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Zehn Fragen an 100 Ehemalige der Georgia Augusta Tete Böttger Kunstverleger
Campus Themen Zehn Fragen an 100 Ehemalige der Georgia Augusta Tete Böttger Kunstverleger
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17:09 16.10.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Verleger und Beutekunst-Sucher: Tete Böttger.
Verleger und Beutekunst-Sucher: Tete Böttger. Quelle: EF
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Göttingen

Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Flucht 1962 aus Berlin vor dem erkennbar beginnenden Berlin-Irresein der dortigen Studenten in göttingische Solidität.

Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an …

… die Gedankengoldgrube des Physikers Lichtenberg als heitere Herausforderung für seine Nachdenker wie Nietzsche oder Freud – die dann auch in Göttingen folgende Entstehung der Physik der Neuzeit. Und ich habe meine helle Freude als Arkarnist an der Gewissheit weiteren weltbewegenden biophysikalisch chemischen Erkenntnisgewinns, grade wieder hier im Entstehen begriffen.

Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Horst Janssen zu Lichtenbergs Wiederbelebung zeichnen lassen zu können, Bücher davon mit Steidl zu verlegen und schließlich meine und Janssens Signatur als Fußkuss auf dem Schnallenschuhen des Marktdenkmals von Lichtenberg, zu Günther Grass’ Vergnügen an Göttingen.

Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Alle Antiquariate waren Magnet, damals verziert mit Jungbuchhändlerinnen, gelesen wurde schönstenfalls bei Cron & Lanz.

Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Nach weltläufiger Genfer und Berliner Studienverwöhntheit war Völker- und Atomenergierechtler Erler mit seinem eleganten juristischen Blick über Gott und die Welt der Anbieter von Horizonten für Lernbegiers Motivationsbeflügelung.

Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Abreisen in andere Landschaften blieb verlockend; Verzettelung über Bahn-Billets – hauptsächlich zum zoobesuchshaften Betreten dieses Berlins, in dem sich wie Yin und Yang zwei Denken ineinander verbissen hatten. Beim Zuhören erfuhr man dort schon die Zukunft. Diese Sünde kam mir Jahre später aus gescheiterter Stasi-Anwerbungsakte minutiös verzeichnet wieder entgegengepurzelt, alles Kommende schon vorweg genommen als darin schon verzeichnete Geschichte.

Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Noch mehr den Naturwissenschaften sich auszusetzen, wäre als Studium verführerisch, um den „Spuk der Verschränkung“ in der Quantenphysik auf parapsychologische Weise ein erhellendes Ende zu bereiten zu versuchen, immerhin Einsteins Einsicht: Dort spukt es. Schöne Grenzen des Begreifens!

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Domine fac me scire viam quem ambulem, zu ungefährem Deutsch: Vielleicht weiß der Herr meinen Weg und zeigt ihn mir.

Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Rückkehrend seh ich ganz Göttingen immer gern, dankbar auf dem Bahnhof, dass Freund Torsten Wolfgramm, ehemaliger FDP-Bundestagsabgeordneter, den ICE Haltepunkt bei Bundesbahnchef Golke damals ertrotzt hat.

Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Schafft im Studium den Spagat aus gierig eisernem Lernen und zugleich Neugier auf das Absurde, weil es die Zukunft sein könnte, und bittet um den Segen, euer Denken möge euch und den Menschen zum Guten gereichen.

Zur Person

Tete Böttger, geboren am 15. Dezember 1940 in Bad Saarow, studierte von 1961 bis 1968 Jura, Geschichte und Wirtschaft in Genf, Berlin und Göttingen.

Berlin-Irrsinn habe ihn nach Göttingen verschlagen, sagt Böttger, ein „Beziehungsgummiband“ immer wieder dorthin zurückgezogen. Dreimal war er verheiratet, sechs Töchter sind aus diesen Ehen erwachsen. Inzwischen ist er vierfacher Großvater.

Nach seiner Arbeit im Stifterverband wurde Böttger Kunstverleger, Sammler und Aussteller mit dem Schwerpunkt des Werkes von Horst Janssen.

Eine Reihe von Ausstellungen mit Bildern des Zeichners und Malers organisierte er beispielsweise in Russland, zuletzt in der renommierten Eremitage in St. Petersburg.

Zudem engagiert Böttger sich beim Auffinden und bei der Rückgabe von Beutekunst. Und intensiv suchte er viele Jahre nach dem legendären Bernsteinzimmer, das er heute für zerstört hält.