zu entscheiden und dies zu äußern. „Lediglich Eltern haben für minderjährige Kinder noch ein umfassendes Sorgerecht.“

Mit der Vorsorgevollmacht ermächtigt man eine oder mehrere Personen des Vertrauens, bestimmte Entscheidungen zu treffen, wenn man diese selbst nicht mehr regeln kann. Das können für verschiedene Bereiche unterschiedliche Personen sein.

Behandlungen zustimmen

„Oft rate ich beispielsweise, bei finanziellen Angelegenheiten jemanden hinzuzuziehen, der nicht zu den potenziellen Erben gehört, um Streit zwischen Geschwistern auszuschließen“, erklärt Gabeler.

Typische Felder der Vorsorgevollmacht sind beispielsweise Gesundheitsvorsorge und Pflegebedürftigkeit, Aufenthalt und Wohnungsangelegenheiten, Behörden, Vermögenssorge, Post- und Fernmeldeverkehr sowie die Vertretung vor Gericht. Eine dafür bevollmächtigte Person kann beispielsweise ärztlichen Behandlungen zustimmen oder diese unterbinden. Ärzte können gegenüber dieser Person von ihrer Schweigepflicht entbunden werden. „Regeln lassen sich aber auch ganz unspektakuläre Alltagsbelange: Wer darf Pakete bei der Post abholen oder nach dem Umzug ins Heim den Telefonanschluss kündigen?“

Interpretationen klären

Im Vermögensbereich kann beispielsweise dazu ermächtigt werden, in gewissem Rahmen Schenkungen vorzunehmen oder Verbindlichkeiten einzugehen. „Eine Vorsorgevollmacht muss im Bedarfsfall im Original vorliegen“, so Gabeler. Sie müsse allerdings nicht zwangsläufig notariell beglaubigt sein. „Dies ist immer dann sinnvoll, wenn nennenswertes Eigentum wie etwa Immobilien vorhanden ist.“ Vorteilhaft sei es außerdem, die Bevollmächtigten konsequent in das Erstellen der Vollmacht einzubinden. Auf diesem Wege lassen sich Wünsche und Interpretationen klären, die nicht in der Vollmacht niedergeschrieben sind.

Fehlt eine Vorsorgevollmacht, kann die Bestellung eines gesetzlichen Vertreters durch das Vormundschaftsgericht notwendig werden. Die Vollmacht sollte dem Bevollmächtigten oder einer anderen Vertrauensperson – etwa dem Hausarzt – direkt ausgehändigt werden. Sie kann jederzeit widerrufen und sollte etwa alle zwei bis drei Jahre bestätigt werden.

Von Heike Jordan

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