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Sammlungen der Universität 200 Jahre alte Objekte im Museum der Chemie Göttingen
Campus Themen Sammlungen der Universität 200 Jahre alte Objekte im Museum der Chemie Göttingen
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11:27 29.07.2013
Historische Lehrbücher: Aus dem 18. Jahrhundert stammen einige der Exemplare im Museum der Göttinger Chemie. Quelle: Kirschmann-Schröder
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Hinzu kommen chemische Präparate aus dem Laboratorium von Otto Wallach (1847-1931). Auch frühe Analysenwaagen aus der Fabrik von Florenz Sartorius (1846-1925) befinden sich in der Sammlung. Diese umfasst mehrere hundert historische Objekte, Fotografien, Bücher und Dokumente zur Geschichte der Chemie, insbesondere in Göttingen. Zu ihnen gehört auch die Promotionsurkunde von Friedrich Wöhler aus dem Jahr 1823.

Friedrich Wöhler (1800-1882) ist wahrscheinlich der bekannteste Göttinger Chemiker. Durch seine Herstellung von elementarem Aluminium und durch die Synthese von Harnstoff im Labor war er schon berühmt, bevor er nach Göttingen berufen wurde.

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In den Jahren 1842 und 1860 wurden für Wöhler und seine Mitarbeiter neue Laboratorien in der Hospitalstraße errichtet; heute steht dort sein Denkmal. Im Jahr 1862 entdeckte Wöhler ein Verfahren zur Gewinnung von Acetylen, das in der Folgezeit ein vielseitiger Grundstoff für die chemische Industrie wurde und auch für Beleuchtungszwecke Verwendung fand.

Es gab sogar umfangreiche Vorhaben, überschüssige elektrische Energie (zum Beispiel aus Wasserkraft) in Form von Calciumcarbid (dem Ausgangsstoff für Acetylen) zu speichern und dann bei Bedarf in Acetylen umzuwandeln.

Chemische Energiespeicherung

Sehr ähnliche Projekte zur chemischen Energiespeicherung sind auch heute aktuell. Als ein bedeutender Vertreter dieser frühen elektrochemischen Industrie soll hier nur Alexander Wacker erwähnt werden. Er war auch Mitglied der 1898 gegründeten „Göttinger Vereinigung“, der ersten Verbindung zwischen Persönlichkeiten von Universität und Industrie zur Förderung von angewandter Forschung in Mathematik, Physik und Chemie.

Interessante Beziehungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit lassen sich am Beispiel der hochaktuellen Nanowissenschaften aufzeigen. Als früher Forscher auf dem Gebiet der Nanopartikel muss hier Richard Zsigmondy (1865-1929)genannt werden, von dem kürzlich ein bedeutender Nachlass aus Familienbesitz erworben werden konnte. Zsigmondy wirkte ab 1908 am Institut für Anorganische Chemie, nachdem er vorher schon sehr erfolgreich in der Glasindustrie (Firma Schott und Genossen in  Jena) tätig war.

In Göttingen entwickelte er 1912 mit der Firma Rudolf Winkel (heute Zeiss) eine neue Version seines Ultramikroskops. Mit diesem Gerät konnten erstmals einzelne Nanopartikel beobachtet werden. Zur Separation der Nanopartikel entwickelte Zsigmondy geeignete Membranfilter und Ultrafeinfilter, die den Beginn der Sparten Filtertechnik und Biotechnologie der Sartorius AG darstellen.

Die künstlerische Begabung von Richard Zsigmondy zeigt sich in einer Serie von Aquarellen, die nun im Besitz des Museums sind und erstmalig veröffentlicht werden können. Es handelt sich um Motive aus Göttingen und der Umgebung sowie aus dem Trentino, wo der Chemiker ein Anwesen besaß.

Private Vorlesunge der Chemie

Die Fakultät für Chemie an der Georg-August-Universität hat eine lange Tradition. Bereits kurz nach der Gründung der Universität im Jahr 1737 wurden private Vorlesungen der Chemie gehalten. Im Jahr 1783 entstand das erste offizielle chemische Laboratorium.

Der Aufstieg zu einer der weltweit führenden Chemie-Forschungseinrichtungen wurde unter anderem von Johann Friedrich Gmelin (1748–1804), Friedrich Wöhler (1800–1882), Gustav Tammann (1861–1938) und den Nobelpreisträgern Otto Wallach (1847–1931), Walther Nernst (1864–1941), Richard Zsigmondy (1865–1929) und Adolf Windaus (1876–1959) geprägt.

Das im Jahr 1979 gegründete Museum der Göttinger Chemie befindet sich im Hörsaalgebäude der Fakultät für Chemie der Universität Göttingen, Tammannstraße 4. Die chemiegeschichtliche Dauerausstellung kann nach Terminvereinbarung besucht werden. Zudem richtet das Museum Sonderausstellungen aus und beteiligt sich an übergreifenden Ausstellungen.

Unterstützung erhält das Museum durch einen Förderverein, dem überwiegend die in Göttingen tätigen Chemie-Hochschullehrer und ehemalige Göttinger Chemie-Absolventen angehören.

Weitere Informationen unter chemiegeschichte.de

Von Ulrich Schmitt