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Sammlungen der Universität Historische Objekte am Institut für Geophysik
Campus Themen Sammlungen der Universität Historische Objekte am Institut für Geophysik
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11:26 29.07.2013
Verdrehter Kompass: Inklinatorium von Meyerstein. Quelle: Eckhardt
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Göttingen

Viele Objekte sind durch Schenkungen an das Institut gelangt sind. Darunter auch die von Emil Wiechert (1861-1928) gebauten Seismographen. Seit dem Umzug 2005 sind diese allerdings nicht mehr Bestandteil der Sammlung, weil sie als „Immobilien“ den Umzug nicht mitmachen konnten.

Ein Teil der Sammlung ist im Eingangsbereich des Instituts für Geophysik untergebracht und dort im begrenzten Rahmen öffentlich zugänglich. Die Objekte werden derzeit nicht mehr in Forschung und Lehre genutzt. Für die Geschichte der Geophysik sind sie jedoch von außerordentlichem Wert. Zu den besonderen Stücken gehören:

  • ein Inklinatorium von Moritz Meyerstein (1847). Ein Inklinatorium ist ein um 90 Grad verdrehter Kompass, der anstelle der Deklination die Inklination, also den Winkel zwischen der Erdoberfläche und der Richtung des Erdmagnetfeldes misst. Carl Friedrich Gauß hatte mit seiner Bestimmung der Horizontalintensität des Magnetfeldes die Magnetfeldstärke an das System Physikalischer Einheiten (Länge, Gewicht) angeschlossen.
  • Universalinstrument (Theodolit) von 1820. Dies ist ein Theodolit mit zwei gleich guten Teilkreisen für Horizontal- und Vertikalwinkelmessungen. Dieses 66 Zentimeter hohe Instrument wurde von Gauß um das Jahr 1820 angeschafft und bei der Hannoverschen Gradmessung verwendet.
  • Inklinatorium von Thomas Romney Robinson (1840), mit dem der Neigungswinkel der erdmagnetischen Feldlinien zur Horizontalen gemessen wird. Die Magnetnadel zeigt die Neigung (die Inklination) am Aufstellungsort an. In Göttingen beträgt diese rund 67 Grad. Das von Robinson 1840 gebaute Instrument ist das älteste dieser Art am Institut für Geophysik.
  • Zwölfzolliger Bordascher Repetitionskreis (1813). Das Instrument gehört zu den ältesten überlieferten Objekten am Institut für Geophysik und wurde von Reichenbach, Utzschneider und Liebherr im Jahr 1813 gebaut. Es ist etwa 60 Zentimeter  hoch. Das Instrument wurde bei der Hessischen Landesausstellung 2008 „König  Jerome Bonaparte und der Modellstaat Königreich Westphalen“ gezeigt.

Die Meinungen über die Herkunft des hier ausgestellten Bordaschen Repetitionskreis sind widersprüchlich. Laut Westphälischem Moniteur soll Jerome Bonaparte das Instrument und andere Gerätschaften der Göttinger Universität bei einem Besuch im Mai 1808 als Schenkung übergeben haben (Westphälischer Moniteur, 17.5.1808; Göttingische Gelehrte Anzeigen, 10.5.1813).

Gauß meinte hingegen, die Sternwarte habe das Instrument aus der Werkstatt von Georg von Reichenbach. Der Gelehrte berichtet 1813 über die Anschaffung und erste Messungen, mit denen er die Poldistanz der Göttinger Sternwarte aus Beobachtungen des Polarsterns bestimmte (Carl Friedrich Gauß, Werke IV, 1903).

  • Magnetische Variationsinstrumente. Die beiden von Toepfer und Sohn in Potsdam hergestellten Instrumente messen die zeitlichen Variationen der horizontalen Komponenten H (nach magnetisch Nord) und D (nach magnetisch Ost) des Erdmagnetfeldes. Laut Inventarbuch des Instituts wurden diese Geräte im Jahr 1903 von dem bekannten norwegischen Erdmagnetiker Kristian Birkeland übernommen.

Zur Person

Rainer Hennings

Rainer Hennings ist seit 1977 als Technischer Angestellter am Institut für Geophysik beschäftigt.

Er wurde 1952 in Uelzen geboren und absolvierte die Realschule in Weende. Danach begann er eine Lehre als Technischer Zeichner.

Bundeswehr und Fachabitur folgten. Die Aufgaben im Institut für Geophysik sind für Hennings vielfältig. Seit dem Umzug 2005 betreut er nebenbei die Sammlung des Institutes für Geophysik.

Wichtig ist ihm, dass diese historischen Instrumente der Nachwelt erhalten bleiben.

Von Rainer Hennings

Die Sammlung am Institut für Geophysik umfasst etwa 50 historische Exponate.