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Sammlungen der Universität Sammlung der Universität Göttingen: Landkarten, Handschriften, Drucke
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16:02 28.06.2013
Expeditionen nach Sibirien und Alaska: Karte aus dem Jahr 1779, die die Universität wie viele andere Stücke von Baron von Asch erhielt.
Expeditionen nach Sibirien und Alaska: Karte aus dem Jahr 1779, die die Universität wie viele andere Stücke von Baron von Asch erhielt. Quelle: Liebetruth
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Bereits vor der Einweihung der Georgia Augusta im Jahr 1737 war mit 12   000 Bänden, von denen nicht weniger als 9  000 aus der Privatbibliothek des Großvogtes Joachim Hinrich von Bülow (1650-1724) stammten, ihr Grundstock gelegt:

Mit der ihm eigenen Umtriebigkeit und Hartnäckigkeit war es dem hannoverschen Staatsminister und ersten Kurator der Göttinger Universität Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) gelungen, diese wertvolle Büchersammlung als Schenkung der Erben für die Bibliothek zu erwerben – eine Schenkung, in der alle Wissensgebiete vertreten waren, die an der jungen Universität gelehrt wurden.

Die Aktivitäten Münchhausens bildeten gleichsam den Auftakt für ein ebenso ehrgeiziges wie erfolgreiches Erwerbungsprogramm der Bibliothek, das ihr langjähriger Direktor Christian Gottlob Heyne (1763 - 1812) im Jahr 1810 beschrieb als „ununterbrochene planmäßige Anschaffung desjenigen, was ... nötig ist für eine Bibliothek, welche für einen wissenschaftlichen Plan, … nach Inbegriff und Umfassung der wichtigsten Schriften aller Zeiten und Völker in allen Wissenschaften ... eingerichtet ist“.

International bedeutend

Der gezielte und systematische Erwerb einzelner Titel wie ganzer Sammlungen erlaubte es, international bedeutende Sammlungsgruppen aufzubauen, die heute einen Bestand von fast acht Millionen Medieneinheiten bilden.

Zu diesen Sammlungsgruppen zählt die Kartensammlung: Bereits die Bibliothek Bülows hatte mit 2  000 Karten ihren Grundstock gelegt. Weitere Zuwächse folgten rasch: so allein im 18. Jahrhundert etwa die 3000 Karten umfassende Sammlung des Inhabers des ersten geographischen Lehrstuhls in Göttingen, Johann Michael Franz (1700–1761).

Hinzu kamen einzigartige Karten Sibiriens, Russlands und Asiens, die der Göttinger Alumnus und russische Baron Georg Thomas von Asch (1729–1807) der Bibliothek zum Geschenk machte. Mit einem historischen Bestand von mehr als 65    000 Blättern und von rund 320    000 Blättern sowie 9000 Atlanten aus der Zeit nach 1945 ist die Kartensammlung heute eine der bedeutendsten ihrer Art in Europa und wird mit dem Sammelschwerpunkt „Thematische Karten“ ständig weiter ausgebaut.

Sondersammelgebiet

Die thematischen Karten bilden so eines von 16 Sondersammelgebieten, die die SUB Göttingen betreut: In dem Sondersammelgebietsprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat sie für 16 Fächer einen umfassenden Sammelauftrag und gewährleistet so ein reiches Angebot hochspezialisierter Literaturbestände für die Forschung. Das Spektrum reicht von der Geschichte und Literatur des angloamerikanischen Kulturraums über die reine Mathematik bis hin zur Astronomie, Astrophysik und Weltraumforschung.

Weitere Spezialsammlungen der Bibliothek bilden Handschriften und wissenschaftliche Nachlässe bedeutender Gelehrter wie Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) oder Carl Friedrich Gauß (1777–1855) sowie wertvolle seltene Drucke aller Wissensgebiete, darunter eine bedeutende Wiegendrucksammlung mit dem wohl bekanntesten an der SUB Göttingen verwahrten Buch – der Gutenberg-Bibel. Diese wurde im Jahr 2002 zum Weltdokumentenerbe der Unesco erklärt.

Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten verfolgt die Bibliothek auch eine Ergänzung ihrer historischen Sammlungen. So schloss sie sich mit fünf weiteren großen deutschen Bibliotheken im Jahr 1989 zur „Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke“ zusammen, um eine retrospektive und dezentrale Nationalbibliothek für alle deutschsprachigen oder im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke aus dem Zeitraum von 1450 bis 1912 aufzubauen.

Nationalbibliothek

Hier übernimmt die Bibliothek durch kontinuierliche antiquarische Ergänzungen von zwischen 1701 und 1800 erschienenen Drucken die Rolle einer Nationalbibliothek für das Jahrhundert der Aufklärung und bietet so der Frühneuzeitforschung herausragende Arbeitsgrundlagen.

Als Einrichtung zur Retrodigitalisierung historischer Buchbestände wurde 1997 das Göttinger Digitalisierungszentrum (GDZ) eingerichtet. Bereits mehr als zehn Millionen digitalisierter Seiten aus Bereichen wie Reisebeschreibungen (Itineraria), Mathematica, Nord-Americana, Sibirica, Wissenschaftsgeschichte, Zoologica sowie unikale Bestände des 17. und 18. Jahrhunderts stellt die SUB Göttingen so für Forschung, Lehre und Studium weltweit frei zugänglich zur Verfügung.

Von Silke Glitsch